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Olympisches Dorf - Deutsche Sportler öffnen im Hochhaus Nummer 802 ihre Zimmer. Straßenschuhe müssen im Gang ausgezogen, die Küchen dürfen nicht benutzt werden

Blick durchs Schlüsselloch

AUS PYEONGCHANG BERICHTET MARCO SCHEINHOF

PYEONGCHANG. Akkurat aufgereiht stehen sie da. Eines neben dem anderen. Sie leuchten orange, sodass sofort klar ist, wem sie gehören. Die holländischen Wintersportler haben ihre Fahrräder mit nach Südkorea gebracht. Sie stehen am Eingang zum olympischen Dorf in Gangneung, wo mehrheitlich die Eissportler dieser Spiele untergebracht sind. Und die Räder stehen nicht nur nutzlos herum. Die Holländer sind mit ihnen im Ort unterwegs. Trotz der kalten Temperaturen, die hier in der Nähe des japanischen Meeres herrschen.

Koreaner »lieben«  die Shorttrackerinnen Anna Seidel (links) und Bianca Walter. foto: dpa
Koreaner »lieben« die Shorttrackerinnen Anna Seidel (links) und Bianca Walter. FOTO: dpa
Wenige Meter entfernt, auf der Olympic Plaza, findet alle paar Minuten die immer gleiche Zeremonie statt. Eine bunte Musiktruppe der Gastgeber spielt zur Begrüßung der verschiedenen Länder groß auf. Gestern sind Singapur und Israel angekommen. Es wird getrommelt und musiziert. Zum Abschluss wird die jeweilige Fahne gehisst. Willkommen bei den Olympischen Spielen!

Es ist ein wildes Gewusel im olympischen Dorf. 2 200 Sportler und Betreuer sind hier in den Hochhäusern untergebracht, in den Bergen im anderen olympischen Dorf ist noch einmal Platz für 3200 Gäste. In Gebäude 802 hat sich die deutsche Mannschaft ausgebreitet. 44 Sportler und ihre Betreuer haben hier ihre Heimat auf Zeit. Es ist ein schmuckloses Hochhaus. Die Shorttrackerinnen Anna Seidel und Bianca Walter öffnen für die Journalisten ihre Zimmertüre. Wie in allen Zimmern im olympischen Dorf müssen die Straßenschuhe im Gang ausgezogen werden, es stehen Hausschuhe bereit. Asiatische Ordnungsliebe. Die Küche dürfen die Sportler nicht benutzen, sie ist noch zugeklebt und soll den späteren Mietern unbenutzt überlassen werden.

Im Wohnzimmer steht eine Couch, davor in Richtung Fenster ein Fahrrad zum Fithalten. Ihr Schlafzimmer haben sie extra für den Besuch aufgeräumt. Seit einer Woche sind die beiden deutschen Athletinnen in Südkorea. »Wir haben uns gut eingelebt«, sagt Anna Seidel, »es gibt überhaupt nichts zu meckern.« Die Koreaner seien sehr freundlich. Und sogar noch freundlicher, wenn sie erfahren, dass Seidel und Walter Shorttrackerinnen sind. Diesen Sport lieben die Südkoreaner. Die Veranstaltungen sind mit 12 000 Zuschauern bereits ausverkauft. Als sie kürzlich zusammen im olympischen Dorf unterwegs waren, fragten viele Koreaner nach Selfies mit ihnen. Shorttracker sind bei ihnen hoch angesehen.

Neben dem Training haben die Sportler viel Zeit zu füllen. Dass ihnen nicht langweilig wird, scheint den Olympia-Planern wichtig zu sein. Schließlich haben sie ein Fitnessstudio sowie einen Raum mit Computerspielen und Billardtisch im Dorf integriert. Zudem haben Seidel und Walter eine App auf ihrem Mobiltelefon für sich entdeckt, mit der sie virtuell Anstecknadeln der Olympischen Spiele suchen können. Pokemon Go für Sportler.

Am Ende kann sich jeder Teilnehmer seine auf dem Handy gesammelten Pins in echt abholen. »Wir wollen jede eine Kollektion davon«, sagt Seidel. Pins sind ohnehin ein wichtiges Thema bei Olympischen Spielen. Jeder deutsche Sportler bekommt zu Beginn 25 solcher Pins, die er jederzeit tauschen kann. Steffi Böhler zum Beispiel, die Langläuferin des SC Ibach, hat erst kürzlich einen Pin aus Usbekistan bekommen.

Das deutsche Team ist mit großem Gepäck nach Südkorea gereist. 55 Tonnen mussten nach Pyeongchang geliefert werden. Am schwersten waren dabei die Bobs mit zwölf Tonnen, gefolgt vom Kraftraum mit acht Tonnen. Bis Mittwoch nach Olympia haben die Logistiker Zeit, wieder alles abzubauen. Dann muss das Hochhaus mit der Nummer 802 wieder geräumt sein. (GEA)



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