Bauen, Wohnen, Garten
Drei-Liter-Haus - Energieverbrauch begeistert Sickenhausener

»Der Winter war nicht teuer«

»Habe nur eine Tonne Pellets im Jahr gebraucht, was 450 Litern Öl entspricht«

Simples System spart Energie: Sein Drei-Liter-Haus in Sickenhausen ließ Alfried Weiß energetisch durchdacht bauen. FOTOS: Bernhard Müller/ journalfoto.de
Wenn der Sickenhausener Alfried Weiß seinen Heizkeller betritt, kommt immer noch Freude auf: Trotz des strengen Winters hat er für seine 155 Quadratmeter große Doppelhaushälfte mit solarer Unterstützung nur eine Tonne Pellets für Heizung und Warmwasser benötigt. »Das entspricht rund 450 Litern Heizöl«, sagt der Bauherr begeistert.

Im September 2008 hatte er begonnen, seine Hälfte des Neubaus zu errichten - für 425 Euro je Kubikmeter. Während sich Alfried Weiß für ein Drei-Liter-Haus entschieden hatte, ließ der befreundete Bauherr der anderen Doppelhaushälfte auf konventionelle Art bauen. Da eine isolierende Luftschicht die beiden Gebäudeteile trennt, war das kein Problem.

Vorbei sind die Zeiten, als ein Haus mit guter Energiebilanz nach Müsli-Objekt beziehungsweise Holzschachtel aussehen musste. Das Betzinger Syndikat plante das zweistöckige, unterkellerte Gebäude mit Pultdach in zeitgemäßem Chic und errichtete es in verputzter Holzständerbauweise. Dabei galt das Prinzip, den Baukörper gen Norden möglichst geschlossen mit wenigen kleinen Fenstern zu halten und gen Süden großflächig zu verglasen, um Sonnenwärme ins Haus zu lassen.

Die Außenwände sind aus 28 Zentimeter dicken Holzbalken aufgebaut. Diese Sparren bilden Gefache, die von außen mit vier Zentimeter dicken Weichfaserdämmplatten und von innen mit OSB-Platten geschlossen sind. Diese Platten wurden gelocht, um in die Wandfächer eine Zellulosedämmung einblasen zu können. Obenauf kamen Gipsplatten, um eine Grundlage für eine individuelle Wandgestaltung zu haben. Außen wurde das Haus dämmend verputzt.

Auch die Decken sind mit Zellulose gefüllt. Der Boden des ebenerdigen Wohnzimmers ist zum Keller hin mit 20 Zentimeter dickem Styropor gedämmt. Der Keller ist nur von außen begehbar, um keinen Platz im Wohn-Esszimmer für einen Treppenabgang zu verschenken und die Baukosten zu senken.

Dreifach verglaste Fenster halten jegliche Strahlungskälte fern. »Vorher wohnte ich in einem alten Bauernhaus«, sagt Alfried Weiß, »da war die Strahlungskälte spürbar.« Und: »Damals brauchte ich etwa 20 bis 25 Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr.« Jetzt entspreche sein Verbrauch an Pellets drei Litern Heizöl je Quadratmeter, daher der Name Drei-Liter-Haus. Dabei ist auch das abgetrennte Büro des Personaltrainers, Coachs und Beraters von Führungskräften beheizt.

Wärme von Abluft und Erde

Eine solch dichte Gebäudehülle verlangt nach einer kontrollierten Be- und Entlüftung. Hier ist es eine vollautomatische Anlage mit Wärmetauscher: Die Wärme der verbrauchten Abluft wird an die hereinströmende Frischluft abgegeben - durch nebeneinander liegende Rohre. Die Frischluftzufuhr erfolgt über einen Ansaugstutzen und eine Leitung im Garten, die bis zu zwei Meter tief durchs Erdreich geführt wird. So wird die Frischluft durch Erdwärme vorgewärmt. Im Sommer gelangt die Frischluft über einen zweiten Ansaugstutzen direkt ins Haus.

Drinnen ist die Lüftungsanlage nur an kleinen Deckenöffnungen erkennbar - Zuluft im Wohnzimmer, Abluft in Küche und Sanitärraumen. Der Wärmetauscher braucht nur 30 Watt Strom, um die Luft zu bewegen. Auch dabei denkt Weiß ökologisch: »Ich beziehe Echazstrom.«

Die Raumluft ist sehr angenehm bei einer Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent und wohlig bei 21,5 Grad. In 24 Stunden wird sie sechsmal komplett ausgetauscht. »Natürlich kann ich an warmen Tagen die Fenster offen lassen«, widerspricht Weiß gängigen Vorurteilen gegenüber einer Lüftungsanlage, »dann ist ja auch die Heizung aus«.

»Mindestens 30 000 Euro mehr stecken in meinem Keller als normalerweise«, sagt der Bauherr in puncto Heiz- und Lüftungstechnik. Zur Pelletsheiz-anlage gehört ein Textilsack voller Holzpresslinge. Daraus wird automatisch einmal täglich der Tagesbedarf in einen Behälter abgesaugt. »Wie mit einem Staubsauger zieht es die Pellets in den kleinen Tank«, erläutert Weiß. »Ist er voll, schaltet das Gebläse ab.« Diese Presslinge aus Holzabfall werden je nach Wärmebedarf automatisch über eine Metallschnecke dem Kessel zugeführt und verbrannt.

Damit wird das Wasser in einem 850 Liter-Tank erwärmt, von dem die Leitungen für Heizung und Brauchwasser abgehen. Auch die 14 Quadratmeter große Solaranlage über dem Südbalkon erwärmt Wasser, das dem großen Tank zugeführt wird. »An sonnigen Tagen ist es 80 Grad heiß«, sagt der Besitzer, »im Sommer bis zu 100 Grad«.

Die wichtigste Zeit im Haus ist 17 Uhr: Dann misst die Heizanlage automatisch die Temperaturen im Freien und im Wassertank. Ist die gewünschte - und entsprechend eingestellte - Raumtemperatur nicht die ganze Nacht durch zu erreichen, springt die Heizung an. »Aber 60 Grad beim Wasser reichen in der Regel über Nacht«, so der Sickenhäuser, »nur wenn's richtig kalt ist, springt auch morgens die Heizung an«.

Im April vergangenen Jahres ist Alfried Weiß eingezogen, erst gegen Ende Oktober lief zum ersten Mal die Heizung. Deshalb weiß er auch: »Selbst bei minus 20 Grad draußen erzeugt die Anlage bei Sonnenschein immer noch 60 Grad heißes Wasser.« Ein Blick auf die Anzeige überzeugt: Bei sieben Grad Außentemperatur im März hat das Wasser im Tank erstaunliche 85 Grad. Eine Vorlauftemperatur von 30 Grad genügt bei fünf Grad Außentemperatur.

Weiß freut sich: »Der strenge Winter war für mich nicht teuer.« Nur bei den Fördergeldern sah es für den Bauherrn weniger rosig als im Altbau aus: »Für die Solaranlage und die Pelletsheizung habe ich insgesamt nur rund 5 500 Euro erhalten.« Für Renovierer gab's mehr.

Und wenn's draußen richtig heiß ist, bringen die großen Fensterfronten drinnen dennoch niemanden zum Schmoren. Denn der 1,20 Meter tiefe Balkon über der südlichen Terrasse beschattet den Wohn-Essbereich. Wegen der Sonneneinstrahlung abdunkeln, das musste Alfried Weiß noch nie. (GEA)

Text: Iris Kreppenhofer

Seite versenden
 

Experten: Jobaufschwung im Mai...

Laut Experten gab es im Mai 2,86 Millionen Jobsuchende. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

Nürnberg (dpa) - Der Jobaufschwung hat sich nach E... mehr»

Todesstrafe für ägyptischen Anwalt...

Riad (dpa) - Die Staatsanwaltschaft in Saudi-Arabi... mehr»

Atomunterhändler setzen Gespräche...

Bagdad (dpa) - Bei den Gesprächen über das umstrit... mehr»

Deutschland bietet Entsorgung von...

Neu Delhi (dpa) - Mehr als 27 Jahre nach der Indus... mehr»

HP: Noch keine Stellenabbau-Zahlen...

Stuttgart (dpa) - Hewlett-Packard macht noch keine... mehr»