Fussball
Fußball - Der ehemalige Spieler des SSV Reutlingen tritt mit Hertha BSC erstmals in der Europa League an

Ex-Spieler des SSV Reutlingen: Vorhang auf für Marvin Plattenhardt

VON DENIS RAISER

BERLIN. Für Marvin Plattenhardt hätte die Generalprobe für seine Premiere in der der Europa League kaum schlechter laufen können. Im Fußball-Bundesligaspiel gegen Werder Bremen (1:1) leistete sich der Linksverteidiger von Hertha BSC die meisten Fehlpässe (elf), führte nur sieben Zweikämpfe und wurde zu allem Überfluss auch noch von Bremens Fin Bartels mit einem Tunnel zum Statisten degradiert. »Ja, Platte hatte keinen guten Tag«, gab sein Trainer Pal Dardai zu, »aber da war er nicht alleine«.

Der linke Fuß von Marvin Plattenhardt ist »eine Waffe«. FOTO: WITTERS
Der linke Fuß von Marvin Plattenhardt ist »eine Waffe«. FOTO: WITTERS
Am Lampenfieber lag es in seinem 141. Bundesligaspiel sicher nicht. Bei dem 25 Jahre alte Nationalspieler aus Filderstadt-Bonlanden wirkt es eher so, als sei er seit dem Sieg beim Conferedations Cup in Russland etwas ausgelaugt. Für Hertha-Manager Michael Preetz ist das nach der verkürzten Saison-Vorbereitung ganz normal: »Diese Extra-Belastung ist noch eine ganz neue Erfahrung.« Die Länderspielpause hat Plattenhardt offenbar noch nicht gereicht, um aus dem Formloch zu kommen.

Für die WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien (2:1) und Norwegen (6:0) hatte Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht nominiert. »Er machte mir aber Mut, dass ich weiter dranbleiben soll«, berichtet Plattenhardt. Trotz vergleichsweise wenig Einsatzzeiten hat er den Bundestrainer beim Confed Cup wohl überzeugt. Löw bezeichnete ihn danach als »Alternative« auf einer Position, auf der sich die Talente nicht gerade im Überfluss tummeln. Auch Plattenhardt hat das Turnier »Lust auf mehr« gemacht. »Mein Ziel ist es, weiter in der Nationalmannschaft dabei zu sein«, sagt er und denkt dabei an die WM im kommenden Jahr in Russland.

Unverzichtbar für Dardai

Ins Blickfeld von Löw hat sich Plattenhardt mit konstant guten Leistungen in der vergangenen Runde gespielt. Im Hertha-Ensemble, das sich nach acht Jahren wieder für den Europapokal qualifizieren konnte, ist er unter der Regie von Dardai ein unverzichtbarer Teil der Stammbesetzung. Das war nicht immer so. Unter Vorgänger Jos Luhukay, der ihn 2014 vom 1. FC Nürnberg in die Hauptstadt holte, blieb »Platte« vorwiegend die Zuschauer-Rolle. Erst der Ungar sah sein Potenzial - besonders in seinem linken Fuß. »Der ist eine Waffe«, schwärmt der Hertha-Trainer. Zum Einsatz kommt diese vor allem bei Standards. Drei Tore hat Plattenhardt in der abgelaufenen Spielzeit erzielt - alle per Freistoß. Und auch bei seinen scharf getretenen Flanken hat er »diese Extra-Qualität«, wie Manager Preetz findet.

Mit diesen Fähigkeiten ist Plattenhardt bereits in seiner Jugendzeit beim SSV Reutlingen (2006 bis 2008) aufgefallen, wo jetzt sein Bruder Luca in der Oberliga aufläuft. Und diese Begabung wird er jetzt auch wieder zeigen müssen, um sich Löw zu empfehlen. Dazu bietet ihm die Europa League eine internationale Bühne. Diese Auftritte sind für Plattenhardt »eine wichtige Erfahrung und eine große Aufgabe«, wie er selbst sagt.

Ob er sich am heutigen Donnerstag (21.05 Uhr) gegen den spanischen Tabellenvierten Atletic Bilbao im Rampenlicht des Berliner Olympiastadions präsentieren darf, ist allerdings noch nicht ganz sicher. Dardai hat angekündigt, dass sich der eine oder andere Stammspieler sogar auf der Tribüne wiederfinden wird. Das wird für Plattenhardt aber nicht die richtige Maßnahme sein, den Rhythmus wiederzufinden. »Das«, weiß Preetz, »geht am besten über Einsätze.« (GEA)

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