Naturtextilien - Hersteller im Kreis Reutlingen arbeiten nach den weltweit strengsten Richtlinien

Den Willen der Verbraucher respektieren

»Über kurz oder lang sind wir zu arm, um billig zu kaufen«

Was da so flauschig am Strauch hängt, kann ganz schön giftig sein.150 Gramm Gift landen für jedes T-Shirt im konventionellen Anbau auf dem Baumwoll-Feld, meldete das Greenpeace-Magazin.
Meldungen, dass in Bio-Baumwolle Spuren gentechnisch veränderter Baumwolle entdeckt wurden, wühlen seit einigen Wochen gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher auf. Wie kann ich sicher gehen, auch wirklich »bio« zu kaufen? Auf welche Prüfsiegel ist Verlass? Bedeutet gentechnisch automatisch »nicht bio«? Es ist ja allgemein bekannt, dass im konventionellen Baumwollanbau Unmengen an Pestiziden eingesetzt werden. Ist es da nicht besser, auf Neuzüchtungen oder eben auch gentechnisch veränderte Sorten umzusteigen, die schädlingsresistent sind?

Zu Zeiten allgemeiner Verunsicherung sucht der Laie Hilfe bei Leuten, die sich auskennen. Beispielsweise bei Roland Stelzer, Geschäftsführer des Bempflinger Textilherstellers Elmer & Zweifel, der sich zum Zweck der Aufklärung mit einer Pressemitteilung bezüglich seiner Produkte der Marke »Cotonea« an die Öffentlichkeit gewandt hat.

Dass in manchen Anbauländern die Gefahr von Verunreinigung durch Spuren gentechnisch veränderter Baumwolle bestehe, sei in der Branche seit Jahren bekannt, sagt Stelzer. Für ihn und seine Firma Grund genug, Biobaumwolle nicht aus Ländern zu beziehen, in denen Gentechnik in der Landwirtschaft eine Rolle spielt - USA, Indien und China.

»Skandal ist gar keiner«

Elmar Sautter ist Geschäftsführer des Holzelfinger Textilunternehmens disana und zugleich zweiter Vorsitzender des IVN (Internationaler Verband Textilwirtschaft), der als strengste Kontrollinstanz weltweit gilt. Er hat recherchiert, dass der Vorwurf um Spuren von gentechnisch manipulierter er Baumwolle sich bei näherer Betrachtung auf eine Probe bezog, die auf die Produktion eines ganzen Landes hochgerechnet wurde. »Der Skandal ist gar keiner«, sagt der Wächter über die Bio-Richtlinien.

Skandalöser sei vielmehr, dass Konzerne, die mit gentechnisch verändertem Saatgut arbeiten, nicht dafür sorgen müssen, dass sie ihren Anbau eindämmen. Denn gegen Querkontamination, etwa durch Pollenflug, sei kein Kraut gewachsen. »Dem sind wir alle ausgeliefert.« Und damit den unkalkulierbaren Langzeitfolgen. Denn unmittelbar gesundheitsschädlich ist genmanipulierte Baumwole ja nicht. »Die macht ja keine roten Pickel!« so Sautter.

Im Unterschied zu den USA, wo Gentechnik in der Landwirtschaft weit verbreitet ist und von der Bevölkerung kaum kritisch gesehen wird, seien die Konsumenten in Europa eindeutig ablehnend. »Und wenn der Verbraucher das nicht will, sollten Hersteller das akzeptieren«, so Stelzers Überzeugung.

Ethische Kriterien und Transparenz sind das Eine. Nach den Erfahrungen von US-Baumwollanbauern kommt ein weiteres Argument gegen Gentechnik hinzu. »Wir haben keine Ahnung, wie die Schädlinge mutieren. Ich weiß von Farmern in den USA, dass ihre Erträge inzwischen zurückgehen und der Einsatz von Pestiziden erhöht werden muss«, so Stelzer.

Dabei funktioniere der Anbau ohne Schädlingsbekämpfungsmitel definitiv. Es brauche lediglich etwas mehr Know -how und Fleiß bei den Bauern. Beispielsweise wird Biobaumwolle mit Tiermist gedüngt, der mühsam von Hand ausgebracht wird. Konventionelle Bauern, die spritzen, haben deutlich weniger Arbeit.

Frage der Langlebigkeit

Weitere Unterschiede sind in der Verarbeitung auszumachen. Bei IVN-zertifizierten Produkten ist jeder Schritt überwacht. Von der Entkörnung der Fasern, die langsamer und faserschonender vonstatten geht als im konventionellen Betrieb, übers Spinnen und Weben bis zum Färben und Veredeln der Stoffe. Die Art und Weise der Verarbeitung und Veredelung entscheidet nicht zuletzt über die Langlebigkeit der Textilien. »Über kurz oder lang sind wir zu arm, um billig zu kaufen«, ist Stelzers Überzeugung, für den Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium ist. (GEA)



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