Fussball
Religion - Wenn Moslems derzeit nicht ganz so leistungsfähig sind, liegt das möglicherweise an der Fastenzeit

Ramadan schlaucht gläubige Kicker

Von Frank Wild

REUTLINGEN. Wenn plötzlich ein Pass über fünf Meter nicht mehr sauber ankommt, der Gegner einem regelmäßig entwischt oder schon nach einer Stunde der Saft völlig raus ist, dann kann das bei Fußballern unterschiedliche Gründe haben. Momentan könnte einer davon sein, dass der Spieler ein gläubiger Moslem ist. Seit 11. August und noch bis 8. September feiern die Muslime den Fastenmonat Ramadan.

Der gläubige Moslem Abdulbaset Haschmi (am Boden) kannderzeit wegen des Fastenmonats Ramadan sein volles Leistungsvermögen nur schwer abrufen. FOTO: KNEER
Der gläubige Moslem Abdulbaset Haschmi (am Boden) kannderzeit wegen des Fastenmonats Ramadan sein volles Leistungsvermögen nur schwer abrufen. FOTO: KNEER
Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang dürfen die Menschen da weder essen noch trinken.

»Das schwächt einen schon richtig«, berichtet der Metzinger Landesliga-Spieler Ercan Acar. »Man sieht, dass ich gerade etwas kraftlos bin«, erklärt der 24-jährige Offensivmann. Das unterstreicht auch der Nehrener Verbandsliga-Spieler Abdulbaset Haschmi. »Schon ab der 30. Minute fehlt einem da die Kraft«, erklärt der Afghane. Sport treiben schlaucht den Körper unheimlich.

Derzeit fällt der Fastenmonat für die Fußball spielenden, gläubigen Muslime ziemlich ungünstig. Weil der Ramadan jedes Jahr um zehn Tage weiter nach vorne rückt, wird die Zeit zwischen Sonnenauf- und Untergang in den nächsten Jahren aber noch länger. Da kommen dann mehr als 16 Stunden ohne Speis' und Trank zusammen. Die hohen Temperaturen in den Sommermonaten tun da noch ihr Übriges.

Essen und Trinken geselliger

»Kühlere Temperaturen und kürzere Tage kommen einem schon entgegen«, erklärt der Metzinger Landesliga-Trainer Erol Türkoglu, der ebenfalls regelmäßig fastet - das auch schon in seiner Zeit beim Regionalligisten SC Pfullendorf gemacht hat. Für den 38-jährigen Türken ist das Durchhalten Einstellungssache: »Der Mensch ist zu allem fähig - im Positiven wie im Negativen.«

In dasselbe Horn stößt auch Haschmi: »Ich möchte damit meine Pflichten als Moslem erfüllen«, spricht er von »rationaler Überzeugung«. Sein Trainer Dietmar Schneider würde den ehemaligen Bundesliga-A-Junioren des SSV derzeit gerne etwas schonen, wegen personeller Engpässe habe er »bei den Spielen aber gerade keine großen Alternativen«.

Wie Acar erklärt, sei das Essen und Trinken nach Sonnenuntergang in der Fastenzeit viel geselliger. Mit richtig reinhauen klappt's aber auch nicht, wenn's dann erlaubt ist. »Du willst zwar essen, kriegst aber nicht viel runter«, erklärt der Türke, der dem Ritual aus freien Stücken nachgeht. »Ich mache das schon immer.« Aufgeben steht für ihn nicht zur Diskussion. Im Gegenteil. »Da muss man durch. Zudem bin ich stolz auf mich, wenn ich das durchgezogen habe.«

Das bestätigt auch Haschmi: »Man geht aus dem Ramadan mit einem positiven Gefühl heraus, weil diese Zeit nicht einfach ist.« Wie Türkoglu erklärt, sei sowieso der Einstieg schwerer: »Die Umstellung von heute auf morgen ist nicht so einfach. Dann geht's aber nach und nach.« Er ziehe vor jedem den Hut, der das mitmacht. Positive Effekte seien dabei nicht unter den Tisch zu kehren. Türkoglu: »Das Fasten gibt einem eine unglaubliche psychische Stärke.« (GEA)


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