Lärm - Verstärkte Kontrollen und Appelle für mehr Rücksichtnahme sollen Abhilfe schaffen. Lesermeinungen gefragt

Motorradlärm: Laut, lauter, Lautertal?

VON UNSEREN REDAKTIONSMITGLIEDERN

MÜNSINGEN/GOMADINGEN. Viele Leute im Lautertal haben die Schnauze voll von lautstark durchpreschenden Motorradfahrern. Appelle, das idyllische Tal mit gedrosselter Motorendrehzahl zu durchqueren, auf unübersehbar große Tafeln am Straßenrand geschrieben, werden dem Vernehmen nach von vielen ignoriert.

FOTO: Julie-Sabine Geiger
Polizei und Landratsamt setzen auf verstärkte Kontrollen und Appelle für mehr Rücksichtnahme. Lärmmessungen sollen außerdem dazu beitragen, besonders belastete Bereiche auszumachen und gezielt Abhilfe zu schaffen. Reicht das? Greifen die Maßnahmen? Neben Gastronomen und Lokalpolitikern aus dem Lautertal sollen zum Konflikt-Thema jetzt auch die GEA-Leser zu Wort kommen.

»Für uns ist der Lärm ein Riesenproblem«, schildert Markus König, Inhaber des Landhotels Wittstaig in Gundelfingen, wo im Rahmen des Qualitätsmanagements befragte Gäste häufig den Motorradkrach bemängelten. Dass dagegen nichts unternommen werde, findet der Hotelier enttäuschend. Was König aber regelrecht in Rage bringt, ist, dass der Gesetzgeber bei sogenannten Akustik-Entwicklungen für Motorräder wie Zwischengasbobbern, Missfires und Röhren keine allgemeinverträglichen Lärmgrenzwerte festlegt. »Die Motorräder sind lauter geworden anstatt leiser«, hat König festgestellt. Er fordert von den Politikern, endlich mit dem Kuscheln mit der Auto- und Motorradindustrie aufzuhören.

Die Hand am Gas

Dass es wenige Biker sind, die sich mit der Hand am Gas zulasten vieler ausleben, an den Ortsausgängen von 50 auf 200 Stundenkilometer beschleunigen, weiß auch König. »Aber das hallt dann halt im ganzen Tal.« Er hat deshalb vor einem Jahr eine Online-Petition an das Landratsamt Reutlingen mitunterzeichnet, hofft, dass irgendetwas unternommen wird gegen den Lärm. Sogar die Sperrung an den Wochenenden könnte er sich vorstellen. Zumal der Gesetzgeber Beschränkungen für Gebiete vorgesehen habe, die der Erholung dienen. Das Lautertal sei ein Erholungsgebiet. »Insofern hoffen wir, dass mehr für den Qualitätstourismus getan wird als den Lärmtourismus so laufen zu lassen.«

»Wir leben nicht auf einem Friedhof«, gibt Volker Schmack vom Bootshaus in Bichishausen zu bedenken. »Es gibt Tage, da ist es laut, an anderen ist es ruhiger«, differenziert er. Insbesondere an den Wochenenden kämen Menschen aus Stuttgart und Reutlingen auf die Alb, »die haben die ganze Zeit über den Krach um sich herum.« Schließlich mache die Landwirtschaft in der Umgebung des Lautertals, wo sonst nichts los sei, auch Lärm. Vor allem, wenn die Biogaser mit ihren großen Fahrzeugen unterwegs seien.

»Die Situation hat sich etwas entspannt«, ist Buttenhausens Ortsvorsteher Rudolf Schustereder überzeugt, dass die getroffenen Maßnahmen des Landratsamtes endlich Wirkung zeigen. Schustereder, der von Kindesbeinen an selbst auch an der viel befahrenen Straße ins Lautertal wohnt, sagt, er habe inzwischen auch weniger Klagen von anderen Anwohnern zu hören bekommen. »Wir sind da durchaus sensibel«, verneint Schustereder einen möglichen Gewöhnungseffekt, auch wenn er persönlich in seinem Wohnhaus auf Lärmschutzfenster setze und sonntags oft mit dem Fahrrad die Flucht ergreife.

Das nasskalte Frühjahr, so der Mann, der als Jugendlicher selbst mal Motorrad gefahren ist, habe viele Zweiradfahrer von Fahrten im Lautertal abhalten können. Und die, die seither das Sommerwetter genutzt hätten, seien nicht mehr ganz so laut unterwegs, sagt Rudolf Schustereder, der zwar die Fahrfreude der Biker versteht, nicht aber, wenn diese »Rennerles fahren« und extrem laute Maschinen. Schustereder, der seit 16 Jahren Ortsvorsteher von Buttenhausen ist, erinnerte sich auch noch an die Zeit vor dem Ausbau der Lautertalstraße: Vielleicht, sagt er, »sollte man die Straße nicht überall schön machen -«

Abhilfe durch Tempolimit

Weniger Motorradfahrer und weniger Lärm? »Das Gefühl habe ich nicht«, sagt der Landwirt und Münsinger CDU-Gemeinderat Georg Erzberger, der die neue, vom Landratsamt aufgestellte Hinweistafel an Motorradfahrer ebenso »einen Witz und lächerlich« findet wie die »Dankeschön-Tafel« vor Hayingen-Weiler. Was allerdings Wirkung zeige, sei die verstärkte Präsenz der Polizei im Lautertal. »Sobald die Polizei das ist, geht es besser.« Was seiner Meinung nach jedoch dauerhaft helfen würde, wäre ein »Tempo 70 durchgängig im ganzen Lautertal«. Nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung, ist Erzberger überzeugt, sei ein wirksamer Lärmschutz: »Dann vergeht es denen, die rasen.« Natürlich müssten dann nicht nur Motorradfahrer dieses Tempo einhalten, sondern alle Verkehrsteilnehmer. »Und mal ehrlich«, sagt Georg Erzberger: »Arg viel schneller kann man im Lautertal eh nicht fahren.«

Ihre Meinung ist gefragt

Was denken Sie über das Thema Lärm und Motorradfahrer im Lautertal und anderswo? Haben Sie selbst schlechte oder auch gute Erfahrungen gemacht - als Anwohner, Ausflügler, Biker? Denn auch die Motorradfahrer selbst sollen im GEA-Forum zu Wort kommen. Wie können Konflikte in solchen rege genutzten Naherholungsgebieten vermieden oder zumindest entschärft werden? Ihre Ideen, ihre Meinung ist gefragt. Schreiben Sie uns - bitte mit vollem Namen und Wohnort - an die unten stehende Mailadresse. Formulieren Sie kurz und knackig: Maximal 30 Zeilen zu je 35 Anschlägen sind erbeten. In der kommenden Woche werden die Beiträge, eventuell in gekürzter Form, im GEA zu lesen sein. (GEA)

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