INTERVIEW - Triathlonprofi Michael Göhner über Glücksgefühle sowie sein Verhältnis von Talent und Fleiß
»Schwimmen ist harte Arbeit«
KIRCHENTELLINSFURT. Die Verletzung an der Ferse ist auskuriert; der Titelverteidigung in Roth steht damit nichts mehr im Wege. Mitte Juli wird Michael Göhner im fränkischen Triathlonmekka der Gejagte sein. »Es war ein Erlebnis, das ich nie in meinem Sportlerleben vergessen werde«, beschrieb der Profisportler der TSG Reutlingen im Gespräch mit GEA-Mitarbeiter Frank Wild den Moment, als er 2009 als Erster über die Ziellinie gelaufen war. Der 29-jährige Star aus Kirchentellinsfurt gibt sein Wissen gerne weiter. Vom 11. bis 13. Juni lädt er zusammen mit seinem Hauptsponsor Erdinger zu einem Triathlonseminar in Tübingen ein.
Triathlonprofi Michael Göhner gibt sein Wissen gerne weiter.
FOTO: Frank Wild
GEA: Beschreiben Sie mal den Moment, wenn man als Erster in Roth über die Ziellinie läuft.
Michael Göhner (lächelt): Das ist schon wieder fast ein Jahr her- Es war ein Erlebnis, das ich nie in meinem Sportlerleben vergessen werde. Zum einen war es für mich sehr überraschend, zum Anderen der bisher größte Erfolg in meiner Karriere. Dabei war die Top-Platzierung noch gepaart mit einer Top-Zeit unter acht Stunden. Das war schon ein Gänsehaut-Feeling... Das hat natürlich dementsprechende Emotionen hervorgerufen.
Gab es bisher schon ein größeres Glücksgefühl in Ihrem Leben?
Göhner: Sportlich nicht. Privat schon. Vor zwei Jahren haben meine Frau und ich unseren Sohn Max bekommen. Das war natürlich sehr emotional. Im gleichen Jahr haben wir auch geheiratet.
Mal ehrlich: War der Coup in Roth für Sie nicht auch überraschend?
Göhner: Ich wusste, dass ich unter die Top Drei kommen kann und dass alles möglich ist, wenn ich auf dem Rad den Abstand zu Normann Stadler in Grenzen halten kann. Dass ich hinten raus durchgehalten habe, obwohl ich viel zu schnell angelaufen bin, das war die Kunst. Taktisch ist mir aber auch nichts anderes übrig geblieben.
Spricht man Sie eigentlich noch oft auf diesen Erfolg an?
Göhner: Ein Sieg ist immer von längerer Bedeutung. Ich war 2007 Zweiter beim Ironman Germany, was auch ein riesiger Erfolg ist. Aber Zweiter ist halt nicht Erster. So ein Sieg ist in der eigenen Vita etwas ganz anderes. Deshalb ist das Langzeit-Feedback nach Roth schon höher.
Mitte Juli sind Sie der Gejagte. Wenn Sie dann mehr als acht Stunden brauchen, sind wohl auch Sie ein Ex-Roth-Sieger. Bedauern Sie es eigentlich, dass Erfolge vergänglich sind?
Göhner: Nein, es reizt mich. Es wäre in diesem Jahr gewiss keine Schande, »nur« Zweiter oder Dritter zu werden. Das Rennen in Roth ist top besetzt, die Liste der Stars ist beinahe unendlich lang. Da reicht kein anderer Wettkampf außer Hawaii ran. Den Sieg zu verteidigen wird brutal schwer.
Hand aufs Herz: Wie sieht's bei Ihnen aus mit dem Verhältnis von Talent und Fleiß?
Göhner: Am Anfang war ich der Meinung, dass ich relativ wenig Talent habe und dass ich mir alles erarbeiten muss. Nachdem ich gesehen habe, was die anderen so trainieren, denke ich mittlerweile, dass ich schon ein bisschen Talent habe. Allerdings spreche ich jetzt nur vom Radfahren und Laufen. Beim Schwimmen ist alles harte Arbeit. Da fällt mir nichts einfach so in den Schoß. Da muss ich mir jede Sekunde hart erarbeiten. Das macht nicht immer Spaß. Weil ich jetzt aber in der Schwimmgruppe der SSG Reutlingen-Tübingen trainieren kann, ist es doch wieder ganz witzig und motiviert mich sehr.
»Zweiter ist halt nicht Erster. So ein Sieg ist in der eigenen Vita etwas ganz anderes«
Was würden Sie einem jungen Triathleten raten, der Ihnen sagt, dass er Profi werden will?
Göhner: In erster Linie ist es wichtig, die berufliche Situation so weit abzuklären, dass man, wenn's je nicht funktioniert, nicht mit nichts dasteht. Ich habe zuerst auch versucht, den Sport und meinem Beruf als Finanzplaner bei der Volksbank Reutlingen parallel zu machen. Das ging so weit auch ganz gut. Man sieht schon als Amateur relativ schnell, ob das als Profi was werden kann. Wenn man als Amateur mit 10 bis 15 Trainingsstunden die Woche den Anschluss an die Weltspitze geschafft hat, dann kann man schon sagen: Ok, jetzt wage ich es.
Auf was dürfen sich die Teilnehmer des Trainingsseminars vom 11. bis 13. Juni mit Ihnen in Tübingen freuen?
Göhner: Geplant ist ein ganz normales Triathlontraining auf Breitensport-Basis zum Beispiel mit einer Radausfahrt im Neckartal. Ich kann mich jederzeit auf die Wünsche der Teilnehmer einstellen. Auch ein unterschiedliches Leistungsniveau in den einzelnen Disziplinen ist kein Problem. (GEA)