TV Rottenburg
Rottenburg - Königs Wusterhausen 2:3 - Trainer und Spieler nach unnötiger Pleite auf der Suche nach den Ursachen

Unsicher und ideenlos

VON GABRIELA THOMA

TÜBINGEN. Dirk Mehlberg saß zusammengekauert am äußersten Rand der Hallenwand. Seine Augen leer, seine Lippen weiß und stumm. In sich gekehrt flüchtete der Außenangreifer der Bundesliga-Volleyballer des EnBW TV Rottenburg ins Schweigen. Nach der knappen 2:3 (16:25, 25:22, 19:25, 25:19, 13:15)-Niederlage gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen-Bestensee vor 2 000 heimischen Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena mochte sich der Sportmanagement-Student, der wie seine Mitstreiter auch weit unter seiner Form geblieben war, öffentlich nicht mehr äußern.

Einige seiner Mitstreiter verschwanden nach der schmerzhaften Pleite sofort in den Katakomben, andere jedoch stellten sich professionell und versuchten das Geschehen zu erklären. Das fiel ihnen sichtlich nicht leicht, zumal am Ende des Entscheidungssatzes die nicht ganz souveränen Schiedsrichter für eine umstrittene Entscheidung gesorgt hatten.



»Wir müssen uns für diese Niederlage schon an die eigene Nase fassen« §§ Dies führte dazu, dass die Gäste aus Brandenburg nach dem 13:13-Gleichstand zum Matchball kamen und sich bei der erfolgreichen Verwandlung nicht lange bitten ließen. »Wir haben das Spiel über die ganzen Sätze schon selber verloren. Wir brauchen keine Schuld bei den Schiedsrichtern zu suchen«, sagte Hans Cipowicz.

Klipp und klar wies er die Verantwortung für die neuerliche Niederlage sich selbst und seinen Mitspielern zu. »Wir haben einfach gegen die variable Spielweise des Gegners keine Lösung gefunden und außerdem ist in unserer Spielweise seit Wochen keine Konstanz vorhanden«, sagte der 22-jährige Medizinstudent. Der Mittelblocker war dabei als durchaus effektiver Angreifer und Motivator noch einer der Lichtblicke im grauen Einerlei der Rottenburger.

Aber weder ihm noch Diagonalangreifer Falko Steinke gelang es in der über zweistündigen Partie, die entscheidenden Initialzündungen für einen möglichen Gesamterfolg zu geben. Dabei steuerte Steinke mit 26 Zählern sogar die meisten Punkte von allen Spielern bei. Aber er war es auch, der in entscheidenden Spielsituationen seine Angaben ins Netz setzte. Sieben Mal insgesamt und damit viel zu viel.

Erst haderte der 2,05 Meter große Steinke etwas mit den Schiedsrichtern, die zu seinem Unverständnis »das ganze Spiel über nichts gepfiffen haben, um dann im fünften Satz plötzlich spielentscheidend einzugreifen.« Dennoch räumte auch er ein, dass »wir uns für diese Niederlage an die eigene Nase fassen müssen«. Steinkes Fehleranalyse mündete in seiner Erkenntnis, dass die gesamte Mannschaft in allen Elementen nicht konstant genug agiert, um das in der Liga notwendig hohe Level über mehrere Sätze halten zu können. »Auch ich reite auf dieser Welle«, nahm sich Steinke von der Kritik nicht aus.

Ein klares Bild von diesem Auf und Ab auch im Detail zeichneten die Rottenburger in allen fünf Sätzen. Nervös zu Beginn, schwach in der Annahme und nicht effektiv genug im Block gaben sie den ersten Satz deutlich an die Gäste ab, obgleich sich diese ohne zwei Stammkräfte neu organisieren mussten. Im zweiten Satz jedoch zeigten sich die Rottenburger auf Zack, agierten ruhig und überlegt in der Annahme, sodass Kapitän Gergely Chowanski seine Angreifer gut in Szene setzen konnte, man sich früh und konsequent absetzte und den Satz gewann.

Aber in Durchgang drei führte bei den Rottenburgern wieder die Unsicherheit Regie. Der Gegner nutzte die Lücken clever und setzte sich rasch ab. Dafür meldeten sich die Hausherren erfolgreich mit Mut und Kampfeswillen im vierten Satz zurück und der entscheidende Ruck schien durchs Team zu gehen. Aber im entscheidenden fünften Satz wirkten die Rottenburger, als ob sie Angst vor der eigenen Courage hätten. Winzigkeiten und am Ende fehlende Fortune ließen am Ende die pfiffigen Netzhoppers jubeln.

§§ »Wir brauchen auch mal einen, der auf den Putz haut«
 
Damit kleben die Domstädter im Tabellenkeller auf Platz zehn fest. Absteigen werden sie nicht, weil die Volleys Bottrops als Elfter und damit als designierter Absteiger bereits feststehen. Doch nur ein Schönheitsfehler ist der untere Rang für die Rottenburger auch nicht mehr. »Wenn wir wüssten, woran es liegt, würden wir unsere Fehler abstellen. Aber jetzt müssen wir nach vorne schauen, es wir noch weiter schwer genug für uns«, meint Steinke.

Ratlos, sprachlos und fassungslos zeigte sich TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. »Einzelne Leute bei uns wissen nicht, wie sie sich in den Zustand bringen, in dem sie Leistung abrufen können«, stieß ihm die Niederlage bitter auf. »Sie müssen viel, viel intensiver auch mental an sich arbeiten, denn sie haben dem Druck heute nicht standgehalten«, haderte er auch mit der Ideenlosigkeit seines Teams.

Als zentrales Merkmal hat er die fehlende Konzentrationsfähigkeit und damit die fehlende Konstanz seiner Spieler ausgemacht. »Wenn es nicht läuft, dann agieren sie fahrig. Nur wenn es läuft, dann läuft es. Wir brauchen auch mal einen, der auf den Putz haut«, bemängelte Müller-Angstenberger und forderte seine »Jungs« heraus: »Ich glaube wir haben viel zu viele ruhige Typen. Bei uns herrscht zu viel Harmonie und läuft der Konkurrenzkampf viel zu brav.« (GEA)



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