Motorsport
Formel 1 - Domenicali: Werden keine Berufung einlegen. Bei Stall-Regie ist auch Disqualifikation möglich

Aufatmen bei Ferrari und Red Bull

VON FRANK PLEYER

HOCKENHEIMRING. Das Überholmanöver sprach für sich, die Strafe fiel zudem mild aus: Daher überrascht es auch nicht, dass Ferrari nach der offensichtlichen Stall-Regie beim Doppelsieg auf dem Hockenheimring auf einen Einspruch gegen das Urteil der Renn-Kommissare verzichtet.

»Im Interesse des Sports verzichten wir auf eine Berufung«, erklärte Teamchef Stefano Domenicali nach dem Rennen, in dem Felipe Massa Teamkollege Fernando Alonso allzu offensichtlich ohne Gegenwehr hatte überholen lassen, und damit für einen Sturm der Entrüstung gesorgt hatte. Ferrari sei überzeugt, dass der Motorsport-Weltrat wisse, »wie er die vorliegenden Fakten korrekt bewerten muss«.

Daraus spricht eine gewisse Zuversicht, die sich darauf gründet, dass eine Disqualifikation der Ferrari-Fahrer nicht sehr wahrscheinlich ist. Doch könnten Punkt-Abzüge oder eine höhere Geld-Buße auf das Team zukommen.

Das Renn-Ergebnis wurde vom Weltverband FIA nur als »vorläufiges Klassement« veröffentlicht. Die 100 000-Dollar-Strafe, zu der Ferrari wegen unerlaubter Team-Order zum Schaden des Motorsports verurteilt wurde, erscheint wenig, wenn man das Urteil mit einem früheren Fall vergleicht, der ebenfalls die roten Renner aus Maranello betrifft.

Vor acht Jahren hatte Rubens Barrichello Michael Schumacher in Österreich die Führung und damit den Sieg überlassen. Die Geldbuße, die der Weltrat verhängte, fiel damals mit einer Million Dollar deutlich höher aus. Eine FIA-Sprecherin wies am Sonntag darauf hin, dass im aktuellen Fall durch die Renn-Kommissare keine höhere Geldstrafe ausgesprochen werden konnte. Wann der Weltrat sich mit den Hockenheim-Vorkommnissen befassen wird, ist noch offen.

Bei einem anderen Thema hat Ferrari von der FIA grünes Licht erhalten - und auch das Red-Bull-Team um die Fahrer Sebastian Vettel und Mark Webber kann aufatmen. Der Vorwurf der Konkurrenz, die beiden Teams würden illegale flexible Frontflügel verwenden, wurde von der FIA noch am Sonntag überprüft. Die Regelhüter konnten bei den Bauteilen aber keinen Verstoß gegen das Reglement feststellen.

Weil die Wagen beider Rennställe bereits beim Qualifying auf der badischen Rennstrecke der Konkurrenz auf und davon fuhren, waren Vermutungen aufgekommen, die Teams hätten sich einen unerlaubten Vorteil verschafft. Fotos der Bauteile vor dem Renn-Einsatz und auf der Strecke sollten belegen, dass der Mindestabstand der Flügel zum Boden sich veränderte. Je tiefer ein Frontflügel im Wind liegt, desto mehr Anpressdruck erzeugt er. Der Wagen hat dann - etwa in schnellen Kurven - mehr Bodenhaftung, es können höhere Geschwindigkeiten gefahren werden.

Vor allem Ferraris Boliden hatten zuletzt überrascht: Die »Roten« waren nach einer mehrwöchigen Durststrecke ohne Podestplatz wie Phönix aus der Asche an die Spitze gefahren. »Sie haben einen Riesen-Sprung gemacht«, kommentierte Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug die Entwicklung bei den Italienern. Der drittplatzierte Vettel musste feststellen: »Den Großteil des Rennens waren die Ferrari wahrscheinlich ein oder zwei Zehntel schneller als wir.« (GEA)


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