Bürgermeisterwahl - Florian Bauer, 40, will seine politischen Erfahrungen nutzen, um St. Johann voranzubringen

Nah dran sein an den Menschen

VON ULRIKE OELKUCH

ST. JOHANN. In eine politisch aktive Familie hineingeboren, konnte Florian Bauer gar nicht anders, als politisch ebenfalls aktiv zu sein: Erst bei Metzingens Jungen Liberalen. Später als Landesvorsitzender der »Julis« in Baden-Württemberg. Beruflich dann sieben Jahre lang in Berlin als Leiter mehrerer FDP-Bundestags-Abgeordnetenbüros (von Birgit Homburger bis Daniel Bahr). Und seit 2012 als Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit in der Stuttgarter Geschäftsstelle der baden-württembergischen Liberalen. Politisch aktiv ist der 40-Jährige auch als einer von 20 im Mai 2014 neu gewählten Gemeinderäten in seiner Wahl-Heimat St. Johann, in der Florian Bauer künftig gerne noch mehr Verantwortung übernehmen möchte. Als Bürgermeister.

Nah dran zu sein an den Menschen, ihre Anliegen zu kennen und sich für sie zu verwenden, dies entspricht dem Naturell dieses Mannes nicht erst, seit er an der Spree mit der »großen« Politik in Berührung gekommen ist. Vielmehr gehört Engagement für Florian Bauer ebenso zu seinem Leben wie Kontaktfreudigkeit und Toleranz. Und eine »typisch schwäbische Seele«. Mit ihr lässt sich erklären, warum der seit elf Jahren mit dem aus Riederich stammenden Sonderpädagogen Dirk Harich verheiratete Florian Bauer 2011 dem Großstadtleben wieder den Rücken gekehrt hat und – mit einem kleinen Umweg über Reutlingen – Älbler geworden ist aus Überzeugung.

Engagement vorleben

»Liebe auf den ersten Blick«: Das war für Florian Bauer ein bereits von seinem Vorbesitzer renoviertes und recht behaglich gewordenes »Häusle« mitten in Würtingen, das das Paar ohne langes Hin und Her für sich gekauft hat. »Wie daheim ankommen« habe sich der Einzug für sie beide angefühlt – sicherlich auch, weil man hier eine ebenso aufgeschlossene wie herzliche Nachbarschaft erfahren dürfe. Um den gelungenen Neustart auf der Alb zu feiern, gab Florian Bauer damals ein Einweihungsfest und suchte dafür einen großen Grill. Damit konnte die örtliche Skizunft aushelfen – seither ist Bauer deren Schriftführer und auch weiteren Vereinszugehörigkeiten in der Gemeinde nicht abgeneigt, wenn‘s für beide Seiten passe. Ganz gut könnte er sich vorstellen, von Eberhard Wolf nicht nur den Schlüssel fürs Rathaus, sondern – wie es üblich ist für einen Bürgermeister von St. Johann – auch dessen Amt als DRK-Ortsvereinsvorsitzender zu übernehmen.

»Engagement kann man nicht predigen, das muss man vorleben«, ist der 40-Jährige überzeugt, der in Metzingen bereits im Alter von 20 Jahren Vorsitzender des Trägervereins offene Jugendarbeit gewesen (und bis heute dessen Kassenprüfer geblieben) ist, und dabei früh gelernt hat, sich Verhandlungsgeschick anzueignen. Dies, seine über die Parteizugehörigkeit hinaus liberale Gesinnung, sein Verständnis für die Politik und wie sie gerade im Kleinen eingesetzt werden kann, um damit auch durchaus Großes für die Menschen zu bewegen, das, sagt Florian Bauer, seien seine Stärken. Und alles, was man sonst noch brauche, um ein guter Bürgermeister zu sein, »kann ich schnell lernen«.

Um St. Johanns Probleme weiß Florian Bauer, der vor seinen Berliner Jahren erst noch eine Lehre als Bankkaufmann abgeschlossen hat, nicht erst, seit er sich 2014 Jahr in den Gemeinderat hat wählen lassen. Dass die Gemeinde seit Jahren sinkende Einwohnerzahlen und folglich auch rückläufige Einnahmen zu verkraften hat, darf seiner Überzeugung nach so nicht bleiben.

Patentrezepte gegen den demografischen Wandel, der mit ursächlich ist für den Schwund, hat auch Bauer nicht auf Lager. Aber Mut und Elan genug, St. Johanns Stärken, die er mit darin sieht, ein vom Albvorland aus schnell erreichbarer Wohnort in schönster Natur zu sein, wieder mehr herauszuarbeiten. Mehr Bauplätze zu schaffen, die Nahversorgung in allen sechs Ortsteilen sicherzustellen, ein Augenmerk auf verlässliche Kinderbetreuung, auf den Schulstandort und bereits vorhandene Arbeitsplätze zu richten, hält der Anwärter auf den Chefsessel im Würtinger Rathaus für ebenso angesagt, wie den Versuch zu unternehmen, der Kommune zu mehr Einnahmen zu verhelfen, anstatt bloß zu sparen.

Gern auf der Alb unterwegs

»St. Johann bleibt bislang hinter seinen Möglichkeiten zurück«, will Florian Bauer dies im Falle seiner Wahl ändern und die Bürger zum Mitmachen motivieren. »Ja, aber« sei ein Satz, den es für ihn nicht gebe. Er könne nur ein »Ja, und« oder ein »Ja, weil« akzeptieren.

Vielleicht ist dies mit eine Erklärung dafür, weshalb sich Florian Bauer beim Pressetermin als Kulisse für das Foto ausgerechnet das Wetterschutzhäuschen Kirchelesberg ausgesucht hat: Ihm imponiere es sehr, wie und auch dass Albvereins-Mitglieder aus Würtingen dieses auf freiem Feld stehende Gewölbe trotz aller Mühen wieder Stein für Stein aufgeschichtet hätten.

Bauer hat das schöne Gewölbe bei einem seiner Spaziergänge quer über die Alb entdeckt, wie überhaupt dieser Mann gerne draußen in der Natur ist. Gleichwohl reizen ihn durchaus auch mal Kurztrips in europäische (Haupt)-Städte. Die bereist er am liebsten zusammen mit seinem Mann, der an der Karl-Georg-Haldenwang-Schule in Münsingen unterrichtet. (GEA)

post@florian-bauer.info



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