Energie - Regionalverband Neckar-Alb präsentiert Zwischenstand zum Beteiligungsverfahren in Sachen Windkraft

Zwei Windkraft-Standorte auf der Alb gestrichen

VON JOACHIM BAIER

PFRONSTETTEN/METZINGEN. Der Standort »Muttenbühl« in Pfronstetten, eines von drei Windkraft-Gebieten auf der Gemarkung, wird nicht weiterverfolgt. Auch »Ettenheim« bei Hayingen ist aus der Liste der Vorranggebiete endgültig gestrichen worden. Dies gab Dr. Dirk Seidemann, Direktor des Regionalverbands Neckar-Alb, bei der Verbandsversammlung am Dienstag in Neuhausen bekannt.

Die Zahl der möglichen Standorte für Windkraftanlagen (hier ein Windpark in Hessen) schrumpft. Erneut hat der Regionalverband zwei Vorranggebiete gestrichen.
Die Zahl der möglichen Standorte für Windkraftanlagen (hier ein Windpark in Hessen) schrumpft. Erneut hat der Regionalverband zwei Vorranggebiete gestrichen. FOTO: dpa
»Die beiden Vorranggebiete«, so die Begründung in der Verbandsdrucksache, »können aufgrund neuer Erkenntnisse im Artenschutz, die zu einem harten Ausschluss führen, nicht weiterverfolgt werden.« Konkret geht es dabei um den Schutz des Rotmilans, der zu den durch Windenergieanlagen am stärksten gefährdeten Vogelarten zählt.

Vorranggebiete schrumpfen

Damit verbleiben für die Region Neckar-Alb noch sechs von den ursprünglich acht vorgesehenen Vorranggebieten. Ihre Gesamtfläche schrumpft somit auf 433 Hektar, die Zahl der Anlagen auf maximal 48 Stück. In der praktischen Umsetzung geht der Regionalverband allerdings von sehr viel weniger Anlagen aus. »Weitere Aussagen sind derzeit nicht möglich, die Prüfung der restlichen Vorranggebiete ist noch nicht abgeschlossen«, sagte Seidemann. Im Frühjahr 2018 sollen sämtliche Stellungnahmen zum Teilregionalplan Windkraft ausgewertet sein.

Teufel zufrieden

Pfronstettens Bürgermeister Reinhold Teufel zeigte sich zufrieden mit der Streichung des »Muttenbühl« aus der Liste: »Darauf haben wir hingearbeitet, weil klar war, dass der Standort nicht zu halten ist.« Er wies auf eine Bürgerinitiative hin, die sich bereits deutlich gegen das Vorhaben positioniert habe. Den Ausschlag für die Streichung gab allerdings die von der Gemeinde in Auftrag gegebene artenschutzrechtliche Untersuchung, die unter anderem zahlreiche Rotmilan-Horste registriert hatte. »Es ist so gekommen, wie wir gehofft haben«, kommentierte Teufel.

Er gehe davon aus, dass weitere Windkraft-Standorte aus dem Teilregionalplan herausfallen werden, erklärte der Bürgermeister. Gegen den »Schäfbuch« gebe es in der Bevölkerung ebenfalls Vorbehalte. Eine »gewisse Akzeptanz« sieht er dagegen beim Standort »Hausberg-Mörsbuch«. Die geplante Zahl der Anlagen auf Pfronstetter Gemarkung - die Rede war ursprünglich von 30 bis 58 Windrädern - hält er für deutlich zu hoch gegriffen. »Mehr als zwölf Anlagen sind nicht realistisch«, glaubt Teufel.

Im November 2016 war das Beteiligungsverfahren für den Teilregionalplan gestartet. Zudem hatte es in Pfronstetten und Haigerloch zwei gut besuchte Infoveranstaltungen des Regionalverbands zu den vorgesehenen Windkraftstandorten gegeben. Die Pfronstetter Bürger hatten im Januar mit den Vertretern des Regionalverbandes sehr kritisch über das Thema diskutiert - kein Wunder, die Gemeinde gilt quasi als der »Super-Standort« unter den Vorranggebieten.

Bemüht um Transparenz

Die öffentliche Auslegung des Teilregionalplanes begann im März dieses Jahres. Insgesamt 125 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange gingen bislang ein. »Ob es weitere Stellungnahmen gibt, ist noch unklar«, bemerkte Seidemann. Mehr als 300 Behörden und Verbände hatten Gelegenheit sich zu äußern. Wie der Regionalverbands-Direktor informierte, gaben zudem im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung mehr 1 800 Personen aus dem Landkreis Reutlingen, über 2 000 Personen aus dem Zollernalbkreis und 36 Personen aus dem Landkreis Tübingen eine schriftliche Stellungnahme ab. »Wir wollen so transparent und offen wie möglich sein«, betonte Seidemann.

»Es dampft sich ein, es bleiben immer weniger Windkraft-Flächen übrig, diese Entwicklung halten wir für sehr bedauerlich«, kommentierte Gabriele Dreher-Reeß von der Grünen-Fraktion im Regionalverband das Ergebnis. Sie appellierte, beim Thema Förderung regionaler Energien dranzubleiben.

Elmar Rebmann, Bürgermeister von Bad Urach, wollte wissen, ob Kompensationen für die artenschutzrechtlichen Ausschlussgebiete vorgesehen seien. »Rotmilan-Horste zum Beispiel sind ein hartes Ausschlusskriterium, da kann man auch mit Kompensationsmaßnahmen nicht für Erleichterung sorgen«, stellte Seidemann klar. (GEA)



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