Geschichte - Relikte aus Militärzeiten sind zu touristischen Anziehungspunkten auf dem Truppenübungsplatz geworden

Relikt aus Militärzeiten wird Attraktion für Touristen

VON JOACHIM LENK

MÜNSINGEN.Seit zehn Jahren kann man auf den drei 20 bis 42 Meter hohen Türmen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen eine herrliche Aussicht genießen. Dank des Albvereins, der den Abriss verhindert hatte. Ende 2005 wurde der Truppenübungsplatz Münsingen geschlossen. Die drei Beobachtungstürme der Bundeswehr, auf denen die Soldaten früher das Schießen auf dem Platz in sicherer Entfernung verfolgen konnten, sollten damals abgerissen werden. Soweit kam es aber nicht.

Foto: Link
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Der Schwäbische Albverein pachtete die drei Stahlkolosse von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und verpflichtete sich, die Himmelsstürmer verkehrssicher zu machen. Mehrere Monate hat es gedauert, bis die drei Anfang der 1980er-Jahre gebauten Türme den Sicherheitsbestimmungen des Landratsamtes entsprachen. »Was beim Militär als sicher gilt, ist im zivilen Bereich noch lange nicht sicher«, erklärte damals der Architekt, der für den Umbau zuständig war.

Unfälle gab es bisher nicht

So schraubte der Albverein Stahlgitternetze aus einem Chrom-Nickel-Gemisch an die Treppengeländer und montierte auf den Aussichtsplattformen zusätzlich zurückgesetzte Abgrenzungszäune. Alles musste der württembergischen Landesbauordnung entsprechen. Außerdem wurden rund um die Himmelsstürmer Zäune aufgestellt. Seit dem 1. April 2007 sind sie an Sonn- und Feiertagen ohne Anmeldung für die Allgemeinheit geöffnet. Zur offiziellen Eröffnung durch die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Friedlinde Gurr-Hirsch, strömten vor einem Jahrzehnt mehrere Tausend Wanderer in das Herzstück des Biosphärengebietes.

In unmittelbarer Nachbarschaft von Ennabeuren steht der Turm Heroldstatt (B3). Er ist 30 Meter hoch und hat als einziger einen Lastenaufzug, der jedoch außer Betrieb ist. Von der Plattform aus hat der Beobachter optimale Sicht auf die Windkrafträder. Außerdem einen unbeschreiblichen Blick über die Wiesen und Wälder des 6 700 Hektar großen ehemaligen Truppenübungsplatzes.

Bei Römerstein steht der 20 Meter hohe Turm B2, den die Soldaten einst Waldgreut getauft haben. Er ist über einen Schotterweg von Zainingen aus erreichbar. In Richtung Übungsplatz sind die Beobachtungstürme Lindequist, der Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, und Reinhardt aus dem Jahr 1930 mit dem Fernglas zu sehen. Der imposanteste Turm ist B1, der 42 Meter in die Höhe ragt. Knapp 240 Stufen müssen auf dem Hursch erklommen werden, um die Plattform zu erreichen, die 895 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Aussicht entschädigt für alle Mühen. Mit bloßem Auge erkennt man die Stephanus-Kirche von Gruorn und die ehemalige Schießbahn 12. Im Nordosten liegt dem Beobachter Zainingen zu Füßen, im Norden erstrecken sich Lenninger Tal und Neckartal. »Der Grundgedanke, die Türme zu erhalten, war richtig«, sagt Werner Schrade, Gauobmann im Ermsgau des Schwäbischen Albvereins. Nach wie vor sind Heroldstatt, Waldgreut und Hursch Publikumsmagneten im Biosphärengebiet, weiß der Wanderfreund. Was besonders erfreulich ist: Die vergangenen zehn Jahre kam es zu keinem einzigen Unfall. Immerhin kann man die Stahlkolosse ohne Aufsicht besteigen.

SONNTAGS GEÖFFNET

Die drei Aussichtstürme Heroldstatt, Hursch und Waldgreut sind sonn- und feiertags von 8 Uhr morgens an bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Erwachsene bezahlen 50 Cent, Kinder und Jugendliche 25 Cent. Mitglieder des Schwäbischen Albvereins (SAV) sind davon ausgenommen. Sie dürfen die Aussicht von ganz oben kostenfrei genießen. Angemeldete Wandergruppen können die Himmelsstürmer auch unter der Woche besteigen, ebenso Einzelpersonen. Sie haben die Möglichkeit, sich einen Schlüssel für die Türme gegen Kaution auszuleihen. Die Anlaufstellen sind in Münsingen, Heroldstatt und Römerstein bei den jeweiligen SAV-Ortsgruppen. (GEA)

www.albverein.net
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