Energie - Bislang waren Solaranlagen auf der Fläche neben Autobahnen, Schienen und auf Konversionsflächen möglich

Solaranlagen auch möglich auf ertragsschwachen Äckern

VON JULIE-SABINE GEIGER

ENGSTINGEN.Das Land ändert die Freiflächenverordnung, um den Weg für mehr Solarstrom made in Baden-Württemberg freizumachen. Künftig können größere Solaranlagen mit einer Leistung von 750 KW auch auf ertragsschwachen Äckern und Grünland installiert werden.

FOTO: Julie-Sabine Geiger
»Das Land öffnet den betroffenen Landwirten damit die Chance, sich ein weiteres wirtschaftliches Standbein zu schaffen«, meldeten jüngst die Grünen Landtagsabgeordneten Thomas Poreski (Reutlingen) und Daniel Lede Abal (Tübingen) als einen grünen Erfolg. Die beiden Politiker sehen insbesondere im Zollernalbkreis und in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen Flächenpotenziale, um Solarparks aufzubauen.

Bislang waren Solaranlagen außer auf den Dächern nur auf Randstreifen von Autobahnen und Schienentrassen sowie auf zuvor militärisch genutzten Konversionsflächen möglich, erklärt Poreski. So eine betreiben die Stadtwerke Tübingen auf dem früheren Bundeswehrgelände Haid mit Beteiligung des Vereins Sonnenenergie Neckar-Alb, eine weitere Anlage erzeugt auf einem privaten Gewerbegebiet in Kohlstetten Strom aus der Energie der Sonne. Bei den die Autobahnen und Schienentrassen begleitenden Anlagen war bislang große Zurückhaltung im Land, was Klaus Fink, der Vorsitzende des Vereins Sonnenenergie Neckar-Alb, kritisiert.
»Wir können nicht über Flächenverbrauch klagen und bauen auf den Feldern Sonnenkollektoren«
 

»Wir begrüßen die Öffnung generell«, sagt Fink auf Anfrage dieser Zeitung. Dennoch favorisiert der Verein zunächst Dächer, auf denen regionale Energiegenossenschaften Sonnenkollektoren installieren können. Fink: »Das Geld dafür ist da, aber es gibt keine Projekte, in die wir investieren könnten.« Zudem sieht er die Gemeinden in der Pflicht, Flächen für die regenerative Energiegewinnung auszuweisen. Das klare Nein an die Freiflächen-Öffnungsverordnung des Landes kommt ausgerechnet von jenen, denen die Grünen mit ihrem Vorstoß ein zweites Standbein verschaffen wollten, vom Landesbauernverband. »Wir können nicht auf der einen Seite über den Flächenverbrauch klagen und dann bauen wir auf unseren Wiesen und Feldern Sonnenkollektoren«, erklärt Gebhard Aierstock, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Reutlingen. »Eigentlich müsste mehr auf die Dächer, da gibt es noch Potenzial.« Die Absage an die Fläche hat einen zweiten Grund. »Wenn so etwas ausgeschrieben wird, kriegt es der billigste Bieter.« Von solchen vermeintlichen Renditemodellen gebe es schon eine ganze Menge.

»Wir werden die Diskussion noch kriegen, ob uns diese Spiegelflächen gefallen oder nicht. Manchem Grundstücksbesitzer wird es gefallen«, mutmaßt Aierstock. Den Bauantrag könne jeder stellen. Ob die Anlage dann genehmigt werde, werde unter anderen Faktoren auch danach entschieden, ob sie in das Landschaftsbild passe. Dass an der Verordnung zu rütteln sei, bezweifelt der Bauernverbandschef: »Die Energiewende ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Da ist jede Art von Stromgewinnung, die kein CO2 freisetzt, gut. Auch die Windkraft.« Aierstocks Meinung nach sind die Glanzzeiten für Investoren in die Fotovoltaik allerdings vorbei.
»Wir werden die Diskussionen noch kriegen, ob uns diese Spiegelflächen gefallen«
 

»Zuerst auf die Dächer« appelliert auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, in seiner Stellungnahme zur Freiflächen-Öffnungsverordnung des Landes. Des Weiteren spricht sich der Verband dafür aus, versiegelte und Konversionsflächen, Deponien und mit Schadstoffen belastete landwirtschaftliche Flächen vorrangig für die Erzeugung von Solarstrom und Solarwärme zu nutzen.

Des Weiteren befürchtet der Bund für Umwelt- und Naturschutz, dass mit der Freigabe der Grenzertragsstandorte die bisherige Maßgabe obsolet werde, Flächensolaranlagen auf industriell, verkehrstechnisch und militärisch vorgenutzten und vorbelasteten Sonderflächen zu konzentrieren.

Zudem sieht der Umweltverband die Konkurrenz um landwirtschaftlich genutzte Flächen wachsen, was auf bislang extensiv genutzte und artenreiche Grundstücke durchschlagen kann. Auf keinen Fall dürften Schutzgebiete nach Bundes- und Landesnaturschutzgesetz für Solaranlagen genutzt werden. Ebenso wenig wie ökologisch hochwertige Äcker mit seltenen Wildkräuterarten der Roten Liste und alle FFH-Grünland-Lebensraumtypen.

Schließlich weist der Verband noch darauf hin, dass der Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemitteln und Pestiziden auf Anlagenflächen genauso ausgeschlossen sein muss, wie der Einsatz von Chemikalien bei Aufbau und Betrieb der Fotovoltaikmodule. Die Anlagelagenfläche müsse extensiv mit Schafbeweidung oder Mahd gepflegt werden. (GEA)

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