Fußball - Drei Anträge zur Spielklassenreform eingereicht. Reutlingens Trainer Lothar Mattner plädiert für zweigleisige Regionalliga und Extra-Runde für die »Zweiten«
Die Pleite-Liga
VON MANFRED KRETSCHMER
REUTLINGEN. »Wir würden gerne Meister in der Oberliga werden, aber aufsteigen könnten wir nicht«, sagt Lothar Mattner, der Trainer des Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen.
»In die Regionalliga will und kann doch fast keiner aufsteigen«, meint Wattenscheids Trainer Marek Lesniak.
Die Regionalliga gilt als Pleite-Liga und hat in der jetzigen Form - derzeit gibt es drei Staffeln mit insgesamt 54 Teams, davon 25 zweiten Mannschaften - keine Zukunft. Die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sind für viele Klubs kaum zu erfüllen, der Zweite hat keine Aufstiegschance, nächstes Jahr soll kein Fernsehgeld mehr ausgeschüttet werden (derzeit zirka 90 000 Euro), und neuerdings gibt's de facto fast keine Absteiger. In der zurückliegenden Spielzeit meldeten der SSV Reutlingen, Rot-Weiß Essen, Tennis Borussia Berlin und Eintracht Bamberg Insolvenz an, Waldhof Mannheim und der Bonner SC erhielten keine Lizenz und Hansa Rostock zog seine zweite Mannschaft zurück. Somit gab's statt der vorgesehenen neun sportlichen Absteiger nur zwei. Traurige Fakten, die nicht nur die Fan-Initiative »Pro-Regionalliga-Reform-2012« auf den Plan gerufen hat. Auch die Verantwortlichen des DFB konnten die Augen nicht mehr verschließen und haben die Reform der bisherigen Regionalliga zum zentralen Thema des Bundestags am 21./22. Oktober gemacht. Drei Anträge zur Spielklassenreform wurden eingereicht.
Antrag (1) : Der Westdeutsche Verband spricht sich für eine Beibehaltung der bisherigen Grundstruktur aus. Allerdings sollen zwei Staffeln nur aus ersten Mannschaften der Vereine zusammengesetzt und eine eigene Staffel mit den zweiten Mannschaften der Lizenz-Klubs gebildet werden. Diesen Vorschlag unterstützt auch die »Pro-Regionalliga-Reform-2012«. Deren Sprecher Alex Lehné freut sich, dass der Antrag vom West-Verband formuliert wurde, weil deren oberster Funktionär Hermann Korfmacher auch DFB-Vizepräsident ist. Lehné: »Die Fanaktionen und die Arbeit der Vereinsvertreter haben die DFB-Spitze nicht nur aufgeweckt, sie haben die Verantwortlichen beim DFB überzeugt.« Mehrere Landesverbände, so Lehné, würden diesen Vorschlag unterstützen.
Antrag (2) : Der Bayerische Fußball-Verband plädiert für einen Wegfall der jetzigen dreigeteilten Regionalliga. Dieser Antrag sieht im Kern unterhalb der dritten Liga die Einführung einer achtgeteilten Oberliga als neue vierte Spielklassenebene vor.
Antrag (3) : Der Ligaverband fordert eine Beibehaltung der Regionalliga in ihrer bisherigen Anordnung. Zudem möchten die Profivertreter die »wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Kriterien für die Zulassung sowohl der ersten als auch der zweiten Mannschaften neu definiert und überprüft« wissen. Am Freitag soll im Rahmen einer Manager-Tagung dieses heikle Thema gemeinsam mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer erörtert werden.
SSV-Trainer Mattner plädiert für den Antrag mit zwei Regionalligen sowie einer Extra-Runde für die »Zweiten«, fügt jedoch im nächsten Atemzug hinzu: »Ich befürchte, dass die zweiten Mannschaften nicht ausgegliedert werden.« Mattner, und nicht nur ihm, ist zudem wichtig, dass ein Modell entwickelt wird, das durchgängig den Zweitplatzierten einer Spielklasse via Relegation eine Aufstiegsmöglichkeit bietet. Paradoxerweise hat von der Kreisliga C bis zur Verbandsliga der »Vize« die Chance, sich über in der Regel extrem gut besuchte Relegationsspiele für die nächsthöhere Klasse zu qualifizieren. Lediglich in der Regionalliga und Oberliga schaut der Zweite in die Röhre. (GEA)