Lichtverschmutzung

Wer schützt den dunklen Nachthimmel vor Licht?

Von Patricia Kozjek

MÜNSINGEN. Ein natürlicher Sternenhimmel ist nur noch an wenigen Stellen in Deutschland zu sehen, zum Beispiel über den ländlichen Gebieten der Alb. Eine Initiative versucht, das letzte Dunkel zu schützen - in einem Sternenpark Schwäbische Alb. Eine Ausstellung im Biosphärenzentrum dokumentiert die Schönheit des nächtlichen Sternenhimmels und seine Gefährdung durch Lichtverschmutzung. Gezeigt werden auch Beispiele effizienter Straßenbeleuchtung.

Lichtverschmutzung in der Region: Gegen die Dauerbeleuchtung von Siedlungen und Gebäuden (auf dem Foto das Schloss Hohenzollern) setzen sich selbst markante Sternbilder wie der Große Wagen (oben rechts) nur mit Mühe durch. FOTO: TILL CREDNER/ALLTHESKY.COM
Lichtverschmutzung in der Region: Gegen die Dauerbeleuchtung von Siedlungen und Gebäuden (auf dem Foto das Schloss Hohenzollern) setzen sich selbst markante Sternbilder wie der Große Wagen (oben rechts) nur mit Mühe durch. FOTO: TILL CREDNER/ALLTHESKY.COM
Wer nach den Sternen greifen will, muss sie erst mal sehen. Und das ist heutzutage gar nicht mehr einfach. »Die Städte und Industrieregionen in Europa sind nachts hell erleuchtet, es bilden sich große Lichtglocken über den Städten. Diese als 'Lichtverschmutzung' bezeichnete Aufhellung des Nachthimmels führt dazu, dass in den Ballungszentren fast kein Sternenhimmel mehr zu sehen ist«, sagt Matthias Engel vom »Sternenpark Schwäbische Alb« in einem Pressegespräch im Biosphärenzentrum Münsingen.

Auch das Biosphärengebiet hat die Lichtverschmutzung zwischenzeitlich als großes Umweltthema entdeckt. Beeinflusst die Verschmutzung ja nicht nur den Nachthimmel, sondern auch die Lebewesen auf der Erde. Helles, weißes Licht lockt Insekten an, die an anderer Stelle fehlen, lenkt Zugvögel von ihren Flugrouten ab und beeinflusst sogar das Wachstum der Pflanzen, erklärt der Fachmann. Auch das Wohlbefinden der Menschen ist dadurch gefährdet: Beschrieben werden gesundheitliche Probleme und eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus.

Energie nicht verschenken

In Zeiten knapper Kasse und des Klimaschutzes sollte die Vermeidung von Lichtverschmutzung in einer fortschrittlichen Gesellschaft sowieso selbstverständlich sein, findet Engel: »Wir haben keine Energie zu verschenken.« Es gehe nicht darum, einfach die Lichter auszuschalten, aber um Qualität statt Quantität und möglichst hoher Effizienz. Laut einer neuen Studie »eines Nicht-Öko-Magazins«, wie Engel betont, könnten Städte und Gemeinden, deren Straßenleuchten oft noch aus den 60er-Jahren stammen, bis zu 400 Millionen Euro im Jahr einsparen. Falsch konzipierte Straßenbeleuchtungen steigerten durch Blendung das Unfallrisiko im Straßenverkehr.

Lichtglocken über den Städten

Länder wie Slowenien oder Italien sind darin eindeutig weiter, weiß Engel. »Da gibt es bereits Gesetze zur Lichtverschmutzung.« In Deutschland gibt es nur noch ganz wenig Gebiete, in denen man einen dunklen Nachthimmel nebst Sternen sehen kann. »Unter anderem auf der Schwäbischen Alb«, zeigt Engel auf einer aktuellen Lichtverschmutzungs-Karte aus dem Weltall. »In der Gegend um den ehemaligen Truppenübungsplatz und der östlichen Richtung von Hayingen gibt es kaum Lichtverschmutzung«, erklärt er. Extrem hingegen sehe es über Ulm aus, wo nachts eine »gelbe Glocke über der Stadt hängt«.

Das Projekt »Sternenpark Schwäbische Alb« hat sich nun zum Ziel gesetzt, durch Vermeidung von Lichtverschmutzung diesen letzten dunklen Nachthimmel zu erhalten. Auch als touristisches Alleinstellungsmerkmal, wie Engel betont: »Mögen Umweltschutz und Energieeinsparung eher sachliche Themen sein, so ist es gerade der Sternenhimmel, der die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert, die Basis für die Erfindung des Kalenders ist und immer schon als wichtiges Navigationsinstrument galt - unterm Strich ist der Sternenhimmel ein historisch-kulturelles Erbe.« (GEA)

www.lichtverschmutzung.de



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