Sport
Leichtathletik - 18 Jahre nach Olympia wird die katalonische Hauptstadt wieder zur internationalen Sporthochburg

Barcelona ruft

BARCELONA. Barcelona ist bereit für eine zünftige Leichtathletik-Fiesta, das starke deutsche Team schon ganz heiß auf Medaillen. Dazu weckt die blaue Bahn im Olympiastadion von 1992 schöne Erinnerungen an die stimmungsvolle Heim-Weltmeisterschaft in Berlin. Somit wollen die 74 für die 20. Europameisterschaften nominierten Asse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) von Dienstag, 27. Juli, bis zum Sonntag, 1. August, in der katalanischen Metropole ihren 2009 gestarteten internationalen Aufwärtstrend fortsetzen. Stolz meldeten die Gastgeber und der Europäische Leichtathletik-Verband (EAA) schon vor dem Startschuss den ersten Rekord: 1 626 Athleten (735 Frauen/891 Männer) aus allen 50 EAA-Ländern hatten sich bis zum Meldeschluss in die Startlisten eingetragen. 2006 in Göteborg waren nur 1288 Sportler aus 48 Nationen dabei.

In einem Jahr ohne Olympia und Weltmeisterschaften blicken die Leichtathletik-Fans dabei besonders gebannt nach Europa: Angesichts gesunkener Popularität und nach wie vor grundsätzlich schwindender Präsenz in Fernsehen und den Medien sind die kontinentalen Titelkämpfe für die olympische Kernsportart eine riesengroße Chance. Auch ist die EM für Europas Athleten eine Generalprobe für Olympia 2012 in London.

Ghirmai läuft am Dienstag

Dieser Saisonhöhepunkt schenkt außerdem den deutschen Athleten Erfolgsaussichten, die sie sonst im globalen Wettstreit eben nicht haben. Vor allem Sprinter und Läufer wittern ohne die Asse aus Afrika und Amerika ihre Chancen sioch ins Rampenlicht zu schieben und so ihren Marktwert zu steigern. Schon am Dienstag stehen dabei die ersten drei von 47 Medaillen-Entscheidungen auf dem Programm.

So kämpfen die Geher rund um die Ramblas um den 20-Kilometer-Titel. Im Kugelstoßen der Frauen winkt am Abend dann mit der WM-Zweiten Nadine Kleinert und den »hungrigen« Petra Lammert und Denise Hinrichs der deutschen Mannschaft das erste Edelmetall. Zudem hat das deutsche Läufer-Trio mit dem Europameister Jan Fitschen, dem Tübinger Filmon Ghirmai und dem Wattenscheider Christian Glatting hat über 10 000 Meter 25 Runden zu absolvieren: War der Titel für Jan Fitschen vor vier Jahren in Göteborg eine Riesen-Überraschung, wäre ein solcher Coup diesmal schlichtweg eine Sensation. Einziger Titelverteidiger von Göteborg 2006 neben Fitschen ist Kugelstoßer Ralf Bartels. Noch ist der 32 Jahre alte Neubrandenburger in Deutschland der Chef im Ring, doch Talent David Storl (Chemnitz) ist ihm schon ganz schön dicht auf die Pelle gerückt: Am Eröffnungstag feiert der Benjamin im EM-Team 20. Geburtstag.

Diskus-Weltmeister Robert Harting und Hochsprung-Hoffnung Ariane Friedrich führen das Team bei der erwarteten Hitzeschlacht an. »Wir haben mit Anspruch und Augenmaß nominiert«, sagte Verbands-Sportdirektor Thomas Kurschilgen »Bei der EM werden wir eine leistungsstarke Mannschaft sehen, die mit Mut und Risiko in die Wettkämpfe gehen wird.« Er erwartet einen Dreikampf mit Großbritannien und Russland um den Spitzenplatz in der Nationenwertung. Dabei blieben insgesamt neun Disziplinen bei den Deutschen unbesetzt. Bei den Männern sind die 400 m, 800 m, 400 m Hürden, Hochsprung, Dreisprung und Zehnkampf, bei den Frauen 200 m, 400 m und 1 500 m.

»Goldbank« Nadine Müller

In Göteborg half den 77 DLV-Athleten vor vier Jahren wohl auch das »Skandinavien-Hoch« beim Gewinn von zehn Medaillen. Diesmal nimmt eine fast gleich große Mannschaft den Schwung von der Heim-WM im vergangenen Jahr mit. Die Berliner Ausbeute von neun Medaillen war nicht schlecht. In Barcelona, wo 1992 Dieter Baumann über 5 000 Meter Olympiasieger wurde und nun seinen Schützling Arne Gabius am Donnerstag, ebenfalls über 5 000 m ins Rennen schickt, dürfen es gern mehr werden. »Wir haben eine ganze Reihe von Athleten mit Medaillenchancen. Wenn alles gut läuft, könnte eine zweistellige Medaillenzahl herauskommen«, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.

In dieser Saison konnten sich die deutschen Athleten zwar schon gut in Stellung bringen, doch nur ein Quartett steht in den Europa-Bestenlisten ganz oben: Weitspringer Christian Reif (8,28 Meter), Hürdensprinterin Carolin Nytra (12,57 Sekunden) und Stabartistin Carolin Hingst (4,72 Meter). Vertraut man der Statistik, dann müsste Diskuswerferin Nadine Müller die sicherste »Goldbank« sein: Bei 67,78 Meter landete die Ein-Kilo-Scheibe - keine andere Diskuswerferin hat das in dieser Saison geschafft. Abgesagt hat gestern Marathonläufer Falk Cierpinski (Spergau) wegen einer Sehnenentzündung im Fuß. (bib/dpa)


Seite versenden
 

Multimedia

Sportvideos

Sportvideos
Unsere Kameraleute sind jetzt auf den Sportplätzen der Region für Sie dabei.
lesen »
www.gutefrage.net: Die große Ratgeber-Community für gute Fragen und hilfreiche Antworten

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Sport finden Sie auf www.gutefrage.net

Blank