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29.12.2017

Leute  - Der Komponist und Pianist Mischa Friedrich Sillum ist in Frankreich aufgewachsen und in Gomadingen zu Hause

Über die Alb

Mischa Friedrich Sillum: Musik muss aus dem Herzen kommen

GOMADINGEN. Immer mal wieder blitzt Schubert auf, wenn Mischa Friedrich Sillum spielt. Versunken in seine Musik, in seine so bildhaften romantischen Tondichtungen über das Lautertal, den Neckar, den Fluss, dieses Faszinosum, weswegen er in Süddeutschland geblieben ist. Seit fünf Jahren lebt der Pianist, Komponist, Geiger und Flötist in Gomadingen, hat sich verliebt ins Tal mit seiner sich dahinschlängelnden Lauter, gibt Orgelkonzerte und unterrichtet.

Mischa Friedrich  Sillum am Flügel im evangelischen Gemeindehaus in Gomadingen.
»Ich bin ein Kriegskind« klärt Sillum über seine multinationale Herkunft auf, von der er dänische, deutsche, urkrainische und mongolische Gene bekommen hat. Die Mutter war Balletttänzerin, der Vater Jazzmusiker, getroffen hätten sich die Eltern in Garmisch-Partenkirchen, gingen erst in die USA, später seine Mutter mit dem zweitem Mann, einem Opernsänger nach Paris, wo Sillum schon als Bub das Klavier für sich entdeckte, Klavier- und Kompositionsunterricht bekam, sich das Orgelspiel autodidaktisch beibrachte und schon als Jugendlicher reihenweise Wettbewerbe gewann.

Lautertaldichtungen

»Schon als Zwölfjähriger habe ich Ravel geliebt und Liszt, vor allem aber Schubert«, erzählt der 65-Jährige von seiner Leidenschaft, die ihn nicht mehr losgelassen hat. Weil Schuberts Musik hochkomplex sei und weil sie anrührt. »Für mich muss Musik aus dem Herzen kommen. Ich lehre auch mit dem Herzen zu spielen.« Wer Mischa Friedrichs frühromantische Neckarbetrachtungen hört, sieht den Fluss vor dem geistigen Auge mal harmonisierend dahinfließen, dann sich wieder turbulent verwirbelnd und wieder verträumt plätschernd. Sillum ist einer, der das Gesehene in Noten aussprechen kann. Da kommt etwas rüber.

Konzertiert hat er bis vor zwei Jahren auf der ganzen Welt. Dann hat er sich der Pflege seiner Mutter gewidmet. Er hat bei seinen Konzerten Mozart gespielt und die Eigenkompositionen, die mit über tausend Werken schon Bach'sches Ausmaß haben. 270 Neckarballaden sind dabei. »Der Fluss hat mich inspiriert, wie kein anderer.« Er hat in den am Neckar gelegenen Kirchen der Dörfer und Städte gespielt, »bis das Lautertal meine große Liebe wurde«. 50 Lautertaldichtungen hat er bereits komponiert. Zum Teil für Klavier, aber auch für die Orgel. »Damit bin ich noch nicht zu Ende«, erwähnt der Musiker, der bis 1992 auch als Konzertgeiger auf den Bühnen gestanden hat. Seit dem hat er sich dem Komponieren zugewandt, Dichtungen für die Geige geschrieben. Konzerte für Klavier und Violine.

Eine Weihnachtsmusik von Mischa Friedrich Sillum ist beim Orgelkonzert morgen, Samstag, 30. Dezember, von 19 Uhr an in der Blasiuskirche Kleinengstingen zu hören. »Es geht um die Geburt Christi in Bethlehem in zwölf Teilen.«

Zum Osterfest haben die Gomadinger bereits die Auferstehung Christi aus Sillums Feder gehört. »Ein Fünfzig-Minuten-Werk, zwischen dessen Teilen Pfarrer Johannes Streib die Auferstehungsgeschichte erzählt hat.« Er komponiert auch asiatische Musik für die chinesische Traversflöte, die seinem mongolischen Erbteil geschuldet sind. »Der meditative Klang der Flöte trifft meine Seele.« (GEA)

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