SONNENBÜHL-WILLMANDINGEN. Mit so vielen Besuchern hatte Bürgermeister Uwe Morgenstern nicht gerechnet: Rund 120 Kaufinteressenten waren in die Bolberghalle gekommen, um bei der ersten Polter-Versteigerung der Ortschaftsverwaltung seit vielen Jahren dabei zu sein.
Auktionator Heinz Hammermeister (am Tisch stehend), Brunhilde Dieter von der Ortschaftsverwaltung (links) und Bürgermeister Uwe Morgenstern hatten die Interessenten bei der ersten Polter-Versteigerung in Sonnenbühl seit Langem genau im Blick.
FOTO: Gabriele Leippert
Polter werden die von den Förstern und Waldarbeitern der Gemeinde gefällten und in Haufen an den Waldwegen bereit gelegten Baumstämme genannt. Diese sind von Ästen befreit worden, damit sie leichter nach Hause zu schaffen sind. Den Abtransport muss der Käufer allerdings selbst organisieren.
Auch sei das Polterholz beileibe noch nicht »ofenfertig«, betonte der Bürgermeister, die Stämme müsse sich jeder selbst zurechtsägen. Die Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz - gerade in Form von Poltern - nimmt auch in Sonnenbühl immens zu. »Das liegt auch daran, dass immer weniger Bürger die für Baumfällarbeiten notwendigen Maschinen und Geräte besitzen oder den neuerdings verlangten Sachkunde-Nachweis zum Führen einer Motorsäge vorweisen können«, meinte Morgenstern.
Musste die Gemeinde noch vor zehn oder fünfzehn Jahren etwa 200 bis 300 Festmeter als Polterholz bereitstellen, würden heutzutage um die 800 Festmeter gefordert, erklärte Revierförster Alexander Schick. Damit hat sich der Bedarf nahezu vervierfacht. »Allerdings haben wir eben auch nur eine begrenzte Menge an Wald«, verdeutlichte er die Schwierigkeit, jährlich alle Interessenten zufriedenzustellen.
»D'Gmoind will anscheinend bloß Geld macha«
Bisher sind die Holzstöße nach Anmeldung verkauft worden, ausschlaggebend war dabei der Eingang der Vormerkung in der Ortschaftsverwaltung. Im vergangenen Jahr hatte dieses Verfahren zu einem teils recht turbulenten Konkurrenzkampf unter den Käufern geführt. »Wir wollen mit der Versteigerung wieder etwas Ruhe in den Verkauf bringen«, betonte Morgenstern vor Beginn der Auktion.
Viele der Anwesenden standen dem Vorhaben allerdings sehr kritisch gegenüber. Schließlich hatten viele von ihnen bei Versteigerungen von sogenannten Flächenlosen (im Volksmund »Schlag«) schlechte Erfahrungen gemacht, weil dort die Preise von den Kaufinteressenten oft sehr hoch getrieben worden waren. »D'Gmoind will anscheinend bloß Geld macha«, schimpften Erhard Mayer und Robert Rein.
Früher habe man im Vorfeld genau gewusst, wie viel für welche Menge Polterholz zu zahlen gewesen sei: »Da war's ein fester Preis.« Dieser Meinung war auch Wolfgang Grunewald, der zudem rügte, dass im vergangenen Jahr von der Gemeinde zu wenig Holz eingeschlagen wurde und die Käufer deswegen auf rund dreißig Prozent der bestellten Menge verzichten mussten.
Um eine mögliche Preistreiberei gleich im Vorfeld einzudämmen, bat der Rathauschef um »besonnenes Steigern«. Er wies darauf hin, dass für die Auktion rund achtzig Polter mit etwa 720 Festmetern vorbereitet worden sind und so »fast jeder Interessent« einen Holzstapel erwerben könne. Obwohl das Kreisforstamt 57 Euro für den Festmeter empfahl, hatten sich Bürgermeister, Förster und Gemeinderäte auf 54 Euro als Einstiegspreis geeinigt. »Das ist ein fairer Preis«, urteilte der Bürgermeister, auch im Vergleich zu den Zahlen aus den Nachbargemeinden.
»Geboten wird durch Handzeichen, dann gibt's kein Geschrei«
Weil die Standorte schon vorab im Gemeindeblatt bekannt gegeben worden waren, hatten sich Interessenten die Polter bereits ansehen können. Trotzdem gab Förster Schick noch zu jedem Stapel Informationen zur genauen Lage, zur Anfahrt, zur Anzahl der Festmeter, zu den Baumarten oder welche Arbeitsgeräte notwendig sind.
»Geboten wird durch Handzeichen, dann gibt's kein Geschrei«, erklärte Ortsvorsteher Heinz Hammermeister, der die Auktion leitete, die Regeln. Den Rat des Schultes hatten sich die Käufer zu Herzen genommen, denn ohne Aufregung oder lautes Rufen reckten sich die Arme in die Höhe oder gingen herunter, wenn der Preis für den Interessenten zu hoch wurde.
Viele der Käufer mussten sich deshalb mehrmals »bewerben«. Wie etwa Thomas Heinz, der sich rund zehn verschiedene Polter vorab notiert hatte. Weil er sich aber ein Preislimit gesetzt sowie auch die Größe des Stapels begrenzt hatte, musste er etliche Male mitsteigern, bis er »seinen« Stoß erstanden hatte.
Insgesamt blieben nur siebzehn Polter übrig. Diese sollen in der nächsten Woche bei der Versteigerung in Genkingen mit angeboten werden, sagte Morgenstern. »Das war heute ein sehr gesittetes Steigern«, lobte der Bürgermeister am Ende und war »sehr zufrieden« mit der Auktion. »Des war insgesamt recht ordentlich«, meinte auch sein Stellvertreter aus Willmandingen, Wolfgang Gekeler. Und auch die vorher noch kritischen Bürger waren besänftigt. »Des war ganz in Ordnung«, musste etwa Erhard Mayer zugeben. Holger Schweikardt hätte die Versteigerung allerdings von der Halle in den Wald verlegt. »Noa wär's schneller ganga.« (GEA)
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