Walter Tigers
INTERVIEW - Basketball-Bundestrainer Bauermann über die schweren Verletzungen und die Spielintelligenz des Neu-Tigers Herber sowie einen besonderen Moment mit ihm

»Joe ist ein Kämpfer«

REUTLINGEN. In den vergangenen knapp zwei Wochen hat der Tübinger Neuzugang Johannes Herber täglich in Köln unter den Fittichen von Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann trainiert. Der 27-jährige Neuzugang des Bundesligisten Walter Tigers Tübingen arbeitet derzeit intensiv an seinem Comeback auf dem Spielfeld, das er nach zwei schnell hintereinander folgenden Kreuzbandrissen schon lange nicht mehr gesehen hat. »Joe ist ein Kämpfer«, berichtete Bauermann im Gespräch mit GEA-Mitarbeiter Frank Wild über den spielintelligenten Nationalspieler. Er traue Herber zu, dass der ehemalige Aufbauspieler von Alba Berlin zu alter Stärke zurückkehren könne, so Bauermann.

GEA: Zwei Kreuzbandrisse - das ist doch der Super-GAU für einen Profisportler. Konnten Sie Johannes Herber auch mental wieder aufbauen?

Dirk Bauermann: Das ist schon bitter. Die zwei Verletzungen haben ihn eineinhalb Jahre seiner Karriere gekostet. Vor zehn Jahren wäre das noch das Ende gewesen. Mittlerweile ist die Medizin aber so weit, dass die Spieler wieder voll hergestellt werden können.

Ist Johannes Herber beim Arbeiten an seinem Comeback eigentlich ein zäher Brocken gewesen?

Bauermann: Joe ist ein Kämpfer. Er ist ein harter Arbeiter und hat viel Selbstdisziplin. Ich habe zuletzt zehn Tage mit ihm in der Halle gearbeitet. Jetzt geht es darum, möglichst schnell wieder das Basketballerische zu formen. Ich traue ihm zu, dass er zu alter Stärke zurückkehrt.

»Joe bekam von uns allen - einschließlich Dirk Nowitzki - Standing Ovations«
 
Haben Sie Johannes Herber zum Wechsel nach Tübingen geraten?

Bauermann: Über die Jahre hinweg entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Trainer. Auch Joe respektiert meinen Rat. Als klar war, dass die Walter Tigers an ihm interessiert sind, habe ich ihm zum Wechsel nach Tübingen geraten.

Wann kann man aus Ihrer Sicht mit seinem ersten Einsatz rechnen?

Bauermann: Das ist schwer zu sagen. Ich war sehr positiv überrascht, wie weit Johannes ist. Wir haben ihn hart belastet und er hat alles toleriert. Er konnte defensiv und offensiv alles mitmachen. Joe ist cleverer als die meisten anderen Spieler. Für ihn ist die Athletik daher nicht einmal so entscheidend.

Auf was dürfen sich die Tübinger Fans freuen, wenn Johannes Herber dann im Tigers-Trikot aufläuft?

Bauermann: Johannes ist ein Gewinnertyp. Er ist ein ultimativer Mannschaftsspieler, der andere um sich herum besser macht. Er verteidigt auf höchstem Niveau und hilft seinem Team in der Offensive durch Spielintelligenz.

Haben Sie einen Moment vor Augen, der Sie besonders an Johannes Herber erinnert?

Bauermann: Johannes war bei der EM 2007 in Spanien im entscheidenden Spiel beim 67:58 gegen Italien mit 15 Punkten der Matchwinner. Als er nach seinem Interview-Marathon zu uns in die Kabine kam, bekam er von uns allen - einschließlich Dirk Nowitzki - Standing Ovations. Er hat gezeigt, dass er einer der besten Allrounder ist, die wir in Deutschland haben.

Schafft Johannes Herber den Sprung zurück in die Nationalmannschaft?

Bauermann: Das muss man sehen. Er bekommt auf alle Fälle seine Chance. Man muss abwarten, wie das Knie hält und wie schnell Explosivität und Dynamik bei ihm zurückkehren. Ich hoffe, dass er es schafft, weil er uns viel geben kann. Mit Lucca Staiger, Elias Harris, Demond Greene und Philipp Schwethelm ist die Konkurrenz auf seiner Position allerdings größer geworden. Aber wie gesagt: Joe ist ein Kämpfer. (GEA)


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