Basketball - Nationalspieler Herber will schnellstmöglich zurück aufs Parkett. Tigers-Teammanager Wintermantel plant mit dem Darmstädter auch für kommende Saison
Der Sympathieträger
TÜBINGEN. Die orange Kugel fehlt Johannes Herber ganz offensichtlich sehr. Noch keine zehn Minuten sitzt der Neuzugang der Walter Tigers Tübingen gestern bei seiner offiziellen Vorstellung gemütlich im Stühlchen, schon nimmt er Kontakt auf zu dem vor ihm liegenden Basketball. »Mich drängt es danach, wieder auf dem Spielfeld zu stehen«, sagt der 27-jährige Neuzugang von Pokalsieger Alba Berlin. Nach Tigers-Superstar Aleksandar Nadjfeji hat damit schon der zweite hochkarätige Korbjäger den Weg vom achtmaligen deutschen Meister zum Underdog der Bundesliga gefunden.
Gestatten: Mein Name ist Johannes Herber - Spitzname übrigens »Joe«, nicht »Jo«.
FOTO: Jürgen Meyer
Die vergangenen drei Jahre waren, so Herber, »geprägt von Frust«. Die Einsatzzeiten des deutschen Nationalspielers bei der Übermannschaft der Liga hielten sich in Grenzen. Hinzu kamen zwei kurz aufeinander folgende Kreuzbandrisse im linken Knie. 69 Einsätze in dieser Zeit sind nah dran am Minusrekord für einen Alba-Spieler. »Ich will endlich die Freude am Spiel wiederbekommen«, sagt der sympathische Darmstädter. Man nimmt ihm diesen Satz ohne zu zögern ab.
Trikotnummer 55
Herbers Leistungsvermögen ist noch nicht komplett wiederhergestellt. Bislang verbringt der 1,97 Meter große Aufbauspieler seine Zeit mit Individualtraining. In den vergangenen Tagen hat in Nationaltrainer Dirk Bauermann diesbezüglich richtig rangenommen. Den Härtetest bestand das Knie sehr gut. Wie viele Einsätze der Neue in seinem Tübinger Trikot mit der Nummer 55 in dieser Saison noch bestreiten wird, vermag der Korbjäger mit großer Spielintelligenz nicht zu sagen. »Ich hoffe aber, dass ich noch ins Geschehen eingreifen kann.«
Auf mehr als vier, fünf Partien - eventuell noch ein paar Begegnungen in den noch in Aussicht stehenden Playoffs - sollten sich die Fans nicht einstellen. In Tübingen denkt man aber noch einen Schritt weiter. »Für uns ist es ein Glücksfall, dass ein Nationalspieler zu uns gekommen ist«, erklärte Tigers-Geschäftsführer Robert Wintermantel. Als er davon sprach, dass er seinen ehemaligen Teamkollegen beim Zweitligisten TV Langen »davon überzeugen will, dass Tübingen auch in der nächsten Saison die richtige Adresse ist, um seine Karriere wieder anzustoßen«, fanden sich beide Augenpaare und mit etwas Wohlwollen war hüben wie drüben ein leichtes Nicken auszumachen.
Tigers-Trainer Igor Perovic sprach in Herbers Gegenwart von ihm als »großartigem Spieler« und »angenehmer Persönlichkeit«. Man versuche derzeit, in Tübingen etwas aufzubauen, »dass der Klub noch nie hatte«, so Perovic. Herber wäre als Sympathieträger ein weiterer Baustein in diesem Gebilde. (GEA)