Fußball - Schiedsrichtergruppe Reutlingen wählt den Nachfolger von Obmann Klaus Rapp einstimmig
Klaus Sulz übernimmt die Glocke
VON FRANK WILD
PFULLINGEN. Eine Ära geht zu Ende. Nach exakt 5 618 Tagen gab Klaus Rapp am Freitagabend in der Pfullinger Gaststätte »Südbahnhof« im Rahmen der Hauptversammlung sein Amt als Obmann der Fußball-Schiedsrichtergruppe Reutlingen ab. Damit übertraf er den bisherigen »Spitzenreiter« Willi Hoffmann, der von 1964 bis 1978 Chef der Reutlinger Referees war. »Klaus übergibt eine funktionierende Gruppe«, sagte der kommissarische Verbandsschiedsrichter-Obmann Rolf Baumann anerkennend. Er war für Rapps Abschied extra aus Schwäbisch Hall angereist. Anwesend waren ebenfalls der Bezirksvorsitende Horst Beck sowie seine Obmann-Kollegen Markus Werthmann (Münsingen) und Norbert Endreß.
»Ich war sehr gerne Obmann unserer Gruppe sowie Vertreter unseres Bezirks beim Verband. Dieses Amt ist nicht immer nur mit Freude und Siegen verbunden, sondern oft auch mit Ärger, Niederlagen und Enttäuschungen. Mir werden dennoch unzählige schöne Stunden mit meinen Kameraden in Erinnerung bleiben. Viele Freundschaften und Bekanntschaften wurden geschlossen und jede Menge Erfahrungen gesammelt, die ich bis heute nicht missen möchte«, sagte der sichtbar bewegte Unparteiische zum Ende seines letzten Berichts, der mit stehenden Ovationen gewürdigt wurde.
»Ich war sehr gerne Obmann unserer Gruppe sowie Vertreter unseres Bezirks beim Verband« §§ Das Amt übernimmt nun sein Schiedsrichter-Kollege vom SSV Reutlingen, Klaus Sulz. Dieser war das einzige Ausschuss-Mitglied, das nicht aufgehört hatte, als Robert Claß am 16. September 1996 das Amt an Rapp übergeben hatte. Symbolisch übergab Rapp vor den Augen der 74 anwesenden Schiedsrichter an Sulz die Versammlungsglocke, »die ich damals von Robert Claß bekommen habe«.
Zusammen mit Rapp, der von der Versammlung zum Ehren-Obmann ernannt wurde, haben die Ausschuss-Kollegen Holger Sander, Walter Löffler und Otto Fauser ihr Amt niedergelegt. Sulz geht mit einem Zehner-Gremium ins Rennen. Neben ihm als Obmann (verantwortlich für Beobachtungswesen, Repräsentation, Schiedsrichtererhaltung und Verbandsarbeit) gehören Björn Vielberth (TuS Honau; stellvertretender Obmann, DFB.net-Berater, Personalbögen und Talentförderung), Markus Ebner (FC Stetten/Salmendingen; Einteiler Aktive), Phillipp Herbst (SSV Rübgarten; Einteiler Junioren, Lehrgänge) sowie, als Mitglieder des erweiterten Ausschusses, die beiden Lehrwarte Gerhard Schmauder (SV Hülben) und Heinz-Werner Zwicknagel (TSV Wittlingen) wie bisher zum Ausschuss.
Neu hinzugestoßen sind Marcel Maisch (SSV Rübgarten; Neulingsbetreuung, Neulingskurse), Viktor Bauer (SV Stuttgarter Kickers; besondere Aufgaben, Einteilung), Alexander Merkel (SpVgg Weil im Schönbuch; Homepage, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Schriftführer, Statistiken) und Daniel Schmid (FC Stetten/Salmendingen; Nachwuchsförderung, Schiedsrichtererhaltung, Talentsichtung). Er freue sich, »dass ich so viel Vertrauen bekommen habe, die reizvolle aber manchmal auch schwierige Aufgabe zu übernehmen«, erklärte Sulz.
An Herausforderungen sollte es dem neuen Mann an der Spitze eigentlich nicht mangeln. Die Zahl der zu leitenden Partien stieg in den vergangenen drei Jahren um 81 von 2 547 auf 2 628 - bei gleichbleibender Schiedsrichterzahl. Damit stößt die Gruppe, laut Rapp, an die Grenze des Machbaren »beziehungsweise haben wir diese bereits überschritten«. Als einzige Gruppe des Bezirks Alb können die Reutlinger stolz darauf sein, alle Spiele der Kreisliga C selbst zu besetzen. Dies werde aber in Zukunft kaum noch möglich sein, »zumal wir auch noch diverse Kreisliga-C-Spiele der Gruppe Münsingen übernommen haben«, so Rapp.
§§ »Schiedsrichter müssen das Spiel nicht nur pfeifen sondern leiten können«
Es gilt, dafür zu sorgen, dass die Unparteiischen bei der Stange bleiben. Natürlich geht es aber auch darum, Neulinge für den Einsatz an der Pfeife zu gewinnen. Oberste Prämisse ist dabei das Motto »Qualität vor Quantität«. Wie Baumann in seinem Vortrag ausführte, müssten Schiedsrichter »das Spiel nicht nur pfeifen sondern leiten« können.
Wie Rapp rückblickend auf die nun zurückliegende, dreijährige Periode berichtete, ließ man zum 31. Dezember 2010 46 »Kameraden« von der Schiedsrichterliste streichen. Damit war der Pool ausgemistet. »Uns fehlen hauptsächlich Schiedsrichter zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr«, erläuterte er und prophezeite: »Da hier eine Lücke klafft, werden künftig in den Kreisligen entweder sehr junge, unerfahrene oder ältere Kameraden zum Einsatz kommen.«
Stolz sind die Reutlinger auf ihre Spitzenleute Vielberth (Verbandsliga) und Herbst (Landesliga). Zuversicht verbreiten einige, aus dem Förderkader kommende Talente. Rapp: »Auch im Frauenbereich scheinen wir so langsam aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen.« Für zehn Jahre aktive Schiedsrichterei wurde Bauer geehrt. Gar 15 Jahre auf dem Buckel hat der bereits 61-jährige Edmund Dittmann (VfL Pfullingen). Er bekam die Ehrennadel in Bronze überreicht. (GEA)