Kultur - Im Theaterexperimentierclub Mägerkingen probieren Jugendliche Improvisation. Präsentation im Lindenhof

Wo alles geht: »Theater. Spiel. Fest.« im Lindenhof

VON JULIE-SABINE GEIGER

TROCHTELFINGEN/BURLADINGEN. Noch wird geprobt, gibt es immer wieder Regieanweisungen. Solche, wie als Schauspieler vor Publikum nicht aus der Rolle zu fallen. »Besser sagt ihr: 'Uuups, Text vergessen, macht ihr Mal'«, erklärt Silvie Marks den fünf Jugendlichen, die am Dienstagabend im Mägerkinger Gemeindehaus für ihre beiden großen Auftritte geprobt haben, und wo einem Hänger soeben ein flapsiges »Scheiße« gefolgt ist. Beim »Theater.Spiel.Fest.«, von 23. bis 25. Februar im Lindenhof in Melchingen werden die Jugendlichen zeigen, was sie in einem Jahr mit den beiden Theaterpädagogen Silvie Marks und Johannes Schleker erarbeitet haben. Im Theater Lindenhof wurde am Dienstag auch das besondere Mitmachprojekt in den drei Theaterexperimentierclubs vorgestellt.

Hääh? »Liebe Menschen, ich habe keinen Bock mehr auf euch«, lesen die Kandidaten  der Gameshow ungläubig. Auf dem Experimentierfeld in Mägerkingen agieren (von links)  Jette Mall, Melanie Krüger, Cora Reiser, Revan Bilal und Lucas Cimerman.
Hääh? »Liebe Menschen, ich habe keinen Bock mehr auf euch«, lesen die Kandidaten der Gameshow ungläubig. Auf dem Experimentierfeld in Mägerkingen agieren (von links) Jette Mall, Melanie Krüger, Cora Reiser, Revan Bilal und Lucas Cimerman. FOTO: Julie-Sabine Geiger
Mit den Präsentationen auf der Bühne des Theater Lindenhof vor Publikum beim Festival soll und muss vorerst der Vorhang für die drei Theaterexperimentierclubs um den Lindenhof fallen. Wie so oft im Kulturbetrieb ist die Finanzierung zeitlich begrenzt. Die drei Spielclubs in Melchingen, Mägerkingen und an der Realschule Burladingen, die allen offen stehen die Theater spielen wollen, und von professionellen Theaterpädagogen geleitet werden, finanziert die Kulturstiftung des Bundes, die für den Ländlichen Raum das Sonderprojekt »Trafo - Modelle für Kultur im Wandel« aufgelegt hat, nur bis zum Jahresende 2020. Immerhin habe das Theater Lindenhof damit einen lang gehegten Wunsch realisieren können, sagt Christian Burmeister-van Dülmen, der kaufmännische Kopf in Melchingen. »Andere Theater in den Städten haben lange schon solche Spielclubs.«

Auf der Schwäbischen Alb gibt es zwar an einigen Schulen Theater-AGs, wer sich aber als Jugendlicher, Erwachsener, Azubi oder Rentner schauspielerisch ausprobieren und dafür Tipps von Profis haben möchte, findet auf dem Land kaum etwas. Da kam das Melchinger Mitmachangebot, das kostenfreie Teilhabe über die Grenzen der drei Landkreise, Reutlingen, Tübingen und Zollernalbkreis hinweg ermöglicht, gerade recht.

Am Anfang die Ideenwerkstatt

Am experimentierfreudigen Theater Lindenhof, wo die Rollen schon mal getauscht werden und nach immer wieder neuen Kommunikationsformen gesucht wird, leitet Theaterpädagogin und Regisseurin Carola Schwelien ein 15-köpfiges Amateurensemble an, das sich mit dem aktuellen Themenkomplex »Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Zukunft« beschäftigt. 21 bis 28 Jahre alt sind die Leute, die zum Teil von sehr weit anreisen. 14 bis 27 Jahre alt sind die neun jungen Frauen und Männer in der Gruppe von Marks und Schleker, der die Kirchengemeinde den Probenraum überlässt. An der Realschule Burladingen widmet sich Peter Höfermayer mit Siebt- und Achtklässlern der sogenannten Ho(h)lstunde. In zwei Workshops haben sich die Gruppen schon ausgetauscht. Beim Theaterfest werden sie zeigen, was sie in ihren jeweiligen Spielzeiten erarbeitet haben.

»Es geht nicht darum, Rollen auswendig zu lernen und aufzusagen«, erklärt Carola Schwelien. Auch seien die Spielclubs nicht als Restfreizeitgestaltung im durchgeplanten Schulalltag zu sehen. »Es geht ums Ausprobieren«, fügt Johannes Schleker an. Ausloten, was Theater zum klassischen Spiel auf der Bühne vor Publikum noch sein kann. Wie das ist, in eine Rolle zu schlüpfen, um ein anderer zu sein, als ein anderer zu agieren. Es geht um Darstellung und Selbstdarstellung auf einem Experimentierfeld, auf dem man alles machen kann, um Improvisation, Wirkung und auch um Ideenfindung, um recherchieren und diskutieren. »Da nähert man sich einem Thema über das Theaterspiel«, erklärt Schwelien. »So wird es greifbar.« Das schauspielerische Handwerkszeug liefern die Theaterpädagogen. Zudem technisches Equipment wie Videokamera, Leinwand und Laptop.

»Wir haben mit einer Ideenwerkstatt begonnen«, erzählt Silvie Marks. Der neunköpfige Spielclub in Mägerkingen hat erst mit Lifevideos und Straßentheater gespielt, hat sich dann aber für eine Gameshow entschieden, die den Titel »If I were God« trägt. »Was wäre, wenn Gott keine Lust mehr hätte?«, fragen die neun Mägerkinger Jugendlichen ausgerechnet im evangelischen Gemeindehaus und wetteifern als Kandidaten um den Job des Höchsten.

Da mimt Lucas Cimerman den knallharten Boss auf dem Egotrip, gibt Cora Reiser die Depressive, macht Revan Bilal einen auf Gutmensch. Fühlen die jeweils vier Gameshow-Teilnehmer, die an diesem Probenabend den Job für alle neun machen müssen, dem Gott-Kandidaten gehörig auf den Zahn. Die weiteren Ensemblemitglieder sind: Jette Mall, Melanie Krüger, Hasan Malla, Mathias Mader, Rebekka Häußler und Marie Zils.

Bislang agieren sie ohne Publikum. »Wenn beim Festival vor Publikum improvisiert werden muss, läuft das ganz anders«, kündigt Silvie Marx an. (GEA)

Zum Abschluss: Theater. Spiel. Fest.

Theater.Spiel.Fest. Ist das Festival im Theater Lindenhof überschrieben, bei dem sich die drei Experimentierclubs präsentieren werden. Das Festival ist von Freitag, 23., bis Sonntag, 25. Februar, im Theater Lindenhof. Der Beitrag des Spielclubs Melchingen »Das ist nur der Anfang« wird am Samstag, 19 Uhr, und am Sonntag, 11.30 Uhr, gezeigt. »If I were God« des Mägerkinger Clubs am Freitag, 19 Uhr, und am Sonntag, 14.30 Uhr. Die Aufführung der Ho(h)lstunde der Burladinger Schule ist am Samstag, 14.30 Uhr, und auf dem Programm.

Nach jeder Vorstellung kann sich das Publikum mit den Theatermachern austauschen. In einem Impulsworkshop am Samstagnachmittag gibt es Einblicke in die Arbeitsweisen der Theaterpädagogen und können sich Besucher selbst als Theater-Experimentierer versuchen.

Der Eintritt ist frei. Aufgrund der begrenzten Sitzplätze wird eine Kartenreservierung empfohlen.

07126 929394 karten@theater-lindenhof.de

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