Sexualität - Was Männer bewegt, wenn sie älter werden: Urologe Dr. Thomas Schradin beim Vesper der Kirchen

Wenn's im Bett schlechter läuft als früher

Von Hans-Jörg Conzelmann

MÜNSINGEN. »Wenn im Alter sexuell nichts mehr läuft, dann probieren Sie es mal mit einer anderen Frau.« Diesen Ratschlag will der Reutlinger Urologe Thomas Schradin bei einem alten Kollegen gehört haben – ein Ratschlag, der aus medizinischer Sicht nicht haltbar sei. Denn erstens läuft immer ’was: Eine amerikanische Studie mit Menschen im Durchschnittsalter von 86 Jahren belege, dass 63 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen regelmäßig Geschlechtsverkehr hätten. Außerdem lässt sich mit Medikamenten viel erreichen, zumindest medizinisch. »Was aber tun, wenn die Frau nicht mehr will?«, fragte einer der 40 Männer in fortgeschrittenem Alter, die zum »Männervesper« der Münsinger Kirchengemeinden gekommen waren.

Lesen kann bilden. Wenn sonst im Bett nicht mehr viel läuft, gibt es Gesprächsbedarf und Medikamente. FOTO: FOTOLIA
Lesen kann bilden. Wenn sonst im Bett nicht mehr viel läuft, gibt es Gesprächsbedarf und Medikamente. FOTO:  Fotolia
»Lässt sich nicht mal mit dem besten Freund besprechen«
 

»Es ist ein Tabuthema, das ich nicht mal mit meinem besten Freund besprechen kann«, beklagte ein Teilnehmer das Dilemma, das auch an diesem Abend nicht lösbar war. Und auch nicht zu lösen versucht wurde: Das Interesse konzentrierte sich schnell auf sachliche Themen wie PSA-Werte, Prostata-Vergrößerungen und Hormonmangel, über die zu reden man gewohnt ist. Und doch gebe es Fortschritte in der Tabuzone, wie die Männer während der Pause berichteten: »Früher wäre ein Abend wie dieser undenkbar gewesen.«

Frauen waren nicht anwesend. Bei Pfarrer Joachim Sperfeldt hatte sich im Vorfeld des Abends eine Frauengruppe gemeldet, die dabei sein wollte – er lehnte ab, um die »Intimität der Männerrunde« zu wahren. Und trotzdem: Dass Frauen ein Wörtchen mitreden sollten, beschrieb Schradin aus seiner medizinischen Praxis. Als Beispiel nannte er das Paar, dessen Aussagen sich widersprechen – hier der Prostata-Patient, der begeistert von der Wirkung des Viagras spricht, dort die Ehefrau desselben Mannes, die beklagt, dass »seit seiner Operation nichts mehr läuft«.

Unterschiedliche Wahrnehmungen, wobei ein Urologe nicht unbedingt ein Paarberater ist. Schradin sah die Probleme der Frauen anders gelagert. Mangelnde Lust im fortgeschrittenen Alter sei bei Frauen nämlich »gar nicht so selten« – oftmals begleitet von starkem Leidensdruck.

Woran das liegt? Einer der Teilnehmer versuchte, mangelnde Lust mit dem steigenden Druck im Spannungsfeld von Beruf und Familie zu begründen. »Ich denke, die Frauen sind entsprechend ausgepowert.« Ein anderer sah das Problem in der hormonellen Veränderung des weiblichen Körpers und erinnerte sich an die Aussage einer Bekannten: »Wenn ich keinen Hunger mehr habe, möchte ich nichts mehr essen.«

Rein medizinisch freilich hilft vieles, um die Standfestigkeit zumindest des Mannes zu gewährleisten. Schradin ging auf Wirkstoffe ein, die man auf Rezept bekommen kann. Viagra, dessen Preis inzwischen auf ein Drittel des ursprünglichen gefallen sei, dessen Wirkung aber nach drei Stunden nachlasse.

»Um die Intimität der Männerrunde zu wahren«
 

Cialis wirke länger und auch bei Prostatabeschwerden – man könne also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Für Frauen aber sei nichts Entsprechendes erfunden worden: Ein spezielles Antidepressivum wirke zwar luststeigernd, gleichzeitig aber wie ein Schlafmittel.

Pfarrer Joachim Sperfeldt erkundigte sich nach der Wirksamkeit gängiger Internetangebote mit einschlägigen Versprechungen für den Mann. Davon riet Schradin dringend ab: »Ich möchte mich nicht dem Risiko aussetzen, aus einer chinesischen Hinterhofwerkstatt Pillen zu nehmen, in denen Dinge drin sind, die gefährlich sein können.«

Der Zusammenhang zwischen Schnarchen und Testosteron, den Schradin beschrieben hatte, führte zu Missverständnissen. »Wenn Sie nachts Aussetzer haben, rate ich von zusätzlichem Testosteron ab, weil das das Schnarchen noch verschlechtern kann.« Ein Teilnehmer hatte diese Aussage aber ganz anders interpretiert, vermutlich zu seinen Gunsten: Er sah in starkem Schnarchen ein Zeichen dafür, dass der Mann einen außergewöhnlich hohen Testosteronspiegel im Blut habe – typisch Mann, würden die Frauen sagen, wenn sie da dabei gewesen wären. (GEA)

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