EBERSTADT. Im Hochsprung-Mekka Eberstadt herrschte nach dem ersten deutschen Sieg durch Ariane Friedrich EM-Atmosphäre. Die 1 500 Zuschauer feierten begeistert Friedrichs 33. Wettkampf über zwei Meter. »Ich habe heute den Eberstadt-Fluch überwunden«, sagte die strahlende Siegerin im Gespräch mit GEA-Mitarbeiter Ewald Walker.
Typisch Ariane. Auch nach dem Erfolg in Eberstadt gab es die »Friedrich-Faust«.
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GEA: Ariane Friedrich, Ihre ausgelassene Reaktion nach dem Siegsprung lässt darauf schließen, dass die Anstrengungen, in Eberstadt zu gewinnen, sehr groß waren...
Ariane Friedrich: Die ganze Woche hat sich alles um Eberstadt gedreht und habe mich vorher noch zwei Stunden vom Physiotherapeuten behandeln lassen. Ich hatte Angst, hier zu versagen und davon geträumt, ich würde mit 1,71 Meter von der Anlage gehen. Ich habe extra auf den Start beim Diamond-League-Meeting in Brüssel verzichtet und wollte endlich hier gewinnen.
Das ist am Ende eines äußerst spannenden Wettkampfes gelungen...
Friedrich: Ja, allerdings wurde mir nichts geschenkt. Bis 1,97 Meter lief es sehr gut, dann hatte ich einen Bruch in der Technik. Da passiert im Kopf etwas, was ich nicht weiß. Mit dem Sieg in Eberstadt habe ich mir meinen größten Hochsprungtraum erfüllt.
Sie sind bei 1,88 Meter eingestiegen. Ist dies nicht sehr früh?
Friedrich: Ich brauche am Anfang immer einen Sprung, um die Bodenverhältnisse kennen zu lernen. Die Zahl der Sprünge ist immer eine Frage der Sicherheit und des Risikos.
Wie ist denn die Anlage in Eberstadt auf einem Kleinspielfeld?
Friedrich: Von der Optik gefällt mir die blaue Anlage inmitten der Weinberge sehr gut. Der Kunststoff ist sehr schnell, deshalb muss ich mich bremsen, um hoch zu springen.
Sie haben heute Ihren 33. Wettkampf über zwei Meter absolviert.
Friedrich: Ja, aber in diesem Jahr ist es richtige Arbeit. In der letzten Saison bin ich diese Höhe am laufenden Band gesprungen, da ist es mir leichter gefallen.
Welche Ursachen gibt es dafür?
Friedrich: Ich war in diesem Jahr öfter mal verletzt. Vielleicht muss ich ja wieder andere Wege im Training gehen, wie beispielsweise Schwimmen. Wir wenden sehr oft alternative Trainingsformen an wie Training ohne Latte.
Ariane Friedrich und Ihr Trainer Günter Eisinger treten als totale Einheit, fast symbiotisch, auf. Beschreiben Sie doch mal Ihr Verhältnis zueinander.
Friedrich: Wir sind seit acht Jahren sportlich zusammen. Ich bin sicher nicht leicht zu handeln, aber er hat es geschafft, mich zu zähmen. Seit unserem ?Kamingespräch? im Jahr 2006 gestaltet er mein Leben. Günter Eisinger ist ein Glücksfall für mich. Wichtig dabei ist: wir können uns aufeinander verlassen.
Wenn Sie gewinnen oder eine besondere Höhe gemeistert haben, reißen Sie meist Ihre rechte Faust nach oben. Können Sie uns sagen, was hinter dieser »Friedrich-Faust« steckt?
Friedrich: Wenn ein Wettkampf aufreibend ist, und ich in extremer emotionaler Verfassung bin, entlädt sich die Spannung auf diese Art spontan.
Mit den olympischen Ringen unter Ihrem Herzen und dem Tiger auf dem Rücken tragen Sie zwei Tattoos. Haben die eine besondere Bedeutung?
Friedrich: Die olympischen Ringe stehen für den großen Traum, den ich mir in Peking erfüllt habe. Der Tiger ist auf der Jagd und ich identifiziere mich mit dessen aggressivem Verhalten.
Ist die Konkurrenz zwischen Blanka Vlasic und Ihnen ein besonderer Anreiz, für große Leistungen?
Friedrich: Fragen zu Blanca Vlasic kann ich kaum noch hören. Wir gehen uns aber nicht aus dem Weg.
Auch wenn die Saison noch nicht zu Ende ist: wagen Sie schon einen Ausblick? Gibt es Ziele?
Friedrich: Mein nächstes Ziel sind 2,07 Meter ?Deutscher Rekord. (GEA)