Ludwigsburg - Tübingen 82:70 - Tigers lassen im Kampf um die Playoffs beim Lokalrivalen Federn. Cacau zu Gast
35 Minuten reichen nicht
Von Frank Wild
LUDWIGSBURG. In Sachen Show können sich die Tübinger Bundesliga-Basketballer vom Lokalrivalen EnBW Ludwigsburg noch eine Scheibe abschneiden. Da trat beim gestrigen Derby im Stuttgarter Norden mal kurz Torjäger Cacau vom Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart als »Pausenclown« und prominenter Vertreter der Kindersuchthilfe auf. Auch in Sachen Kaltschnäuzigkeit kann sich das Team noch eine Scheibe abschneiden. Die Tigers unterlagen vor 4 500 Zuschauer mit 70:82 (33:33).
Zu oft hatten sich die Tübinger Korbjäger im Lokalrivalen Ludwigsburg festgerannt. FOTO: EIBNER
»Wir waren 35 Minuten ein ebenbürtiger Gegner«, erklärte Coach Igor Perovic. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Hausherren nur mit 69:66 in Front. Dann legten die Schützlinge des letztjährigen Tübinger Trainers Tolga Öngören - getragen von den Fans in der fast ausverkauften Halle - einen Zahn zu und fuhren einen souveränen Sieg ein. »Über das gesamte Spiel war Ludwigsburg produktiver und hat besser gespielt«, so Perovic. Mit Steven Wright (0 Punkte) und Michael Jenkins (5) ließen zwei seiner Aufbauspieler einige Wünsche offen. »So wie wir heute gespielt haben, sind wir nicht playoff-fähig«, musste auch der 36-Jährige eingestehen. Sein Team ist nach vier Niederlagen aus den vergangenen fünf Spielen auf den zwölften Tabellenplatz abgerutscht. Nur die ersten Acht kommen in die Finalrunde.
Öngören wusste genau, warum seine Truppe am Ende als Sieger vom Platz gehen durfte. »Wir haben in der zweiten Halbzeit besser verteidigt und viele Punkte durch Schnellangriffe gemacht«, so der 46-jährige Türke. Nachdem seine Jungs zuletzt dreimal nur knapp nach Verlängerung gewonnen hatten, war es diesmal eine klare Sache. Der Ex-Tübinger Michael Haynes (21 Zähler) und Dominic Jones (12) streuten zum Ende hin wichtige Punkte ein. Somit wahrt sich die Truppe nach nervösem Beginn ihrerseits die Chance auf die Playoffs.
Eine Art Déjà-vu erlebten die Tübinger am Ende des ersten Viertels, als ihr Ex-Kollege Haynes wie im Hinspiel mit der Schlusssirene einen Dreipunkte-Wurf zum 17:18 verwandelte. Die Tigers hatten sich zuvor durch sechs Zähler von Romeo Travis einen Sieben-Punkte-Vorsprung herausgearbeitet (9.). Kurz vor der Halbzeit bediente der Tübinger Kapitän Jay Thomas nach zwei Ballgewinnen jeweils Kenny Williams, der den 33:33-Pausenstand herstellte.
Sieg für Baden-Württemberg
Immer wieder fanden sich Spielmacher Ratkovica und der Tübinger Star Aleksandar Nadjfeji. Dieses »Pick-and-Roll« war oft ein sicherer Punktelieferant. Ganz so effektiv, wie während der Tübinger Siegesserie Ende Dezember und im Januar war das serbische Duo aber nicht. »Meine Jungs haben einen guten Job gegen die beiden gemacht«, lobte Öngören seine Verteidigung.
Anders als Tübingen (23 Prozent) versenkten die Hausherren (46 Prozent) aber auch ihre Distanzwürfe deutlich sicher und hatten damit einen mitentscheidenden Vorteil. Zudem handelten sie sich nach dem Seitenwechsel zahlreiche Ballverluste ein. Nach dem zweiten Dunking von Haynes zum 49:44 (26.) bat Perovic zur Auszeit - die Partie drohte den Gästen aus den Händen zu gleiten. Eine ausgezeichnete Leistung von Travis - mit 22 Punkten war er wertvollster Spieler der Partie - hielt die Hoffnung auf einen Auswärtssieg lange Zeit am Leben. Das sollte aber nicht reichen.
Am Ende verabschiedeten sich Perovic und Öngören genauso herzlich, wie sie sich begrüßt hatten. Die 300 mitgereisten Fans trugen dazu bei, dass das Duell der Lokalrivalen ein durchaus ansprechendes Spiel war. »Wir haben das Derby gewonnen, aber Baden-Württemberg ist der eigentliche Sieger«, meinte ein bestens gelaunter EnBW-Coach Öngören in seiner ganz eigenen Art. (GEA)