Energie - Gemeinderat entscheidet sich für Einstieg in die regenerative Stromerzeugung

Stadt Gammertingen beteiligt sich an Windpark

GAMMERTINGEN. Die Türen zum Gammertinger Rathaussaal öffneten sich erst eine halbe Stunde später als vorgesehen zur Sitzung des Gemeinderats. Zuvor hatten die Räte unter Ausschluss der Öffentlichkeit über den Gesellschaftervertrag der neu zu gründeten Gammertinger Windenergie GmbH & Co. KG und der Gammertinger Windenergie GmbH beraten. Anschließend wurde unter den Augen und Ohren nur weniger Zuhörer der Beteiligung der Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (GEW) an diesen neuen Gesellschaften zugestimmt.

FOTO: dpa
Im laufenden Verfahren zur Fortschreibung des Flächennutzungsplanes des Gemeindeverwaltungsverbandes Laucherttal sollen auch Windkraftstandorte auf der Gemarkung Gammertingen ausgewiesen werden. Weil die GEW, an der auch die Stadt Trochtelfingen beteiligt ist, nicht mehr nur Verteiler von Strom, sondern auch unabhängiger Produzent sein will, heißt das Ziel, einen Windpark auf der Gemarkung Gammertingen zu errichten und zu betreiben. »Das kriegen wir«, so Manfred Schaller, GEW-Geschäftsführer, »aber nicht allein hin. Ohne Gesellschaft geht nichts.«

Deshalb habe man beschlossen, sich zusammen mit zwei weiteren Stadtwerken, den Technischen Werken Schussental in Ravensburg und den Stadtwerken Sigmaringen, sowie der EnBW Erneuerbare Energien zusammenzutun, damit ein Teil des benötigten Stroms mit regenerativer Windkraft regional produziert werden könne. Und weil die Stadt Gammertingen Mehrheitseigentümer der GEW ist, muss der Gemeinderat der Beteiligung des städtischen Versorgungsunternehmens an der neuen Windenergie-GmbH mit Sitz in Gammertingen zustimmen.

»Wie kriegen wir die Kooperationsform und die verschiedenen Rechtsformen der Gesellschafter unter einen Hut, ohne dass die kleine GEW unter die Räder kommt?« Das sei die Frage gewesen, sagte Schaller. Inzwischen habe man eine gute Lösung gefunden.

Während sich EnBW und die Technischen Werken Schussental mit je einem Drittel an der Windenergie GmbH beteiligen, tun dies die Sigmaringer mit zwei Neunteln. Und obwohl die GEW sich nur mit einem Neuntel am Unternehmen beteiligt, hat man ihr - weil die Gammertinger als »wichtiges Pfund« die Fläche für den avisierten Windpark mitbringen - eine Sperrminorität eingeräumt. Das heißt: Entscheidungen innerhalb der Gesellschaft können nur einstimmig gefasst werden.

»Der Einstieg in die regenerative Energie ist ein wahnsinnig schwerer und markanter Weg in die Eigenstromerzeugung«, erläuterte Schaller. »Mit ihr verfügen wir über einen weiteren Pfeiler, der unser Unternehmen, die GEW, absichert.« Das Risiko für die Stadt Gammertingen sei dabei »absolut überschaubar. Der Kassenstand der GEW wird sich mittelfristig nicht ändern«. Auch in Zukunft bleibe Geld für andere Investitionen.

»Kann sich die GEW als Juniorpartner an der Windenergie GmbH beteiligen?« Für Stadtrat Wolfgang Lieb keine Frage. Stephan Binsch ergänzte: »Energie muss vor Ort beginnen«. Er gab ebenfalls »grünes Licht für die Beteiligung«. Andreas Schmidt fragte nach der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. Schaller erläuterte, die sei bis zu einer Höhe von 1,26 Millionen Euro geplant.

Auch Lothar Wasel meinte, er »habe kein Problem, dass Gammertingen sich an Windkraft beteiligt«, Er kritisiere aber die Vorgehensweise. Bei der ersten Bürgerinformation in Hettingen sei kein Wort darüber gefallen, obwohl schon Gespräche über eine Windpark-GmbH geführt worden seien. »Warum sind Sie mit dieser Angelegenheit nicht an die Öffentlichkeit gegangen?«, fragte er Bürgermeister Holger Jerg.

Jerg konterte: Die Verwaltung habe »nie hinterm Berg gehalten, dass Stadt und GEW eine Beteiligung planen«. Mit Zahlen habe man sich aber zurückgehalten, weil »private Investoren große Ohren bekommen haben. Wir sind sehr offen und transparent vorgegangen, aber es gibt auch Grenzen«. Im Übrigen sei das Verfahren mit der kommunalen Aufsicht abgesprochen.

Am Ende stimmte das Gremium bei zwei Enthaltungen dem Beitritt der GEW zur Gammertinger Windenergie zu. Die Vertreter der Stadt in der GEW-Gesellschafterversammlung wurden angewiesen, entsprechend abzustimmen. (GEA)

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Der reiche Norden Italiens stimmt über mehr Autonomie ab

Ein Mann kommt in Mailand zur Stimmangabe zum Referendum über mehr Autonomie in der Lombardei. Foto: Luca Bruno

Rom (dpa) - Im Schatten der Katalonien-Krise haben... mehr»

Bundesanwaltschaft zunehmend mit Terrorverfahren beschäftigt

Die Behörde von Generalbundesanwalt Peter Frank wird immer stärker durch Terrorverfahren in Anspruch genommen. Foto: Arifoto Ug/Michael Reichel

Berlin (dpa) - Der Terrorismus bindet die Kapazitä... mehr»

Euroskeptiker und Populist Babis gewinnt Wahl in Tschechien

Der umstrittene Populist Andrej Babis ist klarer Sieger der Parlamentswahl in Tschechien. Foto: Kateøina ŠUlová

Prag (dpa) - Der umstrittene Milliardär Andrej Bab... mehr»

«Stolzer» Wagner bezwingt polternden Mourinho

Torschütze Pedro (r) jubelt mit seinen Teamkollegen über seinen Treffer. Foto: Victoria Jones

Huddersfield (dpa) - David Wagner suchte nach Supe... mehr»

Venus Williams verliert zum Start der WTA Finals

Venus Williams ist in Singapur mit einer Niederlage gestartet. Foto: Frank Franklin Ii

Singapur (dpa) - Tennis-Altmeisterin Venus William... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen