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SSV Reutlingen - Insolvenz-Antrag konnte noch nicht eingereicht werden. Rücktritts-Forderungen der Fans

Heftige Kritik an der Klub-Spitze

Von Frank Pleyer

REUTLINGEN. Eine Informations-Veranstaltung, die nicht die drängendsten Fragen beantworten kann, ist ein Muster ohne Wert. Für die Fans des Fußball-Regionalligisten SSV Reutlingen war es nach dem Insolvenz-Schock immerhin die willkommene Gelegenheit, ihrem Unmut über die Arbeit der Klub-Spitze mit heftiger Kritik Luft zu machen.

Infoveranstaltung des SSV Reutlingen zur Insolvenz
Stellten sich den Fragen (von links): Jürgen Rauscher, Eberhard Spohn, Fritjof Eisenlohr, Hans-Jürgen Ewert, Stefan Hack. FOTO: Markus Niethammer
Neuigkeiten über die Höhe der aktuellen Schuldenlast des Klubs oder personelle Konsequenzen nach der Zahlungsunfähigkeit gab es von der Führungsriege keine, unter Hinweis darauf, dass es ein schwebendes Verfahren sei.

SSV-Präsident Fritjof Eisenlohr teilte stattdessen den Zuhörern mit, dass der Insolvenz-Antrag am Montag noch nicht gestellt werden konnte. Der Klub-Chef wollte dies gestern beim Amtsgericht Tübingen zwar machen. Doch hatten die Reutlinger Macher nicht die entsprechenden Formulare für Vereins-Insolvenzen ausgefüllt. Eisenlohr: »Das hat keiner gewusst, dass es diese speziellen Formulare gibt.« Der Antrag soll nun am heutigen Dienstag eingereicht werden.

Riesiger Andrang

Wie groß das Interesse am SSV ist, zeigte sich daran, dass gestern Abend über 200 Anhänger den Weg in den Presseraum des Kreuzeichestadions gefunden hatten. Solch eine Resonanz hatte keine Mitgliederversammlung der letzten Jahre. Unter den Zuhörern waren auch die SSV-Spieler Andreas Rill, Alexander Blessin und Fabian Fecker.

Fünf Mitglieder der Führungs-Crew stellten sich den Fragen: Neben Eberhard Spohn und Jürgen Rauscher vom Verwaltungsrat saßen als Vertreter des Präsidiums Fritjof Eisenlohr, Hans-Jürgen Ewert und Stefan Hack auf dem Podium. Spohn wies darauf hin, dass er nach der vergangenen Mitgliederversammlung zusammen mit Hans Hauschild (ebenfalls ein Mitglied des Verwaltungsrats) ein Konsolidierungs-Konzept für den Klub ausgearbeitet habe. Doch es sei gescheitert, weil die größeren Geldgeber, die man zur Realisierung des Konzepts gebraucht hätte, das Vorhaben in Zeiten der allgemeinen Wirtschaftskrise nicht unterstützten. »Damit war klar: So gibt es keine Chance für eine Zukunft«, schilderte Spohn, wie nun die Insolvenz unvermeidlich gewesen sei. Doch machte er den Fans Hoffnung, dass das Insolvenzverfahren eröffnet werden könne. Sollte das nicht gelingen, müsste der Verein aufgelöst werden.

Heftige Kritik musste die Führungs-Riege einstecken. So forderte ein Fan - ebenso wie es schon SSV-Leistungsträger Andreas Rill am Tag zuvor getan hatte - dass die Verantwortlichen der Misere zurücktreten sollten. Starker Beifall der Zuhörer war die Reaktion. Ein anderer Anhänger wandte sich direkt an den Sportlichen Leiter Stefan Hack, er solle seinen Hut nehmen. Die Forderungen verpufften wirkungslos. Gegenstand der Kritik war auch die Arbeit von Roland Seitz, dem Trainer des Regionalliga-Teams.

In Sachen Insolvenzverwalter hat der SSV mit Gerhard Walter einen Wunsch-Kandidaten. »Der Verein darf einen Vorschlag machen, letztlich entscheidet aber das Amtsgericht«, sagte Walter dem GEA auf Anfrage. Wolfgang Löffler, seines Zeichens Pressesprecher der Stadt Reutlingen, bezifferte die Forderungen der Kommune an den SSV auf etwa 9 000 Euro (hauptsächlich Mietkosten). »Wir sind nicht Herr des Verfahrens und warten nun auf den Insolvenzverwalter«, so Löffler. In puncto Nutzung der Sportstätten werde sich in den nächsten Wochen nichts ändern. Alle SSV-Abteilungen können somit ihren Spiel- und Trainingsbetrieb normal fortsetzen. (GEA)


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Infoveranstaltung zur Insolvenz

Infoveranstaltung des SSV Reutlingen zur Insolvenz
FOTO: Markus Niethammer
 

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