Über die Alb
Entwicklung - Warum ist Sonnenbühl nicht im Biosphärengebiet? Vortrag von Bettina Peters löst Diskussion aus

Investieren in den Tourismus

Von Petra Schöbel

SONNENBÜHL. Das Schild des Anstoßes, das auch Bürgermeister Uwe Morgenstern »ein Dorn im Auge« ist, steht an der Stuhlsteige und heißt Autofahrer, die von Sonnenbühl kommend albabwärts in Richtung Pfullingen unterwegs sind, im Biosphärengebiet Schwäbische Alb willkommen. Verkehrte Welt ist das für viele Verantwortungsträger, aber auch für die Bewohner der Sonnenalb. Weshalb ihnen daran liegt, dass die Gemeinde so bald wie möglich dem Unesco-Großschutzgebiet beitreten soll.

Alb-Tourismus hat viele Facetten. Auch der Wintersport, wie hier am Traifelberg, bringt Gäste in die Region. GEA-ARCHIVFOTO
Alb-Tourismus hat viele Facetten. Auch der Wintersport, wie hier am Traifelberg, bringt Gäste in die Region. GEA-ARCHIVFOTO
Dieses Thema beherrschte die Diskussion am Mittwochabend im Restaurant »Bärenhöhle«, nachdem Bettina Peters, Tourismusbeauftragte der Sonnenalb, in einem Vortrag die Chancen der Alb-Gemeinden in Sachen touristischer Entwicklung ausgelotet hatte. Organisiert hatte die Veranstaltung der Verein »Demokratische Bürger Sonnenbühl« (DBS).

Gut fünfzig Interessierte waren gekommen, darunter etliche Bürger aus Erpfingen, dem »Geburtsort« des Sonnenalb-Tourismus, aber auch Leute vom Fach aus anderen Gemeinden. Bettina Peters, die in dieser Woche sowohl den Tourismusverein wie auch den Verband Mythos Schwäbische Alb auf der CMT in Stuttgart vertritt, skizzierte die Dimensionen des europäischen Fremdenverkehrs, berichtete von neuen Trends bei der Urlaubswahl, bevor sie auf die lokalen Entwicklungen einging.



Sonnenbühl ist eine touristische Größe in der Region, machte sie anhand von statistischen Fakten deutlich. Dem Einbruch der Gästezahlen im Jahr 2009 folgte im vergangenen Jahr wieder ein leichter Anstieg. Im Großen und Ganzen, schätzt Bettina Peters, werde dieses Niveau wohl künftig gehalten.

Für das touristische Marketing setzt sie stark auf die sozialen Netzwerke. Die Sonnenalb und Mythos Schwäbische Alb sind dank ihrer Arbeit auch bei Facebook und Twitter präsent und werden über die »Empfehlungen« der Netzwerk-Nutzer verbreitet. Im Vorteil seien auch touristische Anbieter, die sich mit einem Alleinstellungsmerkmal schmücken können oder auf die »grüne Welle Nachhaltigkeit« setzen, erklärte sie.

Beitritt in zwei Jahren möglich

Um den Tourismus vor Ort zu stärken, hält die Expertin es für unerlässlich, die Bevölkerung stärker für das Thema zu sensibilisieren. Jedem müsse klar werden, welche wirtschaftliche Bedeutung der Fremdenverkehr habe. »Kirchturmdenken« sei kontraproduktiv, die Zukunft liege in der Zusammenarbeit der ganzen Region.

Alles schön und gut, meinten Bobbahn-Betreiber Günther Möck und Friseur Dirk Müh zu Beginn der Diskussion, aber warum ist Sonnenbühl noch nicht im Biosphärengebiet, das sich derzeit massiv öffentlich profiliere? In zwei Jahren gebe es wieder die Möglichkeit, beizutreten, betonte Bettina Peters. Bis dahin müsse die Zeit genutzt werden, die Bevölkerung eingehend darüber zu informieren, welche Vor- und Nachteile aus diesem Schritt zu erwarten seien.

Bürgermeister Morgenstern wies daraufhin, dass der Gemeinde lange Zeit der räumliche Anschluss an das Biosphärengebiet gefehlt habe. »Erst kurz vor Ablauf der 'Beitritts-Frist' war diese Bedingung erfüllt«, betonte er, somit sei es für Sonnenbühl dennoch zu spät gewesen. Ex-Ratsmitglied Otto Rempfer ergänzte, dass dieses Thema im Gemeinderat nie auf der Tagesordnung gestanden sei. Alb-Guide Winfried Schneider warnte davor, die Zugehörigkeit zum Biosphärengebiet überzubewerten: »Sonnenbühl kommt auch ohne das gut aus.«

Vorschlag Alb-Card

Ralf Stoll, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands, kritisierte, dass es in der Gemeinde zu lange an einem nachhaltigen Konzept für den Tourismus gefehlt habe. »Die Gemeinde muss Geld in die Hand nehmen und nicht in jeder Haushaltsdebatte wieder über das Museum debattieren«, betonte er. Der Bürgermeister wollte dagegen die Vergangenheit nicht schlechtgeredet wissen. »Man kann nicht alles an Finanzen festmachen«, sagte er, »die Bürger müssen dem positiv gegenüberstehen.«

Ein Busunternehmer aus Undingen regte an, eine Alb-Card anzubieten, um Familien günstigeren Eintritt in alle Alb-Attraktionen zu ermöglichen. (GEA)



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