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Biathlon - Laura Dahlmeier gelingt das olympische Double. Und die Welt fragt sich, wie soll das mit ihr weitergehen?

Extraklasse in Gold

AUS PYEONGCHANG BERICHTET STEFANIE WAHL

PYEONGCHANG. Eine Geste. Für alle. So ein kleines Danke. Zum Zeichen, dass sie durchaus wahrnimmt, wer alles mitspielt. Erst die Faust aufs Herz, dann beide Hände himmelwärts. Laura Dahlmeier sagt: »Wenn in einem Rennen wirklich alles so zusammenpasst, ist schon irgendwie eine Unterstützung da oder eine positive Energie.« Von da oben. Von irgendwo, schließlich sind überall viele Menschen, die ihr Daumen drücken.

Vermutlich im Zentrum der olympischen Glückseligkeit: Laura Dahlmeier gewinnt im zweiten Rennen ihr zweites Olympiagold.
Vermutlich im Zentrum der olympischen Glückseligkeit: Laura Dahlmeier gewinnt im zweiten Rennen ihr zweites Olympiagold. FOTO: dpa
Unterstützen. Ganz alleine schafft das auch diese 24-Jährige nicht, die nach dem Sprint gestern auch Gold in der Verfolgung von Pyeongchang holt. Das olympische Double. Laura Dahlmeier schafft, was bisher nur dem Norweger Ole Einar Björndalen gelingt. »Cool«, sagt sie über diesen Superlativ. »Unglaublich.«

Es ist ein eher einsames Rennen für Laura Dahlmeier. Keine turbulente Verfolgungsjagd - aus Mangel an Jägerinnen. Ihr einziger Gegner, der auch über die Distanz von zehn Kilometern nicht nachlässt, ist die beißende Kälte. »Abartig. Meine Finger sind gerade aufgetaut. Das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen.«

Einzig die dritte Schießeinlage bringt Brisanz. Weil die der Liebe wegen für die Slowakei startende Anastasia Kuzmina, Mutter zweier Kinder und Schwester des Russen Anton Schipulin, ihre 54 Sekunden Rückstand aus dem Sprint aufholt und mit ihrem Kleinkaliber neben Laura Dahlmeier steht. Doch Kuzmina verfehlt zweimal, während die Deutsche unbeirrt, kontrolliert und mit höchster Akkuratesse ihren Rhythmus durchzieht und fehlerfrei bleibt. Einzig im zweiten Anschlag leistet sie sich einen Fehler. Kuzmina wird Zweite vor Anais Bescond, die anerkennend meint: »Laura dominiert unseren Sport.« Eine effektive Idee, wie die Frau aus Garmisch-Partenkirchen in den nächsten Rennen zu schlagen ist, hat die Französin auch nicht parat.

»Was Laura an Perfektion zeigt, das habe ich lange nicht in dieser Art und Weise gesehen«
 

Ähnlich drückt es Denise Herrmann aus, die starke Sechste wird: »Sie lässt der Konkurrenz keine Chance. Mir war schon klar, dass sie den Sack zumacht.« Die Hochgepriesene und ihr zweiter Streich, den sie noch überhaupt nicht realisiert hat. Laura Dahlmeier hüpft zwar strahlend auf das Podest und posiert vor den Augen ihrer Eltern für die Fotografenschar. An mehr Medaillen verschwendet sie jetzt keine Kraft. Ihr Energiehaushalt ist noch nicht wieder in der Balance. »Wenn ihr in meine Beine hineinschauen könntet, wäret ihr erstaunt, wie es überhaupt möglich ist, dass man so gewinnt.« Richtig kaputt fühlt sie sich. Wie vor einem Jahr in Hochfilzen, wo sie zweimal kollabiert und keine Vorstellung hat, wie sie am nächsten Tag aus dem Bett kommt. Bis zum Einzel morgen wird sie einen Weg finden.

Wohin das alles noch führen soll, langsam weiß das auch Bundestrainer Gerald Hönig nicht mehr. Seit 1984 ist der Thüringer Trainer, doch was er in diesen Tagen hinter seinem Fernglas beobachten darf, überwältigt ihn: »Was Laura an Biathlon in Perfektion zeigt, das habe ich lange nicht in der Art und Weise gesehen, konstant und auf einem so hohem Level«, sagt der 59-Jährige. »Sich wieder unter schwersten Bedingungen diese Siegleistung zu erkämpfen, das bedeutet richtig harte Arbeit.« Doch die Kälte zehrt, und die mentale Anspannung bei den komplizierten Bedingungen erfordert immense geistige Frische.

Mit ihrer zweiten Goldmedaille ist die 24-Jährige auf dem besten Weg, zum Star der Olympischen Spiele zu werden. Dahlmeier setzt zum gleichen Lauf an wie vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen. Sie lief mit einem Vorsprung von 24 Sekunden aus dem Sprint in die Verfolgung. Die Schlüsselszene am dritten Schießen, nicht wirklich ein Problem: »Das trainieren wir jeden Tag. Man versucht, ganz bei sich zu bleiben.«

Mit 29 Sekunden Vorsprung läuft Dahlmeier, die Fahne schwenkend, über die Ziellinie und schickte einen Gruß gen Himmel. Man fragt sich in solchen Momenten, wohin soll die Reise für sie noch gehen. Vielleicht beantwortet sie das schneller, als man denkt. (GEA)

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