Genussradeln - Mit dem TSV Sonnenbühl unterwegs durch die schönste Alblandschaft aller vier Ortsteile

Kleine Abendrunde am Nachmittag

VON JULIE-SABINE GEIGER

SONNENBÜHL. Der Weg ist das Ziel bei so einer Radtour. Zumal von einem ausgearbeitet, der seine schöne Gegend kennt wie seine Westentasche, weiß, wann er den Mitradelnden Pausen gönnen muss und was er ihnen an Steigungen und Strecke zumuten kann, sodass sie nach zwei Stunden am Ziel noch gerne Platz nehmen mochten zum geselligen Abschluss. Lorenz Ott, Abteilungsleiter Tennis beim TSV Sonnenbühl, hatte sich eine Sonnenbühlrunde durch alle vier Ortsteile mit Kreisgrenzübertritt ausgedacht und Vereinsvorsitzender und Gemeinderat Manuel Hailfinger hat die Radler zusammengetrommelt.

Start der Tour am Burgstadion in Undingen.
Start der Tour am Burgstadion in Undingen. FOTO: Markus Pfisterer

Mit oder ohne Schubhilfe

Treff- und Startpunkt zur Radtour war das Burgstadion des größten Sonnenbühler Vereins, der in diesem Jahr bereits das 25-jährige Bestehen seiner schönen Sportstätte gefeiert hat. Natürlich schauen Pedaltreter gerne nach den Zweirädern der anderen. »Was? Mit Motor unterwegs?« Ungläubig wurde hingegen Männerturnen-Trainerin Bärbel Le Claire angesichts des in Aussicht gestellten Streckenprofils gefragt: »ohne Elektroantrieb, ja schaffst Du das überhaupt?« Den Zahn hat die durchtrainierte drahtige Seniorin dem Zweifler umgehend gezogen. Zum täglichen Sportprogramm von Bärbel Le Claire, die in ihrem Leben schon über dreißig Mal das Sportabzeichen abgelegt hat, gehören Radeln und Schwimmen. Die Frau rollt einen Anstieg hoch und unterhält sich dabei mit der Pedelec-Fahrerin, ohne außer Puste zu kommen. Eine beneidenswerte Kondition hat sie.

Übrigens auch Albert Datz, mit demnächst 85 Jahren der älteste Teilnehmer der Tour rund um Sonnenbühl, der sich im Sommer täglich aufs Pedelec schwingt und im Winter auf Langlaufskiern auf den Loipen rund um Sonnenbühl unterwegs ist. Marie Grauer, mit 14 Jahren die Jüngste in der Gruppe, radelt natürlich ohne Strom vorne mit.

Auffallend viele Gütle

Geradelt wird die Abendrunde der Willmandinger, auch die der Undinger, die sich, wem die geplante rund 25 Kilometer lange Runde zu kurz ist, beliebig erweitern ließe. Zum Beispiel über Melchingen und Stetten unter Holstein bis zum Mägerkinger See und über Trochtelfingen zurück nach Sonnenbühl.

Rund 24 Kilometer mehr habe der Schlenker und sei landschaftlich nicht minder reizvoll als die Nachmittagsrunde des Tages, weckt Helmut Lengerer bei den GEA-Vertreten die Neugier auf weitere zauberhafte Winkel der Gegend. An einem anderen Tag. Jetzt zeigen die Sonnenbühler ihre wunderschöne Abendrunde, die entlang der reifenden Getreidefelder und ganz vieler akkurat mit Bohnen, Kartoffeln, Kohl und Blumen bestückter Gütle führt.

Vom Startpunkt Burgstadion in Undingen über den Kirchberg geht es nach Willmandingen, wo schon die nächste Landmarke in Sicht kommt, die Windräder auf dem Himmelberg, der älteste Windpark des Landes wurde vor 22 Jahren auf Melchinger Gemarkung, das schon im Zollern-Alb-Kreis liegt, gebaut. Für heutige Windenergieanlagenverhältnisse sind sie Windmühlenzwerge, die Susanne Hinkelbein den Stoff für ihr Stück »Die Windmüller« geliefert haben, das sie fürs Theater Lindenhof geschrieben hat. Das Theater Lindenhof lässt die Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes links liegen, als Melchingen durchfahren wird.

»Wir brauchen nur zwei Mal über die Bundesstraße und haben nicht durchgehend Radwege«, hatte Tourguide Lorenz Ott vorab angekündigt. Zwei Mal muss die Gruppe rumpelige Schotterpisten nehmen, dort wo noch Lücken im Radwegenetz sind.

Pause bei der Lauchertquelle

Fröhlich parlierend radelt der Tross durch Melchingen, wird gegrüßt, auch launig kommentiert, und nimmt mit Schwung den leichten Anstieg zur Lauchertquelle, die wie Helmut Lengerer in der kurzen Trinkpause erzählt, das ganze Jahr über kühles Wasser ausschüttet, das von 750 Meter Höhe aus der Alb den Weg zur Donau nimmt und nach 2 600 Kilometern ins Schwarze Meer mündet. Wie lange es dorthin wohl unterwegs ist, wird überlegt.

Auf der Hochebene bei den Aussiedlerhöfen erzählt Bärbel Le Claire von ihrer Zeit als Gemeindeschwester in den damals noch viel ländlicher geprägten eigenständigen Gemeinden, die erst 1975 Sonnenbühl wurden und vom täglichen Schwimmen im kleinen Freibad des idyllisch gelegenen Rosen-Campingplatzes schon kurz vor Erpfingen, wo sich die Ruine Hohen Erpfingen in den Blick schiebt. Wieder. Lange Zeit war sie unsichtbar, weil von Bäumen überwachsen.

Gewitterwolken treiben an

Die aufziehenden bleigrauen Wolken werden vorerst ignoriert, in Erpfingen der Marktplatz dennoch zügig überquert. Ein Blick zu Ostereimuseum und Naboriuskirche muss reichen, es sind noch einige Kilometer zu pedalieren. In Richtung Bärenhöhle, durchs idyllische von Wald gesäumte Rinnental, das im Winter der Kältepol der Schwäbischen Alb ist, weil hier die Eisluft zweier Täler wie zwei Flüsse zusammenfließt und so die vier Langlaufloipen samt einer Skaterspur für lange Zeit für die Wintersportler konserviert. Zur Freude von Albert Datz, der hier dann täglich auf Langlaufskiern sein Sportprogramm absolviert.

Die Pause bei der Wetterstation vom Sonnenbühler Wettermann Roland Hummel mit Sitzbänken und Blick auf die noch abschlagenden Golfer sowie die eingezäunte Wetterstation von Ex-Fernseh-Wetterexperte Jörg Kachelmann wird ob der jetzt schwarz und schwer herannahenden Gewitterwolken abgekürzt. Tourenchef Lorenz Ott tritt nun mit mehr Kraft in die Pedale, zieht das Tempo an. Bis Undingen ist es noch ein Stück unter gewitterschweren Wolken. Auf Schotterwegen am Golfplatz entlang ist fast schon keine Zeit mehr, den Blick vom steinigen Weg zu heben, um ihn über die wunderschöne Alblandschaft mit ihren Kuppen schweifen zu lassen. Da ist schon der Kalkstein, den die älteren Undinger noch gut als ihren ehemaligen Skihang in Erinnerung haben. Selbstverständlich ohne Lift.

Schließlich erreichen die zwanzig Velofahrer Undingen. Begossen zwar, aber gut gestimmt können ihnen die Frotzeleien der Zuhausegebliebenen, von wegen »so, send Ihr nass wora«, nichts anhaben. (GEA)

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