Umweltbildung - Hendrik Schaldach legt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Biosphärenzentrum ein

Vom Allgäu auf die Alb

VON MARION SCHRADE

MÜNSINGEN. Nach dem Abi gleich Maschinenbau in München studieren? Das wäre eine Möglichkeit gewesen. Trotzdem erwog Hendrik Schaldach aus Wangen im Allgäu Alternativen. »Beim Eis-essen mit einem Kumpel«, erzählt der 19-Jährige, kam ihm eine spontane Idee, die er in letzter Minute in die Realität umsetzte: Kurz vor knapp bewarb er sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). So kam Hendrik Schaldach im vergangenen September auf die Alb: Als »FÖJler« arbeitet er für ein Jahr im Biosphärenzentrum im Alten Lager.

»Einfach mal aus dem Lernen rauskommen« wollte Hendrik Schaldach. Für ihn ist das Jahr, das er auf der Alb verbringt, eine kleine Atempause zwischen Schule und Uni. Eine sinnvolle Auszeit, die er nutzt, um sich auf seinen weiteren Lebensweg vorzubereiten. Schritt eins: Das Kinderzimmer im Allgäu gegen eine WG in Münsingen tauschen. Hendrik Schaldach wohnt gemeinsam mit den Praktikanten des Biosphärenzentrums unter einem Dach. Die wechselnden Mitbewohner sind meist ein bisschen älter als er, sie kommen im Rahmen eines Studienpraktikums ins Zentrum des Biosphärengebiets. Von ihnen kann er sich so manches abschauen: »Inzwischen klappt es mit dem Kochen schon ganz gut«, sagt der 19-Jährige.



»Keine verschwendete Zeit, sondern ein wertvolles Brückenjahr«
 
Schritt zwei: Erste Erfahrungen mit dem Berufsleben machen und neue Dinge lernen, die mit Schulwissen nicht viel zu tun haben. Hendrik Schaldach hält sich nicht nur an seiner Arbeitsstelle im Biosphärenzentrum auf. Im Laufe des Jahres wird er insgesamt fünf Seminarwochen mit anderen FÖJlern aus ganz Baden-Württemberg verbringen: »Sich gemeinsam mit Gleichaltrigen ökologische Themen zu erarbeiten oder auf Exkursion zu gehen macht großen Spaß«, meint er.

Wie er sein Wissen, aber auch seine eigenen Talente und Vorkenntnisse im Biosphärenzentrum einbringen kann, darf er in großen Teilen mitentscheiden: »Das Team bringt mir hier sehr viel Vertrauen entgegen und räumt mir Freiräume ein, sodass ich meine Stelle auch ein Stück weit selbst gestalten kann«, sagt Hendrik Schaldach. Dass er erst der zweite FÖJler im noch jungen Biosphärenzentrum ist, sieht er positiv: »Es ist sehr spannend, einen Anfangsprozess mitzugestalten, entsprechend vielseitig sind die Aufgaben.«

Der 19-Jährige betreut die Ausstellung im Biosphärenzentrum und empfängt Besucher. Im Frühjahr beginnt die Hochsaison, dann kommen viele Schulklassen und Gruppen, die Hendrik Schaldach mit Informationen versorgen wird. In den Büros der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets lernt er die Aufgaben und Arbeitsprozesse einer klassischen Verwaltung kennen. Auch wie sich die Alb als Tourismus-Destination präsentiert, bekam er vom Logenplatz aus mit: »Dass ich bei der CMT dabei sein und Standdienst machen durfte, war eine tolle Erfahrung.«

Wenn Hendrik Schaldach von den landschaftlichen Schönheiten des Biosphärengebiets schwärmt, wird klar: Der Allgäuer fühlt sich auf der Alb schon heimisch. Den Farbrausch der Buchenwälder im Herbst und den Blick übers Lautertal von Burg Hohengundelfingen wird er so schnell nicht vergessen. Mit Forststudenten erkundete er die Wacholderheiden. Davon, wie schön die blühenden Streuobstwiesen im Frühjahr sind, haben ihm seine Kollegen schon vorgeschwärmt, in ein paar Monaten wird er dieses typische Alb-Bild mit eigenen Augen sehen. Nicht nur mit dem Land, sondern auch mit den Leuten ist der Allgäuer schnell warm geworden: Als begeisterter Kicker geht er nach Auingen zum Fußballtraining.

»Ich kann allen Abiturienten nur empfehlen, ein FÖJ zu machen«, schlussfolgert er aus seinen eigenen Erfahrungen. Vor allem auch für die Absolventen des doppelten Abi-Jahrgangs könnte ein FÖJ ein sinnvoller Plan B sein: Wer keinen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommt, sollte keinen Frust schieben. »Ein FÖJ ist keine verschwendete Zeit, sondern ein wertvolles Brückenjahr und eine gute Orientierungshilfe«, sagt Hendrik Schaldach. Der beste Beweis dafür ist er selbst. Seinen ursprünglichen Studienwunsch Maschinenbau hat er inzwischen variiert: Jetzt will er sich für einen Platz an der Uni Stuttgart in der Fachrichtung »Erneuerbare Energien« bewerben. (GEA)



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