Wettkampf

In voller Montur auf die Laufstrecke

VON MARION SCHRADE

TROCHTELFINGEN. »Wenn man die Tabelle umdreht, sind die Jungs auf den ersten drei Plätzen«, scherzt Stefan Klingenstein. Der Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Trochtelfingen ist stolz auf sein ungewöhnliches Trio, das beim Alb-Gold-Winterlauf einen Einsatz der etwas anderen Art absolvierte.

FOTO: Jürgen Meyer
Mit Erfolg, denn ihr Ziel haben Armin Ruoff, Dirk Mauser und Daniel Klumpp erreicht: In voller, rund 15 Kilo schwerer Feuerwehr-Montur samt kompletter Atemschutzausrüstung haben sie die Fünf-Kilometer-Distanz in weniger als 50 Minuten geschafft. Dabei sah es am Anfang nicht unbedingt danach aus. Aus einer Laune heraus, erzählt Armin Ruoff, sei die Idee auf der Feuerwehr-Weihnachtsfeier entstanden. Vergessen war sie auch am nächsten Tag nicht, das Trio ließ seinen Worten Taten folgen: Mitten im Winter nahm es sein Training auf.
»Der Trupp bleibt immer zusammen. Auch auf der Laufstrecke«
 

»Anfangs hatten wir Probleme, die fünf Kilometer überhaupt zu schaffen – in normalen Laufklamotten«, räumt Armin Ruoff ein. »Das war schwieriger als gedacht.« Zumal alle drei keine Marathon-Typen seien, flachst Daniel Klumpp: »Wir waren nicht die Schlankesten.« Als American-Football-Spieler sind er und sein Feuerwehr-Kollege Armin Ruoff eher von der robusteren Sorte.

Doch die drei blieben eisern dran und nahmen eine Hürde nach der anderen: Das Gewicht der schweren Ausrüstung simulierten sie zunächst, indem sie Wasserkanister in Rucksäcken mit sich schleppten. Erst zehn, dann 15 Kilo schwer. Irgendwann kam die Atemschutzmaske dazu. »Es war ein beklemmendes Gefühl«, sagt Daniel Klumpp, »beim ersten Mal denkt man, man kriegt keine Luft mehr.« Bei körperlicher Belastung durch eine Membran zu atmen ist die eine Herausforderung. Dabei auch noch einen Schutzanzug zu tragen, der dafür gemacht ist, große Hitze und giftige Dämpfe abzuschirmen, die andere. Denn: Kommt von außen nichts rein, geht auch nichts raus. »Wir sind im eigenen Saft gelaufen«, berichtet Daniel Klumpp. Weshalb sich die drei Feuerwehrmänner – ganz im Gegensatz zu den »normalen« Läufern – über die frühlingshaften Temperaturen gar nicht gefreut haben.

Fast von Kopf bis Fuß waren die Männer in Schutzkleidung unterwegs – fast, weil sie nach dem Praxistest letztlich darauf verzichtet haben, in Feuerwehrstiefeln loszutraben: zu unflexibel und steif. Nur ein einziges Mal haben die drei Feuerwehrmänner die fünf Kilometer in voller Montur probeweise absolviert. Am Donnerstag vor dem Wettkampf. Und da war's verdammt eng: »Wir haben Zweifel daran bekommen, dass wir das in weniger als 50 Minuten schaffen«, sagt Daniel Klumpp.

Es war knapp, aber es hat gereicht: Nach 49 Minuten und 31 Sekunden liefen die Trochtelfinger ins Ziel. Angefeuert von ihren Kameraden, die teilweise zur Verkehrssicherung an der Strecke im Dienst waren. Und vor allem: alle gemeinsam, als Team. »Wir sind die ganze Strecke zusammen gelaufen«, sagt Armin Ruoff. Wurde einer langsamer, taten es die anderen auch und blieben an seiner Seite – getreu dem Grundsatz der Feuerwehr: »Der Trupp bleibt immer zusammen.«

Als Einzelkämpfer unterwegs war Arthur Wagner, der in den Feuerwehren in Glems und Eningen aktiv ist. Auch er lief in kompletter Einsatzkleidung, was die drei Trochtelfinger aber erst im Nachhinein erfuhren. Wagner ging als ambitionierter Sportler mit Marathon-Erfahrung die Zehn-Kilometer-Distanz an. Er gehört zum Team der »Fire Fighters for Aktion Benni & Co.«, die ein karitatives Anliegen haben: Sie sammeln Spenden für Kinder, die an der tödlichen muskulären Erbkrankheit Duchenne leiden. (GEA)

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