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Spitzensport - Sportmediziner Perikles Simon fordert seit Jahren ein völliges Umdenken im Kampf gegen Doping

»Neuer Kurs funktioniert nur mit neuen Leuten«

VON CHRISTOPH FISCHER

ENINGEN. Der renommierte Sportmediziner Professor Perikles Simon von der Universiät Mainz hält einen glaubwürdigen Anti-Doping-Kurs im deutschen Spitzensport nur mit »vollkommen neuen Leuten« für möglich. In dem bestehenden System sei eine Kurskorrektur »absolut unmöglich«. Simon, der aus Tübingen stammt, war der erste, der einen Gendoping-Nachweis entwickelte, hat allerdings wenig Hoffnung, dass dieser Test jemals standardisiert angewendet wird. »Solange das konventionelle Doping im Spitzensport noch so gut funktioniert, gibt es keinen Grund, sich der Gefahr des Gendopings auszusetzen«, sagte der Sportmediziner im Gespräch mit dieser Zeitung vor der Aufzeichnung des aktuellen »SportTalks« von RTF1 in Eningen.

Perikles Simon glaubt, dass »60 Prozent der Teilnehmer an den Olympischen Spielen 2012 in London gedopt gewesen sind«. Etwas anderes anzunehmen, sei unrealistsich. »Wenn ich mir den olympischen Spitzensport ansehe, halte ich im Grunde das Segeln für die einzige Sportart, in der nicht gedopt wird. Dafür sind dort die Boote gedopt.« Dass die deutsche Sportführung wirklich daran interssiert sei, Doping im Hochleistungssport zu bekämpfen, glaubt der Wissenschaftler nicht. »Dieses System schafft sich selbst. Und solange Funktionäre und Sportpolitik aus dem bestehenden System rekrutiert werden, wird sich im deutschen Sport nichts ändern.«

Zuletzt war in einer Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) von Experten überzeugend nachgewiesen worden, dass die Doping-Tests größtenteils absolut uneffektiv sind: »Dass wir in Deutschland ein wirksames Kontrollsystem haben, wie immer wieder betont wird, ist eine Lüge.«

Der Spitzensport in diesem Lande sei Showsport, sagte Perikles. »Und die Sportverbände in diesem Land vertreten genau diese Form des Sports. Ich frage mich, wie man einen solchen Sport mit Steuergeldern fördern kann. Dann kann man auch genausogut Sport-Showformate im Fernsehen mit Steuergeldern unterstützen.«

Hansjörg Kofink, in den 70er Jahren Kugelstoß-Bundestrainer und einer der engagiertesten Kämpfer gegen Doping, sagte bei RTF1: »Meine Hoffnung sind die Jugendlichen, die heute wissen, dass Spitzensport und Doping ursächlich etwas miteinander zu tun haben. Die sind mit dem Spitzensport vorsichtig geworden. Es kommt nicht von ungefähr, dass immer weniger junge Menschen in den Sport finden. Die jungen Menschen sind klüger als wir.« Ines Geipel, Ex-Weltrekordlerin aus der DDR und Vorsitzende der Dopingopfer-Hilfe, die der Diskussion zugeschaltet war, hält auch die Forderung nach mehr staatlicher Förderung im Sport für untauglich. »Dadurch werden die Kontrollen nicht besser – und der Spitzensport auch nicht. Gegen Doping zu sein, ist eine Frage der Haltung, keine Frage des Geldes.«

Simon hält auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) für ein untaugliches Instrument: »Wer sich ständig mit dem eigenen finanziellen Überleben beschäftigt, hat keine Zeit dafür, sich maßgeblich und wirksam um den Kampf gegen Doping zu bemühen.« (GEA)



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