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Leichtathletik - Die 400-Meter-Hürdenläuferin aus Tübingen will sich international bei den Aktiven etablieren

Hürdenläuferin Jackie Baumann greift an

VON GABRIELA THOMA

TÜBINGEN. Wenn an diesem Wochenende rund 500 Athleten in der Leipziger Arena bei dem höchsten und wichtigsten nationalen Wettkampf der Leichtathleten um deutsche Titelehren kämpfen, schaut Jackie Baumann aus der Ferne zu. Ganz gelassen, wie sie sagt. Die Spezialdisziplin der Tübingerin, die 400 Meter Hürden, ist unter dem Hallendach nicht im Angebot. »Und über die 400 Meter flach bin ich nicht so gut«, sagt das Aushängeschild der LAV Tübingen schelmisch.

Gibt über jede Hürde Gas: Jackie Baumann aus Tübingen.  FOTO: EIBNER
Gibt über jede Hürde Gas: Jackie Baumann aus Tübingen. FOTO: Eibner
Außerdem hat ein Treppensturz vor Silvester, bei dem sie sich die linke Hand gebrochen hat, in ihrem Trainingsaufbau für das neue Jahr einiges durcheinandergebracht. »Der vierte und fünfte Mittelhandknochen waren gebrochen und ich musste operiert werden«, erzählt die Studentin der Geschichte und Sportwissenschaft an der Universität Tübingen. Außerdem sei in diesem Jahr die Hallensaison für ihre Ziele gar nicht so wichtig.

»»In diesem Jahr muss man relativ schnell fit sein, um die Normen frühzeitg abzuhaken«
 

»Ich will heuer beweisen, dass ich international den Sprung von der Jugend zu den Erwachsenen geschafft habe«, sagt die inzwischen 20-Jährige. Seit Juli des Vorjahres ist Jackie Baumann Deutschlands beste deutsche 400-Meter-Hürdenläuferin. Als 19-Jährige war sie da im Nürnberger Frankenstadion zu ihrem ersten deutschen Meistertitel bei den Aktiven gelaufen. Ihre Vorgängerin Christiane Klopsch aus dem hessischen Marburg hatte kurz zuvor ihre Spitzensportkarriere aus beruflichen Gründen beendet.

Selbst wenn aktuell die nationale Konkurrenz auf Augenhöhe fehlt, ist der Spurt an die Spitze für Jackie Baumann trotzdem kein Selbstläufer. Nur zu gut weiß das die langbeinige junge Frau, die kein Sportlerleben führen will, in dem sie immer nur als Tochter von Olympiasieger Dieter Baumann genannt wird. »Ich bin extrem stolz auf das, was mein Dad geschafft hat. Aber ich schreibe meine eigene Geschichte«, sagt sie deshalb selbstbewusst. Für den eigenen erfolgreichen Weg ist eine überaus sorgfältige Planung des Trainings und der Wettkampfeinsätze vonnöten. Und in diesem Jahr startet der Qualifikations-Zeitraum für die internationalen Höhepunkte – die Europameisterschaften vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam und für die Olympischen Spiele vom 3. bis 21. August in Rio – extrem früh.

So stehen bereits am 18./19. Juni die deutschen Freiluft-Meisterschaften in Kassel im Kalender, bei denen es neben Medaillen um die Nominierung für die Großereignisse geht. »In diesem Jahr muss man relativ schnell fit sein, wenn man frühzeitig die Normen abhaken will«, sagt Jackie Baumann. Das erklärte Saisonziel der U 23-Athletin, die von ihrer Mutter Isabelle trainiert wird, sind dabei die kontinentalen Titelkämpfe in der niederländischen Hauptstadt.

Fürs EM-Ticket muss die junge Langhürdlerin eine Zeit von 56,60 Sekunden nachweisen. Ihre Bestzeit steht bei 56,62 Sekunden – eine Winzigkeit also von zwei Hundertstel fehlt. Diese Aufgabe scheint lösbar. »Doch über die 400 Meter Hürden kann bis zum letzten Hindernis immer was passieren«, zeigt sich Jackie Baumann vorsichtig. Schritt für Schritt und behutsam hat sie bislang ihre Karriere geplant. Eine Olympia-Teilnahme in diesem Jahr ist für sie noch kein Thema, obschon der Deutsche Leichtathletik-Verband nach dem Doping- und Korruptionsskandal die Qualifikationsnorm auf 56,20 Sekunden gesenkt hat.

Sollten ihre Beine auch diese Zeit heraustrommeln, wird sie glücklich sein. Ein wichtige Standortbestimmung, wohin in diesem Jahr für sie die Reise wirklich geht, wird der erste Wettkampf vor der Haustüre sein. Beim internationalen Läufermeeting über die krummen Strecken am Sonntag, 8. Mai, in Pliezhausen will Jackie Baumann über die 300 Meter Hürden in die neue Saison stürmen und auf keinen Fall mehr anderen Athleten gelassen zuschauen. (GEA)



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