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INTERVIEW - Deutschlands beste Kugelstoßerin Christina Schwanitz über sich, ihren Sport und den Anti-Doping-Kampf

»In Rio soll’s auf jeden Fall knallen«

DAS GESPRÄCH FÜHRTE GABRIELA THOMA

REUTLINGEN. Das Jahr 2015 ist für die olympische Kernsportart Leichtathletik ein Übergangsjahr. Erst im Jahr darauf stehen die Olympischen Spiele in Rio auf dem Plan. Dort gilt es dann, auf den Punkt topfit zu sein. Deshalb müssen Leichtathleten ihren Formaufbau wohl überlegt steuern. Zunächst einmal gar nicht viel steuern konnte Deutschlands beste Kugelstoßerin Christina Schwanitz. Die 29 Jahre alte Vorzeige-Athletin aus Chemnitz hat nach einer Operation an der Patellasehne des linken Knies im Herbst 2014 die Hallensaison für sich abgeblasen. Die deutsche Meisterin kann bei den nationalen Titelkämpfen an diesem Wochenende in der Karlsruher Messehalle nur zusehen. Spätestens im Mai will die WM-Zweite von 2013 aber wieder fit im Ring stehen. Neben all ihren Reha-Maßnahmen hat sich die Europameisterin viele Gedanken über sich, über ihren Sport und über den großen russischen Dopingskandal gemacht.

»Saubere Athleten werden eigentlich nur ausgetrickst«
 
GEA: Christina, wie geht es Ihnen?

Christina Schwanitz: Ganz gut inzwischen. Nachdem die Heilung nach der OP langsamer als erwartet voranging, darf ich jetzt endlich wieder mein Knie belasten. Ich bin auch schon im Aufbautraining und fühle mich ja in der Trainingsgruppe bei Bundestrainer Sven Lang und dem Weltmeister David Storl sehr wohl. Jetzt muss nur mein Kopf dem Knie noch sagen, dass es wirklich belastungsfähig ist, denn das Knie ist schon eine sehr empfindliche Stelle.

Nach ihrem Goldstoß im vergangenen Sommer bei der EM in Zürich haben Sie gesagt, dass sie die beste Kugelstoßerin der Welt werden wollen.

Schwanitz (lacht): Ja, das habe ich gesagt, weil ich da in Zürich noch dachte, nach sieben Fußoperationen mein Tal der Tränen endlich durchschritten zu haben. Und ich will immer noch die beste Kugelstoßerin der Welt werden, kann aber keinen Zeitpunkt dafür angeben. In diesem Jahr brauche ich wohl noch Glück und Zufall, um dieses Ziel zu erreichen. Aber ich trainiere dafür jeden Tag und ich versuche im Sommer bei der WM in Peking wieder vorne mit dabei zu sein. Doch bei Olympia 2016 in Rio – dort soll’s dann auf jeden Fall knallen.

Ist der Vorstoß an die Weltspitze ohne Doping möglich?

Schwanitz: Ja selbstverständlich. Und ich bin sauber, sonst könnte ich mich nicht mehr selbst im Spiegel anschauen. Außerdem möchte ich ein gutes Vorbild sein. Übrigens wurde ich letztes Jahr 52 Mal kontrolliert. Fast jede Woche also einmal und einmal sogar innerhalb von 36 Stunden drei Mal.

Was sagen Sie zu der Serie von aufgedeckten Dopingfällen bei den russischen Spitzen-Leichtathleten?

Schwanitz: Eigentlich ist es schade, dass Doping in Russland erst durch diese ARD-Dokumentation in der Öffentlichkeit ankam und sich die Menschen darüber Gedanken machen. Schon früher war es für die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada offensichtlich, dass in Russland gedopt wird. Jetzt wurde groß angelegtes Doping mit tatsächlichen Beweisen aufgedeckt, aber es wird wieder nicht wirklich etwas durch den Leichtathletik-Weltverband IAAF oder durch die Wada passieren. Schuldige werden weiter geschützt und saubere Athleten eigentlich nur ausgetrickst. Ich wünsche mir weltweit für alle Athleten die gleichen effektiven und lückenlosen Doping-Kontrollen. Dass allen die gleichen internationalen und gegenseitig überprüfbaren Regeln auferlegt werden. Dass sich die Athleten nicht nur in Deutschland bei Kontrollen vor wildfremden Menschen ›nackig‹ machen müssen. Dass sie nicht nur hier auf ihre Grundrechte verzichten und drei Monate im Voraus ihren Aufenthaltsort angeben müssen.

Diskusweltmeister Robert Harting sagte, dass er Sorge vor einem Doping-Anschlag auf sich hat.

Schwanitz: Dass Saggy (Das ist Hartings Spitzname, Anm. d. Red.) Angst hat, das kann ich nachvollziehen. Wer schützt uns denn? Deshalb hält man sich mit öffentlicher Kritik zurück. Aber ich habe ja trotzdem eine große Klappe und so habe auch ich Angst davor, dass meine Proben manipuliert werden könnten. Dass man mich reinreißt, um mich für lange Zeit loszukriegen. Aber bis jetzt wurde ich immer ordentlich kontrolliert und konnte mich darauf verlassen. (GEA)



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