06.02.2012
Metzingen - Nellingen 30:24 - Rott-Team dominiert das Pokal-Derby klar und muss im Viertelfinale nach Oldenburg
Sport
TuS zieht den »Hornissen« den Stachel
METZINGEN. Die Metzinger Zweitliga-Handballerinnen trumpfen derzeit auf, als wären sie überhaupt nicht ersatzgeschwächt. Auch im dritten Spiel mit Mini-Kader gingen die Ermstälerinnen als Gewinner aus der Halle. Der 30:24 (17:10)-Derby-Sieg über den TV Nellingen war dabei von doppelter Bedeutung: Zum einen steht die TuS damit im Viertelfinale um den Pokal des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Zum anderen haben sie nun als souveräner Sieger den psychologischen Vorteil für das nächste Duell gegen Nellingen, bei dem es in 14 Tagen - wieder in der Öschhalle - dann um Zweitliga-Punkte geht.
An das Pokal-Finalturnier in Göppingen, von dem die TuS nur noch ein Spiel entfernt ist, denkt keiner, wenngleich die agile Carolin Tuc einräumte: »Das zu erleben, wäre etwas Einmaliges.« Die Chancen sind aber minimal: Denn die TuS muss in vier Wochen (eventuell wird die Partie verlegt) beim Bundesliga-Tabellenfünften VfL Oldenburg antreten. »Damit haben wir nicht gerechnet. Das ist kein Glückslos«, räumte Trainerin Edina Rott am Sonntagabend ein.
Das konnte aber ihre Freude über den zuvor erneut erfolgreichen Auftritt ihres Teams nicht schmälern. »Ich weiß nicht, wie lange wir es mit unserem ziemlich dünnen Kader durchhalten«, sagte die 40-Jährige. Da die TuS-Spielerinnen wieder nahezu nonstop die 60 Minuten absolvieren mussten, fiel der Jubel der geschafften Akteurinnen auch etwas zurückhaltender aus. »Ich bin todmüde«, schnaufte die achtfache Torschützin Annamaria Ilyes nach der Schluss-Sirene durch. Auf der Suche nach einer personellen Alternative soll in Kürze eine Entscheidung fallen. »Nächste Woche müssen wir aktiv werden«, kündigte Geschäftsführer Ferenc Rott an, dass man reagieren werde. Nachdem er bisher einige Absagen erhalten hatte, müssten die Erwartungen gedrosselt werden: »Ein Riesen-Name wird es nicht mehr«, deutete der Ungar an. Da Linksaußen Ina Großmann diese Woche zudem wieder ins Training einsteigt, dürfte sich die enge Personal-Lage noch im Februar etwas entspannen. Was das Team in dieser Situation an Willensleistung vollbringt, ist unglaublich. Und genau so unglaublich war auch die 13:2-Führung nach 19 Minuten - die TuS zog den »Hornissen« aus Nellingen eindrucksvoll den Stachel. Ein solcher Zwischenstand in einem Derby war ein absolutes Novum.
Nellingens Sportlicher Leiter Stefan Haigis schüttelte zur Pause den Kopf. »Das ist eine Sache der Vereinsethik. So darf ich in einem Derby nicht zurückliegen.« TVN-Torhüterin Andrea Hornung, den Metzinger Fans noch unter ihrem Mädchennamen May bekannt, machte neben Selbstkritik (»wir haben inkonsequent gespielt«) auch die zahlreichen Holz-Treffer der Gäste-Mannschaft für den Rückstand verantwortlich. Als Nellingens Trainerin Irina Kolpakova ab Ende der ersten Halbzeit Ilyes kurz decken ließ, kam kurzfristig etwas Sand ins Metzinger Getriebe.
Tuc: »Das hat uns anfangs ein bisschen irritiert.« Aber die TuS stellte sich darauf ein, zehrte von ihrer Führung und machte den Sack zu. Ilyes jubelte: »wir sind eine super Mannschaft. Ich bin stolz auf unser Team.« (GEA)
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