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Turnen - Turnierdirektor Valeri Belenki kündigt für den DTB-Pokal in Stuttgart »kleine Olympische Spiele« an

Marcel Nguyens Aufwärmphase

VON GABRIELA THOMA

STUTTGART. In diesem Jahr ist es ein bisschen still gewesen um den Olympia-Helden von London. Doch ab Freitag steht Marcel Nguyen, der zweifache olympische Silbermedaillengewinner im Mehrkampf und am Barren, in Stuttgart wieder im internationalen Scheinwerferlicht. »Wir haben gemeinsam entschieden, im nacholympischen Jahr mein Programm etwas herunterzufahren, ein wenig von all den Anstrengungen auszuruhen, auch um große Verletzungen zu vermeiden«, sagt Marcel Nguyen.

Mit »wir« meint der deutsche Vorzeigeturner sich und seinen Heimtrainer Valeri Belenki, der ihn seit 2008 am Olympiastützpunkt Stuttgart betreut. »Es ging nicht nur um eine Auszeit vom Jahr 2012, sondern Marcel hat ja auf Olympia vier lange Jahre hart hingearbeitet. Das war sehr schwer für ihn«, erklärt Belenki. Der Olympiasieger von 1992 mit dem Team der damaligen Sowjetunion kennt seinen Schützling, seit er ihn 1995 als »kleiner, dürrer Junge« aufmerksam bei Barrenübungen beobachtete.

Doch erst innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat Belenki aus dem schmalen, jungen Mann mit der asiatischen Leichtbauweise, wie Bundestrainer Andreas Hirsch zu sagen pflegt, einen kompletten Turner gemacht. Einen Athleten, der im Vorjahr nicht nur an seinem Spezialgerät Barren die Fähigkeit zum großen olympischen Moment bewies, sondern auch in der Königsdisziplin Mehrkampf.

Nach diesem Höhepunkt im Sommer 2012 gönnte sich der Wahl-Stuttgarter aber fast keine Pause und überzeugte neben all seinen öffentlichen Terminen als olympischer Strahlemann auch in den Weltcups. Er siegte in Stuttgart und in Glasgow und sicherte sich als erster Turner der Geschichte den Gesamtsieg in der hochkarätigen Vierer-Serie.

Leicht vorzustellen, welch strapaziöses Programm er dafür bewältigen musste. Danach war er »platt«, sodass er regelrecht beschützt und in Erholung geschickt werden musste. Schließlich sind die Spiele 2016 in Rio de Janeiro sein großes Fernziel.

Aber um seinen Traum von einer erneuten Olympia-Teilnahme wahr werden zu lassen, muss der Unterhachinger im nächsten Jahr wieder absolut topfit sein. 2014 muss er sich bis hin zur WM – will er sicher am Zuckerhut dabei sein – qualifizieren. Um dafür seinen Körper etwas zu schonen, verzichtete Nguyen deshalb schon in diesem Jahr auf wichtige internationale Wettkämpfe. Doch genau deshalb kann er im Gegensatz zum zweiten exzellenten deutschen Vorturner Fabian Hambüchen nicht beim aktuellen Weltcup der acht Weltbesten vor der eigenen Haustüre antreten. Aber bei der ebenfalls attraktiven Team-Challenge, dem Mannschaftswettkampf mit den großen Turn-Nationen wie Japan, China, USA, Russland und Brasilien führt Nguyen das deutsche Team am Freitag als Lokalheld an.

»Das sind kleine Olympische Spiele hier bei uns in Stuttgart«, sagt Turnierdirektor Belenki über das illustre und »extrem attraktive« Starterfeld sowohl im Mannschafts-Wettkampf als auch in den Einzeln des Mehrkampf-Weltcup. Stolz ist er vor allem darauf, dass die besten deutschen Zugpferde Nguyen, Hambüchen und bei den Frauen Elisabeth Seitz mit dabei sind. Die Organisatoren rechnen deshalb mit 14 000 Zuschauern an den drei Tagen. Nguyen freut sich unterdessen darauf, sich mal wieder seinem Heimpublikum zu präsentieren. »Weil mein großer Wunsch Olympia in Rio ist, musste ich ja in diesem Jahr schon im Training die Grundlagen dafür legen und vor allem auch wegen der neuen Bewertungssysteme neue Übungen kontinuierlich aufbauen«, erzählt der 26-Jährige.

Um sein Ziel ja nicht aus den Augen zu verlieren, ließ er sich jüngst am linken Unterarm im Stile seiner Medaillen von London die Siegesgöttin Nike und das olympische Feuer tätowieren. »Ich bin frisch und motiviert, brauche aber noch ein bisschen Zeit, um an allen Geräten wieder ein Top-Niveau anbieten zu können«, bezeichnet Nguyen den DTB-Pokal in Stuttgart jetzt als seine Aufwärmphase für Brasilien 2016. Doch allein das schon dürfte für die Sportfans ein echter Leckerbissen sein. (GEA)



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