Über die Alb
Gemeindefest - Ohnastetter Christusfigur

Unverzollt aus Südtirol

ST. JOHANN-OHNASTETTEN . Das Gemeindefest der evangelische Kirchengemeinde Ohnastetten begann mit einem Festgottesdienst, der von Pfarrer Frieder Dietelbach sowie dem Projektchor gestaltet wurde. Der Pfarrer begrüßte Elisabeth Schanbacher, deren verstorbener Mann in den Jahren 1964 bis 1977 Gemeindepfarrer für Ohnastetten und Holzelfingen war.

Elisabeth Schanbacher spielte in dieser Zeit die Orgel. Sie berichtete, wie der geschnitzte Christuskorpus nach Ohnastetten gekommen war. Ihren Ausführungen legte sie den Bibeltext aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 18, zugrunde: »Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft.«

Viele Jahre hing im Chorraum der Pankratiuskirche das Kreuz. Dem ehemaligen Kronenwirt Christian Feucht war das zu wenig. Er gab der Kirche eine Spende, um einen Christus-Körper schnitzen zu lassen. Pfarrer Gebhart Schanbacher kümmerte sich darum.

Der Pfarrer beauftragte den südtiroler Holzschnitzer Martin Demetz. Nach einem halben Jahr war der Kruzifixus fertig. Doch was würde der Zoll dazu sagen? Elisabeth Schanbacher machte sich auf dem Zollamt kundig. Der Amtsleiter in Reutlingen sagte: »Den Christus verzollt man nicht.« Falls es an den Grenzen Schwierigkeiten geben sollte, möge sie auf ihn verweisen.

Blickfang in der Kirche

Familie Schanbacher fuhr nach St. Christina im Grödnertal, um das Kunstwerk bei dem glücklichen Holzschnitzer abzuholen. Um den Korpus nicht zu gefährden, wurde er in Einzelteile zerlegt und sorgsam in Decken eingepackt. An den Grenzen gab es keine Komplikationen.

In Ohnastetten angekommen, fügte der Schreiner Heinrich Gekeler die Teile zusammen und befestigte den geschnitzten Christus am Kreuz. Seitdem ist der Kruzifixus der Blickfang in der Kirche. Seit dem vergangenen Sonntag aber kennt die Gemeinde seine Geschichte und wird ihn noch genauer betrachten.

Pfarrer Dietelbach dankte Elisabeth Schanbacher für ihre kurzweiligen, aber dennoch tiefgründingen Ausführungen, die darauf hinzielten, dass die Gemeindeglieder mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus ihr Leben führen.

Das anschließende Gemeindefest, mit Mittagessen und Kaffeetrinken um die Kirche, war Anziehungspunkt für Einheimische und Ausflügler. (k)


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