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INTERVIEW - Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, über olympische Chancen

»Sotschi ist eine Herausforderung«

DAS GESPRÄCH FÜHRTE CHRISTOPH FISCHER

REUTLINGEN. Die Medaillenziele für Vancouver nennt er »eine große Herausforderung«, von der Politik verlangt er »mehr Sensibilität und Augenmaß«. Alfons Hörmann, der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), spricht im GEA über seinen Vorgänger Thomas Bach, seine eigenen Ambitionen und über die Zukunft des deutschen Sports.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann.
Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann. FOTO: Eibner
GEA: Herr Hörmann, Sie haben davon gesprochen, dass Thomas Bach national sein Gesellenstück gemacht hat, und nun dabei ist, als IOC-Präsident seinen Meister zu machen. Wie ist das eigentlich bei Ihnen?

Alfons Hörmann: In Analogie wäre der Deutsche Ski-Verband dann mein Gesellenstück gewesen. Ich habe einen der erfolgreichsten Fachverbände geführt, und die Fachverbände haben gesagt, sie wollen keinen Lehrling, der sich in den Strukturen nicht auskennt. Trotzdem fühle ich mich oft wie ein Lehrling. Man schaut bei Thomas Bach übrigens immer auf seine internationalen Verdienste und vergisst dabei seine vorbildlichen Leistungen in Deutschland bei der Fusion von NOK und DSB in den vergangenen sieben Jahren.

Bei den Erwartungen, die man in Sie setzt, könnte einem schwindelig werden.

Hörmann: Schwindel habe ich noch nicht empfunden, aber die Dimension ist schon beachtlich.

Was ist Ihnen wichtig?

Hörmann: Momentan geht es um die Priorisierung der Themen, was ist dringend, was ist wichtig, was ist unwichtig? Dafür ist es notwendig, mit vielen Menschen aus der gesamten deutschen Sportwelt zu sprechen. Und jeder teilt dir seine Ideen mit, seine Sorgen. Dass die Wassersportler zum Beispiel Angst davor haben, dass ab 2017 vom Gesetzgeber eine Maut für öffentliche Wasserstraßen erhoben werden soll. Das bedroht die Vereine in ihrer Existenz. Ein solches Gesetz wäre fatal. Denn was einmal erlassen ist, holt man nur sehr schwer zurück.

Wie wichtig ist das Ehrenamt?

Hörmann: Es wird viel vom Ehrenamt geredet, aber leider oft eher nur in den politischen Sonntagsreden. Von Montag bis Samstag wird dann vieles vergessen. Da wünsche ich mir mehr Sensibilität und Augenmaß in der Politik. Man kann nicht das Ehrenamt predigen und andererseits die Vereine schwächen. Das ist nicht sinnvoll und nicht verantwortbar.

Sie haben gesagt, dass Sie den deutschen Sport erst einmal kennenlernen wollen.

Hörmann: Ich werde mich von diesem Weg nicht abbringen lassen. In den nächsten Monaten geht es vorrangig darum, Informationen zu sammeln und mein Bild vom deutschen Sport professionell zu vervollständigen.

Welche Ideen gibt es?

Hörmann: Es gibt viele Ideen. Manche sind Visionen, manche sind schnell umsetzbar. So habe ich beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten mit Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensport-Verbandes, Anm. d. R.) gesprochen, wie wir den Behindertensport noch viel intensiver mit den Fachverbänden verbinden können.

Sie sind ein Unternehmer. Ist das gut für den Sport?

Hörmann: Ich denke schon, dass unternehmerisches Denken und Handeln helfen können. Doch wer die Hoffnung hat, dass das wie in einem Unternehmen funktioniert, dem sei gesagt: So funktioniert das nicht. Und wer in der Sportorganisation arbeitet, weiß das. Man kann nur Schritt für Schritt vorgehen.

Thomas Bach hat sich immer als Athlet verstanden.

Hörmann: Er ist Olympiasieger und in gewissem Sinne auch immer Athlet geblieben. Ich habe kein Gold bei Olympia gewonnen. Meine Lebensgeschichte ist eine andere.

Sie haben bereits mit dem Bundesinnenminister gesprochen.

Hörmann: Ja, wir haben länger zusammen gesessen. Wir werden fair und professionell nach Lösungen suchen und versuchen, uns die Bälle zuzuspielen. Natürlich geht es da auch um Fördergelder und die richtigen Konzepte.

Was ist das Wichtigste im Spitzensport momentan? Haben Sie da eine Vorstellung?

Hörmann: Erst einmal stehen natürlich die Olympischen Spiele in Sotschi im Vordergrund. Und dann wollen wir den gesamten Bereich des Leistungssports sauber analysieren und stärken.

Aber Sotschi sind Ihre ersten Spiele als Präsident.

Hörmann: Das ist richtig. Und ich freue mich auch auf die Spiele mit einem hoffentlich erfolgreichen Team. Wir fahren mit ehrgeizigen Zielen nach Sotschi.

Hat sich bei Ihnen schon eine gewisse Gelassenheit eingestellt?

Hörmann: Eine Phase bis zur Wahl und auch die Zeit danach sind anstrengend. Man ist angespannt. Jetzt, mit einigen Wochen Abstand, stellt sich schon ein wenig Normalität und Gelassenheit ein.

Haben Sie ein Anliegen, das für Sie im Sport über allem steht?

Hörmann: Das ist sehr pauschal. Aber mich beschäftigt die Frage, wie wir die Stärken des bundesdeutschen Sportsystems noch besser nutzen und die Schwächen des Systems minimieren können. Das ist für mich die Kernfrage der Weiterentwicklung. Bei aller Kritik an unserem System wird es weltweit immer noch als gutes Modell angesehen. Breitensport mit Spitzensport gekonnt zu verbinden, das ist das zentrale Anliegen deutscher Sportentwicklung. Es gibt finanzielle und strukturelle Probleme, aber wir können nicht immer nur mehr Geld fordern. Es ist auch unsere ureigene Aufgabe, parallel dazu die Strukturen zu verbessern.

»Wir haben München nicht ausreichend vorbereitet. Das darf uns nicht noch mal passieren«
 

Wie beurteilen Sie das olympische Desaster von München?

Hörmann: Wir haben in dieser Frage einen festen Fahrplan. Nach Sotschi werden wir das alles noch einmal analysieren. Das Thema Winterspiele scheint erst mal durch zu sein. Die generelle Frage ist: Wollen wir Olympia in Deutschland? Es gibt genügend Initiativen, aber wir brauchen Zeit. Ich würde niemals ein Thema Olympiabewerbung nur für einige Schlagzeilen oder aus Aktionismus anschieben. Das muss substanziell begründet sein. Wir haben München nicht ausreichend vorbereitet. Das darf uns nicht noch einmal passieren.

Und Ihre Ziele für Sotschi?

Hörmann: Die mit den Fachverbänden vereinbarten Medaillenziele finde ich sehr ambitioniert und ehrgeizig. Es ist ein große Herausforderung, das Ergebnis von Vancouver zu wiederholen. (GEA)



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