Umwelt - Windkraftgegner dokumentieren Naturschutz-Frevel. Polizei fand Spuren von Klettereisen

Naturschutz-Frevel: Zwei Rotmilan-Horste entfernt

Von Christine Dewald

GAMMERTINGEN/ REUTLINGEN. Dem stürmischen Winter-Wind kann die Sache nicht zugeschrieben werden: Beim Verschwinden zweier Rotmilan-Horste beim Gammertinger Stadtteil Kettenacker waren offenbar Menschen im Spiel. Die Beamten der Polizeidirektion Sigmaringen jedenfalls haben an den Baumstämmen Einkerbungen gefunden, die auf den Gebrauch von Klettereisen hindeuten, wie Pressesprecher Andreas Blender berichtet. Jetzt sucht die Polizei Zeugen.

Der Rotmilan gehört zu den besonders geschützten Arten.
Der Rotmilan gehört zu den besonders geschützten Arten. FOTO: dpa
Rotmilane gehören zu den besonders geschützten Arten. In unmittelbarer Nähe ihrer Horste sind Windkraftanlagen nicht zulässig. In der Konzentrationszone für Windenergie, die der Regionalverband Laucherttal in der Nähe Kettenackers ausgewiesen hatte, hat die »Bürgerinitiative für Mensch und Natur« deshalb begonnen, Milanhorste zu dokumentieren und ihre Standorte den Naturschutzbehörden zu melden.

Anzeige erstattet

Am 8. Dezember wurden mehrere Rotmilan-Horste im Gewann Riedlinger Wäldle fotografiert. Bei einer weiteren Begehung am 22. Dezember waren zwei davon allerdings spurlos verschwunden. Da die Mitglieder der Bürgerinitiative keine Hinweise auf natürliche Ursachen fanden, zeigten sie den Vorfall bei der Polizei an.

Ihr Verdacht, dass die Milan-Horste absichtlich entfernt worden sind, scheint sich zu bestätigen. Wie die Polizeidirektion mitteilt, stellten die alarmierten Polizisten des Polizeireviers Sigmaringen Einkerbungen an den betreffenden Baumstämmen fest, sodass davon auszugehen sei, dass die Unbekannten mit Steigeisen die Stämme erklommen haben und die Nester in etwa 25 Meter Höhe beseitigten. Die Beamten ermitteln wegen eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz, wie Polizeisprecher Andreas Blender mitteilt.

Die Polizei hofft jetzt auf Zeugen, die im fraglichen Zeitraum im Bereich zwischen Kläranlage, Riedlinger Wäldle und Lusthof bei Kettenacker Verdächtiges beobachtet haben. Hinweise werden unter der Telefonnummer 0 75 71/10 42 20 erbeten.

In der Diskussion um geeignete Standorte für Windkraftanlagen spielt der Rotmilan auch im Landkreis Reutlingen eine wichtige Rolle. Ursprünglich geplante Vorranggebiete für die Windenergienutzung waren wieder gestrichen worden, weil die geschützten Greifvögel dadurch beeinträchtigt worden wären.

Kein vergleichbarer Vorfall

Ein Vorfall wie der im benachbarten Landkreis Sigmaringen ist allerdings noch nicht bekannt geworden, wie die Pressesprecherin des Reutlinger Landratsamts, Bettina Jehne, auf Nachfrage berichtete. (GEA)



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