Volleyball - Viel »Wirres« bei den Rottenburgern beim 3:2-Sieg gegen den Moerser SC. Müller-Angstenberger entscheidet sich vor Tie-Break gegen einen Spielerwechsel
Zum Schluss »volle Kanne«
VON MICHAEL GRIMM
TÜBINGEN . »Das Beste kommt zum Schluss« lautet der Titel eines sehenswerten Spielfilmes mit Jack Nicholson und Morgan Freemann als geniale Hauptdarsteller. Das Beste kommt zum Schluss hieß es auch im dramatischen Duell der Volleyball-Bundesliga zwischen dem EnBW TV Rottenburg und dem Moerser SC. Denn zum Schluss glänzte der TVR im Tie-Break mit 15:8 und zerstörte damit vor der Saisonminuskulisse von 1 900 Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena die Hoffnungen der »Adler«, die sich bei der 2:3 (17:25, 25:23, 23:25, 25:15, 8:15)-Niederlage zuvor heftig gewehrt hatten.
Vor dem Tie-Break hatten die Rottenburger Trainer leidenschaftlich diskutiert, ob sie mit einem Tausch der Darsteller auf der Position des Diagonalangreifers für frischen Wind sorgen sollten. Zur Debatte stand, Stefan Schneider für den bisher mit Höhen und Tiefen agierenden Falko Steinke einzusetzen. »Die Co-Trainer haben einen Wechsel gefordert. Ich habe entschieden, mit den gleichen Spielern weiterzumachen«, sagte Chefcoach Hans Peter Müller-Angstenberger nach der nervenaufreibenden Partie erleichtert, »weil ich Falko vertrauen wollte und man sich so auch Wettkampfhärte holt«.
MSC-Trainer Liu tobt
Aber nicht Steinke, sondern Matthias Pompe legte im Tie-Break mit drei Punkten den Grundstein zum Erfolg. Und nach dem 3:2 geriet das Spiel der Gäste, die dem TVR im vierten Satz noch die Leviten gelesen hatten, völlig aus den Fugen. Den vierten Punkt bekamen die Rottenburger geschenkt. Der Hauptschiedsrichter hatte MSC-Trainer Chang Cheng Liu die gelbe Karte gezeigt, weil dieser den »Scheibenwischer« in Richtung des Unparteiischen gemacht haben soll.
Nach dem Spiel tobte Liu und schwor dabei Stein und Bein, erst mit der Hand vor seinem Gesicht gefuchtelt zu haben, als er sich bereits wieder zu seiner Mannschaft umgedreht hatte. »Das kann ich mit dem Video beweisen«, schimpfte Liu wild gestikulierend.
»Die gelbe Karte war natürlich nicht förderlich, und die Niederlage ist sehr bitter«, meinte MSC-Kapitän Robin Gietzelt. Bitter auch deshalb, weil die im Abstiegskampf steckenden Moerser in dieser Saison bereits zum fünfte Mal mit 2:3 den Kürzeren gezogen hatten.
Im weiteren Verlauf des Entscheidungssatzes beim TVR waren die wie ausgewechselt und nun wieder geschlossener agierenden Gastgeber rasch von 3:2 auf 10:2 davongezogen und hatten alsbald den Sack zugemacht. »Mir ging es jedenfalls so, dass ich zeigen wollte, dass ich auch besser spielen kann«, sagte Steinke. Und Libero Willy Belizer fügte an: »Wir sind als Mannschaft wieder volle Kanne gegangen und sind für unseren Mut belohnt worden. Durch die gelbe Karte hat sich Moers selbst geschwächt.«
Müller-Angstenberger, der vor allem im vierten Satz viel »Wirres« in seinem Team erlebt hatte, machte aber auch deutlich, »dass wir im Prinzip in der Vorbereitung für die Play-offs stecken und auch was probieren«. Außerdem verwies er auf »die ganz neue Rolle« der Rottenburger, als Favorit in ein Spiel zu gehen, von dem ein Sieg erwartet werde. Dass dies nicht immer gelingen könne, beweise das Champions-League-Spiel des VfB Friedrichshafen. Der deutsche Meister war am Mittwoch überraschend im Achtelfinale bei Tirol Innsbruck gescheitert. »Friedrichshafen war mental nicht da«, erläuterte Müller-Angstenberger. (GEA)