Nürtingen - Eningen-Pfullingen 29:33 - WSG macht den Durchmarsch perfekt. Fast lauter Eigengewächse
»Wahnsinns-Leistung der Mädels«
VON MANFRED KRETSCHMER
NÜRTINGEN. Nürtinger Theodor-Eisenlohr-Halle, Samstag, 17.22 Uhr: Die Handball-Oberliga-Partie der Frauen zwischen der TG Nürtingen und der WSG Eningen-Pfullingen wird abgepfiffen - und wenige Augenblicke später tanzen die Mannschaft und ihre Trainer Ringelreihen. Der Jubel ist groß, der Durchmarsch perfekt. Die WSG entscheidet dieses letzte Saisonspiel im baden-württembergischen Oberhaus mit 33:29 (14:12) zu ihren Gunsten und macht damit den Durchmarsch von der Württembergliga in die dritte Liga perfekt.
»Meine Mannschaft hat sich diesen Erfolg verdient«, strahlte Trainer Markus Stotz wie ein Honigkuchenpferd. »Die mannschaftliche Geschlossenheit war unsere Stärke. Jede hat für jede gekämpft«, strich Stotz die besonderen Fähigkeiten seiner Truppe heraus. »Das war eine Wahnsinns-Leistung der Mädels, die immer wieder ihren unglaublichen Siegeswillen in die Waagschale warf«, formulierte Dirk Breckel, der in dieser Saison kurzzeitig schon mal als Interimstrainer im Einsatz war und beim VfL Pfullingen stellvertretender Abteilungsleiter ist.
WSG stellt die Bürgschaft
Breckel & Co. haben sich in den vergangenen Wochen in vielen Sitzungen getroffen. Das Ergebnis: Die WSG nimmt das Aufstiegsrecht in die neue dritte Liga (bisher Regionalliga) wahr. »Die Mannschaft hat sich sportlich für die dritte Liga qualifiziert und deshalb den Aufstieg verdient«, so Breckel. Die WSG, die im Jahr 2002 aus der Taufe gehoben wurde, wird die geforderte Bürgschaft in Höhe von 2 200 Euro stellen.
Bemerkens- und lobenswert: Die WSG holte die Titel in der Württemberg- und nun in der Oberliga mit fast dem gleichen Aufgebot, in dem bis auf Katrin Hack (früher TuS Metzingen und TSV Betzingen) lauter Ballwerferinnen der WSG-Stammvereine VfL Pfullingen und TSV Eningen stehen. »Das ist wohl einmalig in Deutschland«, stellte Youngster Marie-Luise Eitel fest. Einmalig ist außerdem, dass die Spielerinnen auch in der bevorstehenden Saison ohne Aufwandsentschädigung zum Ball greifen.
Die WSG-Macher müssen in den nächsten Wochen einiges erledigen. Zum einen muss ein neuer Trainer installiert werden (Markus Stotz und »Co« Drazen Sinicic hören auf), zum zweiten wird bei der Hauptversammlung am 11. Mai ein neues Führungsteam gebildet. Die Vorsitzende Birgit Dangel, Vize Silke Wölfel und Jugendwartin Ines Schmälzle hören auf. Dazu Dirk Breckel: »Die Aufgaben werden auf mehrere Schultern verteilt. Das Team steht, es fehlt allerdings noch der Kopf, der Vorsitzende.« Am Samstag nach dem Triumph in Nürtingen wurden diese Probleme erst einmal beiseitegeschoben. Die Meisterfete hatte Vorrang. Nicht nur Coach Stotz war am nächsten Tag stimmlich angeschlagen.
Das Duell beim Tabellendritten TG Nürtingen war von Kampf geprägt. Die Schiedsrichter verteilten je sechs Zeitstrafen und entschieden 18 Mal auf Siebenmeter. Die WSG, die auf Katrin Hack wegen eines Armbruchs verzichten musste (Stotz: »Wir haben sie schmerzlich vermisst«), lag im ersten Durchgang fast immer vorne, konnte sich aber zunächst nicht absetzen. 4:4 (12. Minute), 6:6 (18.) und 8:8 (20.) stand es, ehe die Gäste bis zur Pause mit zwei Toren (14:12) vorne lagen. Im zweiten Durchgang führte Eningen-Pfullingen mit 17:14 (36.) und 18:15 (37.). Doch Nürtingen stemmte sich vehement gegen die drohende Niederlage und stellte immer wieder den Gleichstand her (18:18, 20:20, 23:23). Zehn Minuten vor Schluss schließlich bogen die Gäste auf die Siegerstraße ein. Über die Stationen 25:23 (51.), 27:25 (53.), 29:25 (55.) und 32:27 (58.) brachte die WSG die Meisterschaft unter Dach und Fach - und danach war nur noch Jubeln angesagt. (GEA)