Basketball - Walter Tigers bei Niederlage in Frankfurt nahe am Offenbarungseid. Nun ist ein Sport-Psychologe gefragt

Krisengespräch bei den Walter Tigers nach Frust-Pleite

VON FRANK WILD

FRANKFURT/TÜBINGEN. Statistiken sprechen beim Basketball Bände. Und diese sprachen am zweiten Weihnachtsfeiertag bei der 63:90-Niederlage gegen den Bundesliga-Rivalen aus Frankfurt zum wiederholten Mal nicht für die Walter Tigers. Nur bei den geblockten Würfen waren die Gäste aus Tübingen (5) besser als die Fraport Skyliners (1). Statistiken sind das Eine. Der erschreckende Eindruck, den das Team von Cheftrainer Mathias Fischer hinterließ, ist das Andere.

Trainer Mathias Fischer. FOTO: EIBNER
Trainer Mathias Fischer. FOTO: Eibner
Der Kampfgeist, der bislang zumindest noch irgendwie vorhanden war, war gegen den Play-off-Kandidaten ab Mitte des zweiten Viertels nicht mehr vorhanden. Was die Tigers in der Folge zeigten, war nahe am Offenbarungseid. »Wir sind ziemlich schnell auseinandergefallen«, konstatierte der seit Ende November neue Coach. Was so mancher Leistungsträger in der Fraport Arena vor 3 920 Zuschauern ablieferte, grenzte an Arbeitsverweigerung. Der Frust war offensichtlich bei der bislang höchsten Saison-Niederlage.

Zugang McCrea als Lichtblick

Gestern wurden die Spieler von Fischer und Geschäftsführer Robert Wintermantel bei einem Krisengespräch in die Mangel genommen. »Es läuft in die falsche Richtung«, erklärte der Tigers-Manager und forderte: »Es ist eine schwierige Phase für uns. Da müssen wir hart spielen.« Lichtblick in diesem Zusammenhang sei der am vergangenen Freitag nachverpflichtete Center Javon McCrea. Der US-Amerikaner hätte sich bei den Hessen gegen die drohende Pleite gestemmt. Der Rest des Teams hingegen ergab sich kollektiv dem Schicksal. Und dieses scheint für den Tabellenletzten bei erst einem Sieg aus 15 Saisonspielen der Gang in die 2. Liga - Pro A zu sein.

Vom Papier her sollten die spielerischen Fähigkeiten der Tübinger eigentlich ausreichen, um in der Beletage des deutschen Basketballs bestehen zu können. »Das zählt aber nichts, wenn du in den entscheidenden Phasen auseinanderfällst«, erklärt Wintermantel. Vor allem mit Blick auf die Charaktere scheint die Mannschaft falsch zusammengestellt. Da ist keiner dabei, der in kritischen Phasen Verantwortung übernimmt. Kein emotionaler Anführer, der dazwischen haut, wenn die Situation brenzlig zu werden droht. Keine »Drecksau«.

Schon bei seinem Debüt am Samstag bei der Niederlage gegen Braunschweig fiel zumindest McCrea durch Aggressivität und Biss auf, kämpfte dabei teilweise mit Mitteln, die an der Grenze des Erlaubten waren. »Wir brauchen Spieler wie Javon. Er kommt aus sich raus und macht Sachen, die hoffentlich die ganze Mannschaft aufwecken«, lobte Fischer die Emotionalität des Neuen. Als der Coach in der Pause erstmals laut wurde und an die Ehre der Spieler appelliert hatte, verpuffte das im Nirwana. Obwohl die 40 mitgereisten Tigers-Fans lautstark Kampfgeist von ihren Spielern forderten, war vom Willen zum Aufbäumen nichts zu sehen.

Die Mannschaft wirkte ab der 18. Spielminute beim 21:0-Lauf der Frankfurter zum 57:32 wie ein Haufen Schmusekätzchen. Für den Abstiegskampf scheint das Team fiel zu lieb zu sein. Coach Fischer lebt Emotionalität vor - bei seinen Mannschaftsansprachen und auch an der Seitenlinie. Anstecken konnte er damit bislang keinen seiner Spieler. Mit Big Man McCrea ist die Zahl der leidenschaftlichen Kämpfer bei den Tigers nun zumindest auf zwei gestiegen.

Rufe nach einem Sport-Psychologen sind laut geworden - eine Maßnahme, die unter dem Ex-Coach Igor Perovic schon mal von Erfolg gekrönt war, als am Ende der Ligaverbleib geschafft wurde. Für Wintermantel ist die erneute Unterstützung eines Seelenklempners »vorstellbar«. Dieser muss versuchen, in die Köpfe der desillusionierten Spieler zu kommen und ihnen wieder Selbstvertrauen einzuhauchen. Sonst wird's nichts. (GEA)



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