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Interview  - Bundestrainer Marco Sturm über seine Mannschaft, den Bundespräsidenten und das koreanische Frauen-Team

»Eine wirklich harte Gruppe«

DAS GESPRÄCH FÜHRTE MILAN SAKO

PYEONGCHANG. Am Donnerstag beginnt das olympische Eischockey-Turnier. Bundestrainer Marco Sturm und sein Team treffen in den Gruppenspielen auf »dicke Brocken«, deren Spielsystem den Deutschen nicht liegt. »Sie spielen einen anderen Stil als beispielsweise die Nordamerikaner«, sagt der 39-Jährige über Finnland, Schweden und Norwegen. Die Partie gegen Finnland (Donnerstag, 4.10 Uhr MEZ) macht den Auftakt. Es folgen die Begegnungen gegen Schweden (Freitag, 13.10 Uhr) und Norwegen (Sonntag, 4.10 Uhr).

Hatte wenig Zeit zur Vorbereitung: Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm.
Hatte wenig Zeit zur Vorbereitung: Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm. FOTO: dpa
GEA: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zuletzt beim Training der Eishockey-Nationalmannschaft im Hockeystadion von Gangneung vorbeigeschaut. Bedeutet das mehr als eine Ehre für Sie und ihr Team?

Marco Sturm: Über einen solchen Besuch freut man sich immer, aber wir im Eishockey bekommen zu selten solche Besuche. Von daher sind wir stolz. Wir waren die erste Mannschaft die der Bundespräsident besucht hat. Wir haben ihm ein Trikot als Dankeschön dafür überreicht, dass er sich die Zeit genommen hat.



»Es ist gar nicht so leicht. Wir haben drei Torhüter auf einer Wellenlänge«
 

Die Vorbereitung aus Olympia war kurz. Im einzigen Testspiel besiegte ihr Team die Schweiz mit 2:1 nach Verlängerung. Reichen die wenigen Tage, um die Spielsysteme einzuüben?

Sturm: Uns Trainer wäre es lieber gewesen wenn wir ein paar Tage mehr gehabt hätten. Aber so ist es eben, anderen Mannschaften geht es genauso. Aber die Spieler, die dabei sind, kennen mein System und mich. Deshalb hoffe ich, dass wir uns schnell wieder finden. In der Vergangenheit war es so, dass wir ein oder zwei Spiele gebraucht haben, um in den Rhythmus zu kommen. Aber die Zeit haben wir eben nicht. Deshalb ist es meine Aufgabe, die Mannschaft so gut wie möglich für das erste Spiel am Donnerstag gegen Finnland vorzubereiten.

Haben Sie bereits eine Entscheidung getroffen wer im ersten Match im Tor steht?

Sturm: Nein. Am Abend vor dem Spiel erfahren die Torhüter, wer hält. Es ist gar nicht so leicht. Wir haben drei Torhüter auf einer Wellenlänge. Keiner ist in der Liga so richtig die Nummer eins. Danny aus den Birken hat gegen die Schweiz gut gehalten und Pielmeier auch. Von Dennis Endras weiß ich was er kann.



Kommt Ihnen der neue Modus entgegen, wonach auch der Gruppenvierte noch in einem Entscheidungsspiel die Chance auf das Viertelfinale erhält?

Sturm: Für die großen Eishockey-Nationen ist das weniger der Fall, aber für uns ist das enorm wichtig. Es bedeutet, dass wir noch mal ein Spiel bekommen und vielleicht kann man in einem Match die große Sensation schaffen. Aber da ist es noch lange hin. Jetzt ist erst einmal unsere Gruppe mit Finnland, Schweden und Norwegen wichtig. Wir haben mit den Skandinaviern leider eine wirklich harte Gruppe erwischt.



Diese drei Länder liegen der deutschen Mannschaft eher nicht. Woran liegt das und wie kann man sich darauf einstellen?

Sturm: Sie spielen einen anderen Stil als beispielsweise die Nordamerikaner. Sie machen es eher läuferisch. Sie sind gut organisiert und bewegen sich viel. Sie gehen über 60 Minuten nie weg von ihrem Plan. Deswegen hat eine deutsche Mannschaft in der Vergangenheit immer wieder Probleme gehabt. Manchmal konnten wir 20, 40 oder 50 Minuten lang mithalten. Wir brauchen aber 60 sehr gute Minuten, damit wir mit solchen Nationen mithalten können.



Die südkoreanische Frauen-Mannschaft tritt in den Olympische Spielen mit drei Nordkoreanerinnen an. Wie groß ist so eine Herausforderung für den Trainer?

Sturm: Ein Problem taucht auf, wenn du fünf oder zehn neue Spieler hast. Drei Spielerinnen kann man aber recht schnell einbauen. (GEA)

Zur Person

Der frühere NHL-Profi Marco Sturm, der während seiner aktiven Zeit in Übersee für die San Jose Sharks, Boston Bruins, Los Angeles Kings, Washington Capitals und Vancouver Canucks dem Puck nachjagte, übernahm im Sommer 2015 die Nationalmannschaft. Der 39-Jährige führte das Team zwei Mal in Folge ins WM-Viertelfinale und schaffte wieder die Olympiaqualifikation. Der Dingolfinger unterschrieb vor kurzem einen Vierjahres-Vertrag beim Deutschen Eishockey-Bund. (GEA)

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