Windpark - In Kettenacker sorgen sich die Bürger wegen des GEW-Projekts. Unterschriften gesammelt

Windpark Kettenacker: Abstand halten wegen Infraschall

Von Petra Schöbel

GAMMERTINGEN-KETTENACKER. Rund 300 Einwohner hat Kettenacker, einer der Teilorte der Stadt Gammertingen. Rund 90 Prozent von ihnen haben sich mit ihrer Unterschrift dafür eingesetzt, dass der in Ortsnähe geplante Windpark mindestens 2000 Meter Abstand zum Dorf haben muss. Die Unterschriftensammlung ist Ausdruck des Unmuts eines großen Teils der Bürger von Kettenacker. Sie fürchten, dass die Nähe der Rotoren zum Ort gesundheitliche Folgen haben könnte.

Mit einer Fotomontage verdeutlicht die Initiative aus Kettenacker die Größenverhältnisse: Zwei der fünf Rotoren sind mit einem Abstand vom Ort von 700 Metern, die drei anderen mit rund 1 200 Meter in das Bild hineinprojiziert worden. Mit einer Gesamthöhe von an die 200 Meter überträfen die großen Anlagen die Höhe des Ulmer Münsters, des mit 161,53 Metern höchsten Kirchturms der Welt, und kommen fast an die 217 Meter Höhe des Stuttgarter Fernsehturms heran.  FOTOMONTAGE: PRIVAT
Mit einer Fotomontage verdeutlicht die Initiative aus Kettenacker die Größenverhältnisse: Zwei der fünf Rotoren sind mit einem Abstand vom Ort von 700 Metern, die drei anderen mit rund 1 200 Meter in das Bild hineinprojiziert worden. Mit einer Gesamthöhe von an die 200 Meter überträfen die großen Anlagen die Höhe des Ulmer Münsters, des mit 161,53 Metern höchsten Kirchturms der Welt, und kommen fast an die 217 Meter Höhe des Stuttgarter Fernsehturms heran. FOTOMONTAGE: PRIVAT
Der Mindestabstand zwischen einer Windkraft-Anlage und der Wohnbebauung eines Ortes ist derzeit auf 700 Meter festgelegt. Etwa so weit wären auch die Rotoren eines Windparks vom Dorf entfernt, für den es erste Überlegungen bei der Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (GEW) gibt.

»Von Windkraft-Anlagen geht Infraschall aus, ein Phänomen, das wissenschaftlich noch nicht hinreichend erforscht ist«, sagt Matthias Gulde, einer der betroffenen Bürger. Deshalb seien die Menschen im Ort besorgt. Aber grundsätzlich, so führt er aus, gehe diese Problematik den ganzen süddeutschen Raum an, da im Zeichen der Energiewende der Ausbau der Windkraft forciert werden soll.

Windkraft mit Verstand

Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, zu dem der Landkreis Sigmaringen und damit auch die Stadt Gammertingen gehören, hat bereits einen Entwurf für den Regionalplan vorgelegt, in dem auch mögliche Windkraft-Standorte ausgewiesen sind. Deshalb war die GEW in der Lage, schon Pläne für den Bau von Windkraft-Anlagen zu schmieden. »Die Leute in Kettenacker waren wie geschockt«, berichtet Gulde, als das Projekt bekannt wurde. Im Gammertinger Gemeinderat ist es beraten, in einer Bürgerversammlung öffentlich diskutiert worden. Doch beruhigt hat das die Menschen im Dorf nicht.

»Windkraft mit Verstand« heißt die Initiative, die sich bald darauf gegründet hat, wobei in das Wort »Verstand« die Silbe »Ab« eingefügt wird, sodass das Motto auch als »Windkraft mit Abstand« gelesen werden kann. Denn darum geht es ihnen: »Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft«, betont Gulde, »wir wollen nur, dass der Abstand zum Ort ausreichend groß bleibt.«

700 Meter seien definitiv zu wenig. »Da ist sie Rechtsprechung noch nicht an den Stand der Technik angepasst worden«, moniert er. Derzeit würden Windkraft-Anlagen nach der Vorgabe »je höher, desto effizienter« geplant, ohne dass hinreichend untersucht sei, ob zum Beispiel durch Infraschall menschliche Körperfunktionen beeinträchtigt würden. Selbst das renommierte Robert-Koch-Institut habe hinsichtlich der Auswirkungen von niederfrequenten, nicht hörbaren Schallwellen auf den Menschen »Handlungsbedarf« festgestellt, betont Gulde. Weitere Untersuchungen sollten daher dringend gestartet werden.

Betroffen davon wären im Übrigen auch die Bewohner von Feldhausen und Wilsingen, macht Gulde weiter deutlich. Denn der geplante Windpark sei auch von diesen beiden Orten nicht weiter entfernt als von Kettenacker.

Um ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen, hat die Initiative sich auch an Politiker gewandt, die für die Region Verantwortung tragen. »Ein Treffen mit unserem Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß ist uns in Aussicht gestellt worden, wenn er sich demnächst wieder in seinem Wahlkreis aufhält«, berichtet Gulde. Darüber hinaus wollen die engagierten Bürger selbst für Aufklärung sorgen. Für Anfang Januar planen sie eine Veranstaltung, in der einige Referenten aufzeigen sollen, welche Randbedingungen im Zusammenhang mit dem Bau von Windkraft-Anlagen beachtet werden müssen. (GEA)



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