FORMEL 1 - Neben Schumacher wollen fünf weitere deutsche Piloten aufhorchen lassen. Vettels einziges Manko ist die fehlende Erfahrung
Rosberg hat das erste Duell schon verloren
Von Frank Pleyer
BAHRAIN. Neben Rückkehrer Michael Schumacher kämpfen fünf weitere deutsche Fahrer in der bevorstehenden Formel-1-Saison um WM-Punkte. Vor dem Auftakt am Sonntag (13 Uhr) beim Großen Preis von Bahrain porträtiert der GEA "Schumis" Rivalen.
Der Jung-Star:
Sebastian Vettel hat alles, was ein exzellenter Formel-1-Fahrer braucht: Können, Coolness, die Kunst, ein Rennen zu lesen, und die Fähigkeit, sich wechselnden äußeren Bedingungen schnell anzupassen. Einziges Manko ist die noch fehlende Erfahrung des Heppenheimers. Das hat ihn 2009 einige Punkte gekostet, weil er nicht nur einmal zuviel riskierte, wo es klüger gewesen wäre, sich mit weniger Punkten zu begnügen. Wer aber schon mit 19 Jahren erstmals in die WM-Punkte fuhr und mit 22 Vizeweltmeister wurde, der ist zwangsläufig der heißeste Anwärter auf den Titel. Gespannt sein darf man, ob Vettel bei Red Bull bleibt, wenn 2011 sein Vertrag dort ausläuft.
Der Überrumpelte:
Nico Rosberg galt als der talentierteste deutsche junge Fahrer, bis Sebastian Vettel auftauchte. Seine Entscheidung, sich bei Williams zu stabilisieren und auf lukrative Angebote der Top-Teams zu warten, schien sich auszuzahlen, als ihn Mercedes unter Vertrag nahm. Die unerwartete Verpflichtung von Michael Schumacher stellte den 24-jährigen Wiesbadener aber völlig ins Abseits. Auch wenn der Rennstall immer wieder betont, es gebe keine Nummer eins: Indem Rosberg »Schumi« dessen Wunsch-Startnummer überließ, hatte er schon das erste Duell verloren. Wenn er sich gegen den Rekord-Champion nicht behaupten kann, droht der Karriere-Knick.
Der Mutige:
Timo Glock kann Rückschläge wegstecken: Wer schon einmal in der Formel 1 war, dann rausfiel und sich wieder einen Platz zurückeroberte, hat seine Kämpfer-Qualitäten eindrucksvoll bewiesen. Dass der Wersauer auch Mut besitzt, unterstreicht die Wahl seines Rennstalls. Obwohl er bei Renault als aussichtsreicher Kandidat galt, unterschrieb er überraschend beim Neueinsteiger Virgin. Ein Wagnis, denn wie bereits Probleme mit Ersatzteilen bei den Testfahrten zeigten, muss der 27-Jährige mit dem britischen Rennstall des Milliardärs Richard Branson vorerst kleine Brötchen backen. Dort wieder ins Rampenlicht zu fahren, ist eine Herkules-Aufgabe.
Der Unterschätzte:
Adrian Sutil hat als talentierter Pianist viel Gefühl in den Händen. Wer aber glaubt, der Gräfelfinger sei daher vielleicht nicht hart genug für die Vollgas-Branche, täuscht sich: Auf der Rennstrecke scheut der 27-Jährige keinen Zweikampf. Hätte er nicht auch einiges Pech gehabt, wäre im Vorjahr mehr als nur ein vierter Rang in Monza möglich gewesen. In seiner dritten Formel-1-Saison hat der Bayer seltener gepatzt. Wenn sich sein Team Force India so weiterentwickelt und Sutil weiter aufhorchen lässt, muss ein Vertrag bei einem großen Rennstall kein Wunschtraum bleiben. Als Freund von Lewis Hamilton könnte McLaren interessant werden . . .
Der Neuling:
Nico Hülkenberg hat sich mit Klasse-Leistungen in der GP2-Serie für die Königsklasse empfohlen - wie es auch schon Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Timo Glock gemacht haben. Der 22-Jährige hat alle Eigenschaften, um sich in der Formel 1 zu etablieren: Schnelligkeit, Wagemut und Selbstvertrauen. Zusätzliches Plus: Mit Manager Willi Weber steht ein mit allen Wassern gewaschener Berater an seiner Seite. Der Entdecker von Michael Schumacher hat auch dafür gesorgt, dass Hülkenberg für sein Debüt in der Königsklasse beim idealen Rennstall gelandet ist: Williams war schon in Rosbergs Fall die erste Sprosse der Karriere-Leiter. (GEA)