Fussball
SSV Reutlingen - Einstimmiger Entschluss von Präsidium und Verwaltungsrat. Nullfünfer erster Absteiger. Doch der Klub will die Regionalliga-Saison zu Ende spielen

Gang in die Insolvenz, um Schuldenberg zu beseitigen

Von Frank Pleyer

REUTLINGEN. Seit Jahren konnte der SSV Reutlingen die Zahlungsunfähigkeit gerade noch vermeiden, jetzt aber ist der Klub finanziell nicht mehr zu retten: Daher tritt der SSV am Montag den Gang vor das Amtsgericht Tübingen an, um dort die Insolvenz anzumelden. Grund sind Millionen-Schulden, von denen der Großteil Altlasten sind, die dem Klub seit den Zweitliga-Zeiten die Hände binden.

Alban Meha. GEA-ARCHIVBILD: MEYER
Alban Meha. GEA-ARCHIVBILD: MEYER
Hinzu kam ein offenbar sechsstelliges Defizit in der laufenden Fußball-Regionalliga-Saison, das Präsidium und Verwaltungsrat einstimmig diese Entscheidung treffen ließ. Nach GEA-Informationen beläuft sich der Gesamtstand der SSV-Verbindlichkeiten auf deutlich über vier Millionen Euro.

»Das war eine schwierige Entscheidung, aber die Schuldenlast ist überwältigend«, teilte Präsident Fritjof Eisenlohr am Freitagnachmittag mit. Er steht seit November an der Spitze des Kreuzeiche-Klubs mit seinen über 1 600 Mitgliedern und war nach eigener Aussage von den letzten negativen Wirtschaftszahlen überrascht worden.
»Wir hätten die Auflagen gar nicht mehr erfüllen können«
 

Zugleich sprach Eisenlohr eine Kritik an den früheren Vereins-Verantwortlichen aus: »Richtigerweise hätte man diesen Schritt bereits nach der Saison 2002/2003 machen müssen, als das Team keine Lizenz erhielt und in die Oberliga zurück musste.« So aber musste der SSV Jahre lang Millionen-Verbindlichkeiten mit sich herumschleppen. Nun wird sich zeigen, ob genügend Vereins-Werte vorhanden sind, um ein Insolvenz-Verfahren zu eröffnen. Nur wenn dies machbar ist, besteht für den Kreuzeiche-Klub die Möglichkeit, »endlich den Schuldenberg zu beseitigen« (Eisenlohr). Dass dem Verein an TV-Geldern offenbar noch eine Rate von 52 000 Euro zusteht, erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung.

Hohe Kosten und geringe Einnahmen hätten den Klub laut Eisenlohr in die Misere gebracht. »Das ganze Umfeld hat nicht gestimmt.« Allem Anschein nach sind auch Spenden-Zusagen nicht eingehalten worden. Unter diesen Umständen habe auch keine Chance bestanden, die Regionalliga-Lizenz für die kommende Saison zu erhalten. »Wir hätten die Auflagen gar nicht mehr erfüllen können.« Der SSV steht nach den Regularien damit als erster Absteiger fest. Die Nullfünfer wollen aber die restlichen 15 Saisonspiele - als Nächstes tritt der SSV am Sonntag (14 Uhr) in Karlsruhe an - bestreiten und hoffen, in der nächsten Spielzeit in der Oberliga antreten zu können.
»Die Entscheidung war längst überfällig«
 

Nun gelte es, den Fußball-Jugend-Bereich und die anderen Abteilungen zu sichern, erklärte Eisenlohr. Die Nachricht schlug im Verein wie eine Bombe ein. Von den sechs anderen Abteilungen - neben dem Fußball noch die Sparten Boxen, Tennis, Versehrtensport, Freizeitsport, Schwimmen und Tischtennis - muss sich nur die knapp 200 Mitglieder starke Tennis-Abteilung keine Sorgen machen: Sie ist seit den 70er Jahren als rechtlich selbständiger Verein (TC SSV Reutlingen) abgesichert. »Wir bestehen weiterhin«, betonte Abteilungschef Peter Schmoll. Für den SSV tue ihm die Entwicklung leid. Doch angesichts der dauerhaften Finanz-Probleme »war die Entscheidung längst überfällig. Das kann ein Verein nicht schultern«. Er hat in den vergangenen Jahren ein erfolgreiches Krisen-Management beim Haupt-Verein vermisst. »Man kann der Öffentlichkeit nicht ständig Spenden-Aktionen zumuten«, meinte der Möbel-Unternehmer.

Thomas Floten war »wirklich überrascht, dass wir so weit sind und in die Insolvenz müssen«. Dass die Zahlungsunfähigkeit kommt, damit hätte er eher in den Vorjahren gerechnet. Nun befürchtet der Abteilungschef von rund 140 Faustkämpfern, dass zur Sanierung auch auf die Mitgliederbeiträge und andere Einnahmen seiner Sparte zurückgegriffen wird. »Wir haben noch nie Schulden gehabt und noch nie etwas verlangt. Ich lasse mir das Geld nicht nehmen. Dann tritt die komplette Box-Abteilung aus und woanders ein«, erklärte der Qualitäts-Manager mit Nachdruck. (GEA)


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