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03.01.2018

leute  - Der Sonnenbühler Chemieprof Gunter Grüninger ist ein Multitalent. Tanz- und Gymnastiktrainer und Bodypainter

Über die Alb

Professor und Fitness-Coach: Beats zum Workout

SONNNENBÜHL-WILLMANDINGEN. Gardetanz- und Linedance-Trainer, Übungsleiter für Indian Balance, Zandunga, Variostepp und die ganze große Bandbreite des sich Auspowerns zu den rhythmischen Beats vom Band, zudem Bodypainter, Fotograf und Dozent. Der Sonnenbühler Gunter Grüninger, 70, ist ein Multitalent mit eigenem Werkraum in der ehemaligen Strickerei Sauer in Willmandingen, wo auf Bambusmatten gymnastiziert, vor der Spiegelwand die komplexen Schritte irischer Tänze einstudiert werden, der Atelierraum für Ausstellungen ist und wo in einer Ecke bereits die Ananasstauden als Hintergrundbild fürs nächste Bodypainting gemalt sind.

Atmen, konzentrieren und bewegen. Professor Gunter Grüninger demonstriert Indian Balance Übungen. 	Foto: Pieth
Kunst und Sport, nicht auf Engem, aber in einem Raum, wo früher Textilien produziert worden sind. Was dem Besucher auf den ersten Blick nicht so recht einleuchtet, ist für den auf Textilchemie spezialisierten Naturwissenschaftler, dem emeritierten Chemieprof, der an der Hochschule in Reutlingen noch immer eine Vorlesung hält, selbstverständlich. »Alles hängt miteinander zusammen«, erklärt Grüninger. Die Textilchemie mit der Mode, die mit Kreativität, damit mit der Kunst, die sich bei ihm um kunstvolle aufwendige Körperbemalung und Fotografie dreht, der Körper, der in Form gebracht und wie der Geist durch Training zu seiner Balance finden soll. Voilà.

In der Welt herumgekommen

Er selbst habe trainiert wie ein Verrückter, erst um die Pfunde loszuwerden, die mit den Geschäftsreisen kamen und irgendwann störten, dann aus Freude an der Bewegung. Als Textilchemiker und Experte für Verfahrenstechnik ist er in der Welt herumgekommen, bis der Ruf an die Reutlinger Hochschule kam. »Ich war auf allen Kontinenten und in allen europäischen Ländern.« Er hat Vorträge gehalten, Maschinen zum Laufen gebracht und Textilprodukte entwickelt, war in Thailand und Indonesien als Berater tätig, hat in China Vorlesungen gehalten und die Hochschulen miteinander verbandelt. »Irgendwann habe ich mich zwischen den zierlichen Asiaten wie Poseidon gefühlt«, blickt Grüninger auf fülligere Zeiten zurück. Der Speck musste weg. Dann kam der Spaß am Sport. Er hat den Hochschulsport betreut, sich auf Fitness- und Funsportarten wie Workout, Steppaerobic, Indian Balance und Tanz spezialisiert. »Ich habe mit der Zeit beim Deutschen und Schwäbischen Turnerbund an die 25 Lizenzen erworben.« Als Masterinstruktor, einer von wenigen Inhabern dieses hohen Trainergrades in Deutschland, bildet Grüninger Übungsleiter in Indian Balance aus.

Das Fitnessprogramm für Körper und Geist verbinde auf Tiefenatmung basierende indigene Heilgymnastik mit moderner Bewegungslehre. Die Übungen dehnen und kräftigen sämtliche Muskelgruppen. Im Gegensatz zum Yoga sei hierbei alles im Fluss. »Nach einer Stunde sind Sie ausgepowert.« Ungeübte wahrscheinlich viel früher. Grüninger wechselt für den Fotografen mit fließenden Bewegungen von einer Figur zur nächsten, von Adler über Wind bis zum sich anschleichenden Wolf, gerät dabei weder ins Wanken noch ins Schnaufen. »Wenn ich es einmal nicht mehr vormachen kann, höre ich auf«, kündigt er an und erklärt, dass die Arbeit mit Jugendlichen jung halte. Körperlich wie geistig.

Schulsport, Gardetanz, Vorlesung

Der emeritierte Chemieprof bietet an der Wilhelm-Hauff-Realschule in Pfullingen, wo er aufgewachsen ist, ein freiwilliges Lernangebot. »Wir haben Musicaltänze aus Tarzan einstudiert zudem kommt Basalo gut an.« Das Ballspiel mit Bechern und dem Squashball, bei dem die Wurf- und Fangtechnik geübt wird und das, wie Volleyball gespielt werden kann. Im Art, Sport and Culture Club Sonnenbühl (ASCC Sonnenbühl) bieten Gunter Grüninger und seine beiden Töchter, die ebenfalls Übungsleiterinnen sind, Kurse in Hallenhockey und Funsportarten an, »was die Vereine nicht anbieten«.

Grüninger trainiert junge Gardetänzerinnen, die jetzt versuchsweise schon mit acht Jahren die Beine schwingen. »Mit 18 oder 19 gehen die uns meistens verloren.« Weil die Uni oder der Ausbildungsplatz dann meistens außer Reichweite von Gammertingen oder Sonnenbühl liegt. An der Hochschule Reutlingen hält der agile Pensionär noch eine Vorlesung über Biopolymere, eine vielgestaltige Stoffklasse, die zu Fasern wie Gelierungsmittel, Gelenkschmiere oder Schaumteppich bei der Feuerwehr werden kann.

Wer seine Kurse besucht, kriegt zum Stepper unter die Füße und den Handgeräten ordentlich was auf die Ohren. »Zum Workout gehören die Beats, das reißt mit. So kommt Fluss rein.« (GEA)





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