Körperverletzung - Vier Hoffestbesucher erlitten beim Einsturz eines Sonnendachs zum Teil schwere Blessuren

Vier Hoffestbesucher beim Sonnendach-Einsturz verletzt

VON ULRIKE OELKUCH

MÜNSINGEN. Kaiserwetter herrschte an besagtem Augustwochenende auf der Alb: kein Wölkchen am Himmel und beinahe sogar einen Tick zu viel Sonne. Um den Besuchern seines Hoffestes auch draußen ein schattiges Plätzchen zum Verweilen anbieten zu können, hat der 61-jährige Veranstalter mit Strohballen und einer darüber gespannten Plane für eine rustikale Lösung gesorgt. Die allerdings hat einer Windböe nicht standgehalten, die Plane fiel mitsamt einigen Strohballen herunter. Die Bilanz: vier zum Teil erheblich verletzte Besucher. Und ein Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Symbolbild: DPA
Symbolbild: DPA
»Domm gloffa«, sagte der in einer Albgemeinde lebende Landwirt, der nicht zum ersten Mal ein solches Hoffest ausgerichtet und auch nicht zum ersten Mal einen entsprechenden Sonnenschutz aus Strohballen und Plane aufgebaut hat für sein Publikum. Was an der Konstruktion diesmal anders gewesen ist, war die schiere Größe: Eine vierhundert Quadratmeter große Plane und bis zu dreieinhalb Meter hoch aufgeschichtete Strohballen, von denen jeder Einzelne ein geschätztes Gewicht hat von rund 250 Kilogramm, hatte der eigenwillige Tierhalter bislang noch nie verbaut.
»Die Konstruktion war massiv, mit massiven Gewichten«
 
Als klar gewesen sei, dass sein Hoffest mit ungetrübtem Sommerwetter rechnen dürfe, habe er am Abend zuvor »des Deng gschwend aufgebaut«. Und zwar ohne fachkundigen Rat einzuholen. Da im Wetterbericht weder von Wind noch Gewittern die Rede gewesen sei, habe er sich darüber auch keine Gedanken gemacht. Dass er es besser doch hätte sollen, war dem Mann erst klar geworden, als es zum Unfall gekommen war. »I han’s baut, no ben i au schuldig«, räumte er sein Versäumnis deshalb jetzt vor Gericht unumwunden ein.

»Die Konstruktion war massiv, mit massiven Gewichten«, bestätigte ein Polizeibeamter, der sich hauptsächlich mit Betriebsunfällen befasst. Allerdings sei sie nicht für alle Eventualitäten gerüstet gewesen. Doch wäre nicht aus heiterem Himmel Starkwind unter die Plane gefahren – womit bei der stabilen Wetterlage damals offensichtlich niemand gerechnet hat – »wäre nichts passiert«.

Ist aber. Denn nach übereinstimmenden Zeugenaussagen blieb es nicht bloß bei einem angesichts der Hitze hochwillkommenen Lüftchen, das die Plane immer mal wieder leicht anhob, unter der zahlreiche Festbesucher auf Bierbänken Platz genommen hatten zum Essen. Vielmehr griff plötzlich eine heftige Böe nach ihr. »Ich wollte gerade gehen«, schilderte ein 42-jähriger Festbesucher jetzt Richter Joachim Stahl, wie eine Windhose die riesige Abdeckplane in die Höhe riss und die schweren Strohballen sowie das Holzgestänge der Verspannung zu Fall gekommen sind: Sie streiften ihn am Genick, wodurch er ein Schleudertrauma davongetragen und zehn Tage lang an Schmerzen gelitten hat.

Damit hatte der Mann freilich noch Glück. Ebenso wie zwei weitere Hoffestgäste, die ebenfalls von heruntergefallenen Teilen getroffen, aber nur leicht verletzt worden sind. Richtig schlimm erwischt hat es einen 57 Jahre alten Kirchheimer, dessen Lendenwirbel mehrfach gebrochen wurden: Trotz sofortiger Operation, trotz Reha und siebenmonatigem Krankenstand ist der Mann noch immer nicht wieder ganz hergestellt.
»Hinterher ist man immer schlauer«
 
Während der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung in vier Fällen bestätigt sah und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro gefordert hat, war Richter Stahl milder gestimmt: »Hinterher ist man immer schlauer«, sagte er in seiner Urteilsbegründung. Und brummte dem Mann eine Geldstrafe über 70 Tagessätzen zu 50 Euro sowie die Kosten des Verfahrens auf. (GEA)



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