Ulm - Tübingen 80:79 - Nationalspieler Benzing erlegt erneut freiwurfschwache Tiger in letzter Sekunde
Ende ohne Schrecken
Von Frank Wild
ULM. Die Ausführungen des Tübinger Cheftrainers Igor Perovic zum Thema »Freiwurf« sind ganz einfach: »Du, der Basketball und der Ring.« Der Serbe hat gut Reden. In seiner aktiven Karriere als Tigers-Spieler kam er auf eine 75-prozentige Quote von der Linie. Seine Bundesliga-Korbjäger tun sich da deutlich schwerer.
Topscorer Michael Jenkins (links, im Duell mit dem Ulmer Lee Humphrey) wäre um ein Haar zum Held des Derbys geworden.
FOTO: Eibner
In der nun abgelaufenen Saison verschafften sie sich bei 835 Versuchen nur 550 Erfolgserlebnisse - macht eine magere Quote von 65,9 Prozent und ist der schlechteste Wert der Liga.
Beim Lokalderby in Ulm war das fehlende Zielwasser von der Linie einer von zwei Gründen, warum die Punktspielrunde mit einer Niederlage zu Ende gehen musste. Das 79:80 (39:40) wurde »geziert« von elf Fahrkarten bei 18 Versuchen - eine Quote von 39 Prozent, die durchaus als unterirdisch bezeichnet werden darf. Zudem haben es die Tübinger nicht geschafft, die Hausherren in der mit 3 000 Zuschauern restlos ausverkauften Kuhberghalle beim Rebound unter dem Korb der Tigers zu hindern.
Dass der Ulmer Nationalspieler Robin Benzing 0,4 Sekunden vor der Schlusssirene den entscheidenden Dreipunktewurf verwandelte, tat den gut 250 aus Tübingen mitgereisten Fans in der Seele weh. So avancierte der 2,08-Meter-Hüne zum Mann des Abends und stahl damit dem Tigers-Scharfschützen Michael Jenkins die Show. Der war zwar mit 21 Punkten bester Werfer der Partie - im letzten Viertel verwandelte er vier Dreier binnen zwei Minuten -, versemmelte aber ebenfalls zwei seiner drei Freiwürfe. Die hätten zum Sieg gereicht.
»Ich bin sehr enttäuscht«, gab Jenkins zu Protokoll. Er hatte seine Farben zum 70:66 in Führung gebracht (34.), Teamkollege Dane Watts diese sogar noch auf sechs Punkte ausgebaut (35.). Das packende Duell war dadurch vorentschieden. Doch dann fassten sich die Gastgeber ein Herz, wollten die Saison offenbar nicht ohne einen Erfolg in einem der vier Derbys gegen Ludwigsburg und Tübingen beenden. »Ich bin meinen Jungs sehr dankbar«, meinte denn auch der Ulmer Trainer Mike Taylor.
Spekulationen erlaubt
»Wir haben ganz ordentlich gespielt«, so Perovic, der in seiner ersten Saison als Cheftrainer auf eine Bilanz von 16 Siegen bei 18 Niederlagen zurückblicken darf. Der zwölfte Tabellenplatz bedeutet dabei auf alle Fälle ein Ende ohne Schrecken. Nach einer langen Saison mit einem kleinen Kader haben seine Jungs am Samstagabend »Auslauf« bekommen, was ein Teil der Mannschaft auch ausgiebig genutzt hat. Am heutigen Abend gibt's noch eine abschließende Team-Besprechung. Danach werden die Wege der Spieler in aller Herren Länder gehen. Sicher ist nur, dass Kapitän Jay Thomas zurückkehrt, weil einzig und allein er einen Vertrag für die neue Runde hat.
Die restlichen Tübinger Korbjäger hielten sich bis zuletzt bedeckt bei der Frage nach ihren Zukunftsplänen. Spekulationen seien an dieser Stelle trotzdem erlaubt: Die beiden Serben, Spielmacher Branislav Ratkovica und Superstar Aleksandar Nadjfeji, werden die Tigers-Anhänger genauso wiedersehen wie die US-Boys Dane Watts, Steven Wright und Publikumsliebling Kenny Williams. Auch der Nationalspieler Johannes Herber kehrt an den Neckar zurück. Bei Romeo Travis und Jenkins wird es ein langes Hin und Her geben, das der Klub allerdings in beiden Fällen verliert. (GEA)